Trainer redet Klartext

Noch nicht in Wettkampfform: Schneider sieht viele Aufgaben für sein Kleeblatt

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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3.7.2022, 13:02 Uhr
Julian Green durfte das Kleeblatt beim Test gegen Pardubice als Kapitän anführen, tat sich selbst aber, wie all seine Kollegen, erstaunlich schwer.

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink Julian Green durfte das Kleeblatt beim Test gegen Pardubice als Kapitän anführen, tat sich selbst aber, wie all seine Kollegen, erstaunlich schwer.

Die Unzufriedenheit war Marc Schneider anzusehen und anzuhören. Während im Feuchter Waldstadion die Kleeblatt-Hymne erklang und die Kinder ihre Idole mit strahlenden Gesichtern um Autogramme und Fotos baten, redete der Trainer Klartext. Seine Mannschaft hatte soeben durch ein Tor von Armindo Sieb 1:0 gegen den tschechischen Erstligisten FK Pardubice gewonnen, zufrieden war Schneider aber nur mit einer Sache: dem Ergebnis.

Dabei geht es in Testspielen ja weniger um Resultate, sondern darum, gewisse Abläufe einzustudieren, immer und immer wieder, auch wenn es dann mal nicht für einen Erfolg reicht. Doch am Samstagnachmittag sah man zwischen all den lachenden Kindern einen sehr ernsten Marc Schneider, dem sehr viele Dinge missfielen - und der diese auch ganz offen ansprach.

"Die Leistung war nicht gut, wir haben nicht das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben", klagte der Trainer. Er hätte nach Ausreden suchen und über den "schwierigen und stumpfen Platz" reden können, über das "hohe Gras", über die Hitze, "das kann alles aber nicht die Begründung oder gar die Ausrede sein für viele Punkte, die wir nicht gut gemacht haben".

Vor allem der Spielaufbau, den das Kleeblatt gegen die schwachen Tschechen fast dauerhaft üben durfte, missfiel dem Trainer. Die Fürther ließen den Ball zwar immer wieder ansehnlich laufen, wirklich viel kam dabei aber nicht rum. Auch, weil die Weiß-Grünen oft den Weg über die Mitte des Feldes suchten, wo es ziemlich eng zuging. "Wir hatten zu wenig Tiefe und haben zu oft ins Zentrum gespielt", fand Schneider.

Immer wieder: die Basics

Dabei nahm er seine erfahrenen Innenverteidiger Sebastian Griesbeck und Oussama Haddadi in die Pflicht, die den Ball nach Schneiders Wunsch "auch zwei-, dreimal weit hinter die letzte Linie" des Gegners spielen sollen, wenn der übliche Weg nach vorne verschlossen ist. Bei den Angriffen von Pardubice stimmte zudem anfangs die Abstimmung zwischen Griesbeck und Haddadi nicht, "da geht es um Kommunikation", monierte Schneider, der "nichts von einer Sprachbarriere" zwischen dem Deutschen und dem Tunesier hören will. "Das war nicht gut", so der Trainer. "Sie müssen den Fokus von der ersten Aktion an hochhalten."

Wer im Feuchter Waldstadion genauer hinschaute, sah aber auch Positives. Im Trainingslager hatte Schneider zuletzt über seine Philosophie gesprochen, darüber, dass die Spieler den Ball möglichst schon mit dem ersten oder zweiten Kontakt weiterspielen sollen. Das klappt inzwischen besser, "es kann aber noch schneller sein", so der Trainer, dem allerdings bewusst ist, dass vor allem die einfachen Dinge, die Basics, Zeit brauchen. "Es geht ja ums Umlernen, nicht ums Neulernen", so Schneider.

Manche Spieler würden den Ball gerne länger am Fuß haben, um nach der besten Lösung zu suchen. Gegen Pardubice bekamen die Fürther aber wieder zu spüren, dass das mitunter wehtun kann. "Du machst Sachen, die du nicht machen sollst und bekommst Schläge", sagte der Trainer. "Das alles nur, weil du die einfachen Sachen nicht richtig machst."

Auffällig war zudem, wie wenig auf dem Platz gesprochen wurde. Das lag vor allem am Fehlen von Branimir Hrgota, der sich, wie zuletzt mehrere Spieler, mit Magen-Darm-Problemen herumplagt sowie Timothy Tillman (muskuläre Probleme). "Das sind zwei, die viel sprechen, wovon man meist nicht so viele hat", so Schneider. "Wenn die dann wegbrechen, merken wir, dass wir dort ein Defizit haben."

Jung fällt weiter aus

Zwei Wochen vor dem Saisonstart sieht der Trainer also noch einige Aufgaben - und auch, dass mancher junge Spieler noch Zeit braucht. Inzwischen wird immer deutlicher, dass Kleeblatt eine starke erste Elf, ein "gutes Gerüst" hat, die Qualität dahinter aber relativ schnell abfällt. "Wir müssen schon alle an Bord haben, damit wir eine sehr gute Truppe haben", formuliert es Schneider.

Nicht an Bord ist derzeit erneut Innenverteidiger Gideon Jung, der nach seiner langen Verletzung wieder Knieprobleme hat und den Saisonstart in zwei Wochen gegen Holstein Kiel sicher verpassen wird.

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