Leihgabe der Bayern ohne Chance

Wunschspieler auf der Tribüne: Das große Rätsel um Fürths Adrian Fein

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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26.10.2021, 06:00 Uhr
Ein seltener Anblick: Adrian Fein im Trikot des Kleeblatts, hier beim Testspiel gegen Heidenheim in der jüngsten Länderspielpause.

Ein seltener Anblick: Adrian Fein im Trikot des Kleeblatts, hier beim Testspiel gegen Heidenheim in der jüngsten Länderspielpause. © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink

Die Frage war keine, auf die sich Stefan Leitl freute, vor allem nicht nach einer 1:4-Niederlage. Und doch gehörte sie zu diesem Spiel - obwohl der Mann, um den es ging, keine Minute mitgespielt hatte. Adrian Fein hatte ja noch nicht mal mitreisen dürfen nach Leipzig. Wo er den Samstagnachmittag verbrachte, ist nicht überliefert. Zum vierten Mal in Folge hatte es der 22 Jahre alte Mittelfeldspieler nicht in das Spieltags-Aufgebot geschafft.

Die Personalie Fein entwickelt sich immer mehr zu einem Rätsel, das viele Fragen aufwirft, die Stefan Leitl aber immer gleich beantwortet. Wenn ein so talentierter Fußballer, den Leitl im Sommer noch als "Wunschspieler" bezeichnet hatte, überhaupt keine Rolle spielt, noch dazu in einer Mannschaft, die acht von neun Spielen verloren hat, muss ja irgendetwas nicht stimmen. Muss zwischen Trainer und Spieler etwas passiert sein. Oder doch nicht?

Stefan Leitl verweist immer wieder darauf, dass sich Fein im Training schon anbieten könne für eine Nominierung - ob nun für die Bank oder sogar die Startelf. Er tut es nur nicht, zumindest nicht nach Meinung des Fürther Trainers. Tatsächlich ist die Leihgabe des FC Bayern kein Spieler, der in den Einheiten unter der Woche extrem auffällt, weder durch harte Grätschen noch durch herausragende Abschlüsse. Er fällt aber auch nicht ab im Vergleich mit dem Rest.


Adrian Fein will beim Kleeblatt endlich Bundesliga spielen


In der Tiefgarage unter der Leipziger Arena wiederholte Leitl am Samstagabend seine Worte der vergangenen Wochen. "Es liegt an Adrian", sagte der Trainer. "Wir werden weiter mit ihm arbeiten, bis er in der Lage ist, uns in der Bundesliga weiterhelfen zu können." Die Geduld haben sie in Fürth also noch nicht verloren mit ihrem vielleicht besten Fußballer, derzeit aber drängen Spieler wie Max Christiansen oder Nils Seufert offenbar eher in den Kader.

Stefan Leitl weiß natürlich, dass die Personalie Fans und Beobachter umtreibt, vor allem nach den lobenden Worten bei der Verpflichtung im Juli. "Adrian passt hervorragend in unser Anforderungsprofil und ist im zentralen Mittelfeld eine absolute Verstärkung für uns", bekannte Geschäftsführer Rachid Azzouzi damals. Fein habe sich "ganz klar für uns entschieden und den Weg, den wir ihm aufgezeigt haben."

Nur scheint dieser Weg für Fein unerwartet viele Hindernisse bereitzuhalten, womöglich läuft das große Talent sogar gerade in eine Sackgasse. Bereits zum zweiten Mal in der jüngeren Vergangenheit. Vor seiner Leihe nach Fürth hatte er sich auch schon beim der PSV Eindhoven in den Niederlanden sehr schwergetan, "es war nicht die beste Entscheidung", sagte er im Trainingslager, die Zeit dort aber sei "für den Lernprozess nicht schlecht" gewesen.

Auch in Fürth musste er anfangs lernen und tat sich zu Beginn schwer mit der Intensität im Training, die, wie viele Neuzugänge sagen, deutlich höher ist als bei anderen Klubs. Inzwischen hat er sich akklimatisiert, doch mit jedem Spiel auf der Tribüne wird es natürlich auch für den Kopf schwieriger, fällt es schwerer, sich zu motivieren, in jedem Training alles zu geben.

Der FC Bayern, bei dem Adrian Fein noch einen Vertrag bis Juni 2023 hat, verfolgt die Entwicklung seines Spielers, so ist aus München zu hören, sehr genau - und ist ähnlich verwundert wie viele Menschen in Fürth, dass der vermeintliche Wunschspieler des Kleeblatts vor allem eines spielt: keine Rolle.

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