Kolumne zum Kleeblatt

Laubenweg 60: Gäste aus einer Stadt namens Greuth

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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22.11.2021, 15:15 Uhr
Fürther Botschaften in der Mönchengladbacher Nordkurve: Dieses Banner zeigten die Fans der Borussia am Samstag beim Heimspiel gegen das Kleeblatt.

Fürther Botschaften in der Mönchengladbacher Nordkurve: Dieses Banner zeigten die Fans der Borussia am Samstag beim Heimspiel gegen das Kleeblatt. © Michael Fischer

Wer mit dem Kleeblatt durch Deutschland reist, der muss irgendwann einsehen, dass der größte Namensbestandteil der Spielvereinigung Greuther Fürth offenbar sehr verzichtbar ist. In der Bundesliga reden alle Menschen, ob Fans, Verantwortliche oder Journalisten, nur noch von "Greuther Fürth", ganz so, als gäbe es dieses vermeintliche Namensungetüm Spielvereinigung gar nicht, als wären diese fünf Buchstaben "SpVgg" nur dazu, auf dem Rücken der Trikots ein bisschen Platz zu füllen.

In Mönchengladbach musste man als Fürther, der in dieser Stadt groß geworden ist und gerne hier lebt, mal wieder sehr stark sein. Die Fans vor dem Stadion rätselten ob ihre Borussia oder „Greuther“ gewinnt – und fanden die Antwort auf ihre Frage dann sehr schnell. Der Greuther war nämlich komplett überfordert – so, wie viele Menschen im Profifußball mit diesem seltsamen Namen.

Der Stadionsprecher, der einfach nur nett sein wollte, begrüßte ein paar Minuten vor dem Anpfiff allen Ernstes die „Gäste aus Greuth“, es war ganz offensichtlich ein sehr besonderer Gruß an einen erlesenen Kreis, denn Fahnen oder Trikots des TSV Vestenbergsgreuth sah man in Borussia Park nicht. Gut möglich, dass sich tatsächlich ein echter Greuther unter den 40.000 Menschen versteckte, aber viele dürften es nicht gewesen sein. Die meisten Greuther dürften es derzeit ohnehin eher mit ihrem TSV halten, der mit 70:17 Toren und 44 Punkten als Meister der A-Klasse 2 in die Winterpause geht. Mit Spielern wie Johannes Jakob und Pascal Thienelt, die mit 22 und 21 Toren die Torjägerliste anführen.

So ganz einig waren sie sich in Gladbach aber nicht, wer da am Samstag bei ihnen vorbeischaute. Greuther? Fürth? Die Greutherfürther? In der Nordkurve hängten die Ultras der Borussia während des Spiels ein großes Banner an den Zaun, auf dem sie tatsächlich "Zurück zur SpVgg Fürth" forderten. Auch für sie ist offenbar ein Namensbestandteil verzichtbar.

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