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Robert Schmid, der Fußballarbeiter der SpVgg Fürth

Der Linksverteidiger hielt WM-Star Ertl Erhardt den Rücken frei - 01.05.2021 14:35 Uhr

Stolz zeigt Robert Schmid auf sein Konterfei aus den 60er-Jahren, das an der Ehrengalerie in der Haupttribüne hängt.

29.04.2021 © Markus Eigler


Entlang der Erlanger Straße sah es nach dem Zweiten Weltkrieg aus wie an so vielen Stellen: Fliegerbomben, hier vor allem gegen die Dynamit AG gerichtet, hatten verheerende Schäden verursacht. Auch der Sportpark Ronhof kam nicht ungeschoren davon, eine Brandbombe, die wohl einer nahestehenden Flakstellung galt, traf die Haupttribüne.


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Robert Schmid kann sich noch gut daran erinnern. Der 82-Jährige ist inmitten dieser kargen Zeit aufgewachsen, das Elternhaus in der Erlanger Straße lag unweit des Ronhofs, wo im September 1945 der Ball wieder rollte. Der Fußball hatte nichts von seiner Anziehungskraft verloren, erst recht nicht nach dem Krieg.

Wo heute David Raum auf der linken Seite seine Spuren im Rasen hinterlässt, hat früher Robert Schmid geackert. So tief in der gegnerischen Hälfte war er aber selten.

29.04.2021 © Markus Eigler


"Natürlich wollten wir ins Stadion und die Spiele sehen. Die Amerikaner haben das aber streng bewacht, dort standen Soldaten mit Maschinengewehren. Wir haben uns dann in die Schrebergärten rund um den Ronhof geschlichen, sind da durch kleine Löcher durchgeschlüpft und trotzdem ins Stadion gekommen."


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Schon hier ließ sich ein wenig erahnen, welche Eigenschaften es waren, die Robert Schmid bis in die erste Mannschaft des Kleeblatts brachten und die er dort auf dem Platz Spiel für Spiel zeigte: Einsatz, Mut und die Fähigkeit, aus widrigen Situationen mehr herauszuholen als möglich zu sein schien.

Fürths Weltmeister Charly Mai und Herbert Erhardt

Fast 20 Jahre war der Fürther für das Kleeblatt aktiv, 1967 sogar als Kapitän.

29.04.2021 © Foto: privat


Als technisch bester Fußballer galt Schmid nicht, aber das musste er auch gar nicht. Neben fußballerischen Größen wie den beiden Weltmeistern Charly Mai und Herbert Erhardt waren es in den 50er- und 60er-Jahren vor allem die lauf- und kampfstarken Arbeiter wie Linksverteidiger Schmid, die mit ihrem unbändigen Einsatz im wahrsten Sinne den Boden des Erfolgs bereiteten.


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1951 stieß Schmid zur Schülermannschaft des Kleeblatts, mit der er gleich im Jahr darauf die mittelfränkische Meisterschaft gewann – mit 100:0 Toren in 14 Spielen in der Fürther Bezirksrunde. 1959 gelang ihm der Sprung in die Lizenzmannschaft, sein Debüt feierte er im Frühjahr daheim gegen den FC Bayern München.

Besonders der damalige Trainer Jenö Csazknady förderte den Jungspund, der sich nach einem Trainerwechsel zu Robert Gebhard dennoch bis 1961 gedulden musste, bis ihm der Durchbruch gelang. Es bedurfte eines weiteren Jenö als Trainer, mit Nachnamen Vincze, bis der Linksverteidiger in der gerade noch erstklassigen Oberliga regelmäßig spielte.

Schmid definierte sich über sein gutes Stellungsspiel und den schnellen Antritt, das Hauptaugenmerk galt als Linksverteidiger aber der Defensive: "Die Torverhinderung stand immer an erster Stelle, an der Mittellinie war ein Stoppschild, wir sollten die Außenstürmer einsetzen. Wenn wir damals in der gegnerischen Hälfte waren, gab es einen Anpfiff, selbst wenn man ein Tor geschossen hatte", erinnert er sich schmunzelnd.

Kein einziger Platzverweis

Doch geholzt worden ist damals beileibe nicht, Csaknady und seine Nachfolger legten Wert auf Eleganz. "Kampf und Einsatz waren mir schon wichtig. Ich galt zwar als harter, aber auch fairer Spieler. Dass ich in über 200 Spielen nie vom Platz geflogen bin, darauf bin ich stolz." Besonders beeindruckend für den Fürther damals: die Nationalspieler Erhardt und Richard Gottinger. "Wir Jungen haben aufgeschaut zu ihnen. Die hatten die Nase nicht oben, sondern haben uns viel unterstützt. Wir sind regelmäßig nach dem Training Essen gegangen, da gab es auch immer Tipps."

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Beeindruckend sei es gewesen, dass auch die großen Namen immer mit vollem Einsatz im Training dabei waren. Doch da war der Fürther in seinem Element: "Wir konnten niemanden schonen, sondern mussten uns gegen die Etablierten behaupten. Die Technik musste ich mir erst erarbeiten. Es war auch nötig, denn mit den Lederbällen war die Ballbehandlung und -kontrolle viel anspruchsvoller."

Gute Schützen bei Distanzschüssen habe es damals selten gegeben, Max Appis war einer von ihnen. Der heutige Fußball mit seinen schnellen Seitenverlagerungen, ist sich Schmid sicher, sei mit den damaligen Bällen gar nicht möglich gewesen.

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Auch regelmäßige Massagen oder ein Betreuerteam waren allenfalls Wunschdenken beim Kleeblatt: "Wir hatten einen einzigen Masseur für 20 Spieler", rechnet er vor. "Wir konnten uns aber im Kurbad massieren lassen und das abrechnen."


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Immerhin: 400 D-Mark Grundgehalt gab es, "gutes Geld damals zum eigentlichen Beruf dazu", betont Schmid. Trainiert wurde in den 50er-Jahren zweimal die Woche, in den 60ern dann drei- bis viermal. Schon damals war das die Grundlage für die 90 Minuten auf dem Feld, wie der Linksverteidiger betont: "Das war einer der wichtigsten Punkte, den uns die Nationalspieler vorgelebt haben: Nur was man sich im Training erarbeitet, kann man auch im Spiel umsetzen."

Der lange Schatten des 1.FC Nürnberg

Spielten Schmid und die Spielvereinigung bis 1963 in der Oberliga noch in der höchsten Spielklasse, war nach der verpassten Qualifikation für die Bundesliga Zweitligafußball in der Regionalliga angesagt. Mittlerweile hatte er sich in einem Team mit etablierten Größen festgebissen.


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Es war eine Zeit, in der der Fußball langsam seine Entwicklung Richtung Moderne nahm. Die Vereine verpflichteten nicht mehr nur Spieler aus dem Umkreis, sondern auch von anderen Vereinen. Freilich war in Fürth auch schon damals Schmalhans Küchenmeister, wie Schmid berichtet: "Für Spielertransfers war eigentlich kein Geld da. Wenn jemand kam, dann ablösefrei. Die Zuschauer brachten das Geld und der Schatten des 1. FC Nürnberg war schon damals lang. Uns hat halt immer ein bisschen das Geld gefehlt. Die Sehnsucht nach der Bundesliga war und ist bei mir aber immer da."

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1967 – mit Schmid als Kapitän – kratzte das Kleeblatt auf dem dritten Rang an der Aufstiegsrunde, doch zum Sprung nach oben reichte es erneut nicht. Dennoch gelangen der Mannschaft in jener Zeit beachtliche Erfolge: 1964 kegelten Schmid und Co. mit dem Hamburger SV den amtierenden Pokalsieger aus dem Wettbewerb, der Linksverteidiger ragte an diesem Tag heraus. Und 1969 spielte das Kleeblatt international. Ungewöhnlich für einen Zweitligisten erhielten die Fürther eine Einladung zum Intertoto-Cup, damals ein Vorbereitungsturnier mit illustren Namen des Weltfußballs.

Mit dem Kleeblatt international

Gegen den Wiener Sportclub, Djurgardens IF aus Stockholm und Zaglebie Sosnowiec aus Polen errang Fürth den Gruppensieg. Für Robert Schmid ein absoluter Höhepunkt: "Wir sind mit dem Flugzeug jeweils zu den Auswärtsspielen geflogen, das war ein großes Abenteuer. Wir waren der erste Zweitligist, der seine Gruppe gewonnen hat."

Ein Jahr später beendete der Linksverteidiger seine Karriere, trainierte noch den SK Lauf und widmete sich danach intensiv dem Rennrad, auf dem er die Alpen unsicher machte und – ganz der alte Kämpfer – unter anderem die legendären Pässe Fedaia, Falzarego und den Mont Ventoux erklomm.

Einen weiteren Gipfelsturm erhofft er sich noch in diesem Mai: von seinen heutigen Nachfolgern in die Bundesliga. Bei jedem Spiel fiebert Schmid mit und zeigt sich begeistert von Stefan Leitls Team: "Technisch und taktisch spielt die Mannschaft hervorragenden Fußball, vor allem läuferisch ist sie ganz stark. Da stimmt vieles. Ich bin mir zu 80 Prozent sicher, dass es zu einem Platz unter den ersten Drei reicht."


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Es würde verdeutlichen, dass Robert Schmids Tugenden auch heute noch gefragt sind: Einsatz, Mut, und die Fähigkeit, aus widrigen Umständen mehr herauszuholen als möglich erscheint.

Markus Eigler Fürther Nachrichten E-Mail

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