Der Wintermeister im Check

Nicht schön, aber erfolgreich: Was das Kleeblatt in Darmstadt erwartet

Fadi Keblawi
Fadi Keblawi

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12.11.2022, 12:43 Uhr
Erfolgstrainer: Torsten Lieberknecht will mit Darmstadt nach oben

© Uwe Anspach, dpa Erfolgstrainer: Torsten Lieberknecht will mit Darmstadt nach oben

So ist die Lage:

Angespannt - zumindest was das Personal betrifft. Darmstadt geht auf Krücken Richtung WM-Pause. Fünf Spieler fallen derzeit verletzt aus - je nachdem, wann sie wieder belastbar sind, wird der Verein im Winter auf dem Transfermarkt tätig. Es soll ja nicht der Aufstieg in Gefahr geraten, nur weil niemand mehr da ist. Dass der Aufstieg gelingen könnte, ist am Donnerstag noch einmal wahrscheinlicher geworden: Da gewannen die Lilien allen Personalsorgen zum Trotz mit 1:0 in Magdeburg. Sie empfangen deshalb das Kleeblatt als Herbst- und Wintermeister der zweiten Liga.

Top & Flop:

Was man gegen diese Darmstädter besser vermeidet? Einen Rückstand. Ist allerdings kompliziert, weil die Mannschaft von Torsten Lieberknecht vor allem in der Anfangsphase eines Spiels eine enorme Wucht entwickeln kann. Effizient sind sie auch noch.

Und dann? Dann stehen sie auch noch in der Defensive stabil. Top-Voraussetzungen also, um in der zweiten Liga Spitzenreiter zu werden. Damit ist aber auch der Flop der Darmstädter schon beschrieben. Wirklich attraktiv ist ihr Fußball-Ansatz nicht. Muss er aus ihrer Sicht aber ja auch nicht sein.

Im Fokus:

Bei Eintracht Braunschweig ist Torsten Lieberknecht als Trainer berühmt geworden. Weil er in Braunschweig trotz aller Heldentaten aber irgendwann entlassen wurde, nahm Lieberknecht noch den Karriereknick MSV Duisburg mit. Seit Juni 2021 arbeitet er jetzt am Böllenfalltor - ziemlich genau so lange wie einer, der einst in der Nähe von Braunschweig Tür an Tür mit ihm gewohnt hat: Philipp Tietz war elf Jahre jung, als Lieberknecht die Eintracht übernahm und ist heute ein ausgewachsener Stürmer. Einer, der in 49 Spielen schon 21 Mal getroffen hat für die Lilien. Entdeckt haben ihn die immer wieder clever einkaufenden Darmstädter übrigens beim SV Wehen Wiesbaden in der 3. Liga. In Braunschweig hatte sich Tietz nämlich nicht durchsetzen können - auch wenn er unter Lieberknecht zum jüngsten Braunschweiger Torschützen der Zweitligageschichte geworden war.

Die Bilanz:

Sieht gut aus für das Kleeblatt. In 38 Spielen setzte sich nur 13 Mal Darmstadt durch. Für Fürth reichte es zu 16 Siegen und neun Unentschieden, die Torbilanz ist mit 58:55 ebenfalls positiv. Allerdings gab es in den letzten drei Partien keinen Fürther Sieg mehr und einmal im Dezember 2020 sogar eine krachende 0:4-Heimniederlage. Trotzdem noch ein Mutmacher: In Darmstadt hat Fürth seit 2018 nicht mehr verloren.

Man kennt sich:

Eher indirekt. Vielleicht aber hat sich der Darmstädter Mittelfeldspieler Klaus Gjasula von seinem Bruder Jurgen etwas erzählen lassen über die schönen Seiten von Fürth. Oder Tobias Kempe hat nach seiner eher kurzen Zeit in Nürnberg ein bisschen Wissen über den mittelfränkischen Fußball mit nach Hessen gebracht.

Und sonst so:

Bauen sie auch in Darmstadt ihr Stadion um. Schön ist es dort inzwischen, dichte Atmosphäre alles was das Fußballfanherz begehrt. Allerdings hat die Sache auch hier ihren Haken: Die großartigen Schwenkgrills auf denen sie am alten Böllenfalltor immer großartige Bratwürste gegrillt haben, sind im Zuge des Umzugs verschwunden. Manchmal ist der moderne Fußball auch ein Rückschritt.

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