Effzeh spielt wieder guten Fußball

Baumgart und Modeste: Kleeblatt-Gegner Köln wartet mit neuen und alten Helden

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

E-Mail zur Autorenseite

1.10.2021, 06:00 Uhr
Emotionale Antreiber an der Seitenlinie: Kölns Trainer Steffen Baumgart.
 

Emotionale Antreiber an der Seitenlinie: Kölns Trainer Steffen Baumgart.   © Marius Becker, dpa

Mit der Gesamtsituation...

... sind alle beim 1. FC Köln sehr zufrieden - weil sie wissen, dass es vor ein paar Monaten noch ganz anders war. Nach einer schwachen Bundesliga-Saison mussten die Kölner in der Relegation gegen Holstein Kiel ran, verloren das Heimspiel gegen den Zweitligisten und waren für viele Beobachter so gut wie abgestiegen. Dann aber zeigte die Mannschaft, wie gut sie eigentlich ist - und sicherte sich mit einem 5:1 in Kiel doch noch den Klassenerhalt.

Der ist auch in dieser Spielzeit das Ziel des Effzeh, „wir kämpfen mit den Fürthern um den Klassenerhalt“, sagte Trainer Steffen Baumgart vor dem Vergleich mit dem Kleeblatt am Freitagabend. Die niedrige Erwartungshaltung passt allerdings nicht so recht zum bisherigen Saisonverlauf. Die Kölner gewannen zweimal, spielten dreimal Unentschieden und verloren nach einer sehr guten Leistung nur knapp mit 2:3 beim FC Bayern München. Derzeit sind sie Tabellensiebter – mit acht Punkten mehr als die Spielvereinigung.

An der Seitenlinie...

... steht ein Mann, den alle Fürther noch gut aus den Jahren in der zweiten Bundesliga kennen. Steffen Baumgart hat dem Kleeblatt mit seinem SC Paderborn immer wieder Probleme bereitet, mit seiner sehr emotionalen Art an der Seitenlinie eckte er immer wieder auch an. Die Spiele der Paderborner boten oft viel Spektakel – dass er dieses auch in Köln sehen will, kündigte Baumgart schon bei seiner Vorstellung in Köln. „Ich habe eine Art Fußball zu spielen, das werden wir nicht von heute auf morgen erreichen“, sagte er. „Lieber gibt es hinten eines mehr und dafür sehen wir vorne viele Tore.“

Die Cap aus Paderborner Zeiten hat Baumgart eine Liga weiter oben gegen eine Schiebermütze getauscht, die schnell Kultstatus erreicht hat. Die „Gatsby Cap Pin“ für 24,95 Euro ist derzeit im Fanshop der Kölner ausverkauft. Dennoch möchte Baumgart nicht als Trendsetter, sondern als Trainer gesehen werden. „Ich glaube nicht, dass es entscheidend ist, ob ich im Anzug an der Seitenlinie stehe“, sagte er. „Das hat doch nichts mit meiner Leistung als Trainer zu tun. Ich finde, es sollte zu erkennen sein, dass ein Trainer ein Trainer ist und nicht eine Modemarke.“

Der letzte Auftritt...

... war kein schöner, aber er brachte den Kölnern zumindest einen weiteren Punkt. Zum dritten Mal in Folge spielte der Effzeh 1:1, im Auswärtsspiel bei der Frankfurter Eintracht mussten allerdings Luca Kilian und Benno Schmitz mit Kopfverletzungen ausgewechselt werden. Innenverteidiger Kilian wird am Freitagabend auch nicht mitwirken können, ihn wird Jorge Mere vertreten.

Alle Augen auf...

... Modeste, Modeste, Anthony Modeste. Denn: Wer feiert täglich Schützenfest? Wer trinkt gern Kölsch vorm Dopingtest? Und wer ist beim Kicken nie gestresst? Die Antwort: Anthony Modeste. Die Kölner Fans haben ihrem Publikumsliebling vor einiger Zeit sehr viele Strophen gewidmet und ihn immer wieder im Stadion hochleben lassen.

Nach einigen schwierigen Jahren, inklusive einem Wechsel nach China zu Tianjin Tianhai und einer Leihe zur AS Saint-Etienne in Frankreich, ist der 33 Jahre alte Angreifer wieder zurück und hat in dieser Spielzeit bereits vier Tore erzielt. Dabei profitiert er davon, dass Steffen Baumgart auf eine sehr offensive Spielweise setzt und viele Flanken in den Strafraum schlagen lässt. „Der Trainer denkt offensiv, das ist gut für uns“, sagte Modeste zuletzt. Als er in Freiburg traf, feierte er das Tor nicht mit seinen Kollegen auf dem Platz, sondern rannte zur Seitenlinie – in die Arme von Steffen Baumgart.

1 Kommentar