Ausdauersport

Triathlon zurück aus Corona-Pause: Neumarkterin mischt mit

1.6.2021, 18:58 Uhr
Der äußerliche Eindruck täuscht. Beim eisigen Schwimm-Start des Triathlons in St. Pölten hatte die Neumarkterin Elena Illeditsch keinen Spaß.
 

Der äußerliche Eindruck täuscht. Beim eisigen Schwimm-Start des Triathlons in St. Pölten hatte die Neumarkterin Elena Illeditsch keinen Spaß.   © Michael Vogel/privat

Wie so viele Menschen sehnte sich Elena Illeditsch in den vergangenen Monaten sehr danach, endlich einmal wieder weiter rauszukommen. Das sind in ihrem Fall meistens südliche Gefilde, um Urlaub mit sportlichem Hobby zu kombinieren.

Am Zielort der jüngsten Auslandsreise erwachte Elena Illeditsch jedoch „so fertig wie selten“. Viel zu spät hatte sie auf der Autofahrt zur kroatischen Halbinsel Krk ihren Hunger mit einem Tankstellen-Baguette bekämpft und in der Nacht auf Montag Kopfschmerzen bekommen. So war die 30-Jährige ihren Eltern und dem Lebensgefährten zunächst auch keine große Hilfe beim Frühjahrsputz im neu erworbenen Ferienhaus, dachte stattdessen darüber nach, ob ihre Sport-Karriere die Mühe noch Wert ist.


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Seit 2015 investiert die in Vollzeit berufstätige Ingenieurin, die es nach dem Studium in die Oberpfalz verschlug, einen beträchtlichen Anteil ihrer Freizeit ins Triathlon-Training, löste 2020 mit Unterstützung von Sponsoren sogar eine Profi-Lizenz. Dass die Premieren-Saison durch Corona ein jähes Ende fand, bremste die gebürtige Nördlingerin nur bedingt in ihrem Eifer. „Obwohl schnell klar war, dass im Herbst wohl nichts mehr geht, habe ich nie die Motivation verloren“. Einerseits lenkte die Büroarbeit ab, andererseits peppte Illeditsch ihr wöchentliches Übungspensum von 15 bis 20 Stunden mit selbst gestellten Härtetests auf, etwa in dem sie die 400-Kilometer-Strecke von München zum Gardasee an einem Tag mit dem Rennrad zurücklegte.

Als es nun die Fortschritte bei der Pandemiebekämpfung ermöglichten, erstmals wieder einen Wettkampf im deutschsprachigen Raum durchzuführen, musste die inzwischen beim TSV Greding gemeldete Illeditsch indes nicht lange überlegen. Zumal sich die Teilnahme an der Challenge-Mitteldistanz im niederösterreichischen St. Pölten praktisch als Zwischenstation auf dem Weg gen Kroatien in den Kalender einschieben ließ. Tatsächlich geriet die Veranstaltung zum Szene-Schaulaufen, wobei die strengen Hygiene-Regeln den Austausch minimierten.

Treffen der Szene-Stars

„Gefühlt die ganze Welt“ vermutete Illeditsch nach der langen Pause unter den knapp 1000 Köpfen um Stars wie Sebastian Kienle und Anne Haug, die alle mit negativem Corona-Test anreisten und bis kurz vor dem Start in kleinen Gruppen Maske tragen mussten. Aufgrund des starken Aufkommens von Spitzenkräften „wusste ich schon vorher“, dass ein vorderer Platz kaum realistisch war.

Doch nicht im Ansatz ahnte die Neumarkterin, die ein paar Tage zuvor noch leichte Erkältungssymptome auszustehen hatte und deshalb mit minimalem Vorlauf von 36 Stunden am Ort des Geschehens eintraf, welches Leid ihr bevorstehen sollte. Die Kraft- und Trockeneinheiten am heimischen Seilzug und die kurzen Abstecher ins fränkische Seenland erwiesen sich als ungenügende Schwimm-Vorbereitung auf das 15 Grad kalte Wasser und einstellige Außentemperaturen eines frühen sonntagmorgens.


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Als die 30-Jährige die 1900 Meter schließlich hinter sich gebracht hatte, war der anfängliche „Riesen-Respekt“ in ein stetes Zittern übergegangen. „Wie in Zeitlupe“ stülpte sie sich mit eisigen Händen in der Wechselzone noch ein paar wärmende Klamotten über, fiel auf der ersten Hälfte des 90-km-Radkurses dennoch weiter zurück, verlor dazu ihre Energie-Gels. Eigentlich hätte das Terrain mit drei Anstiegen dem 1,74-Meter-Leichtgewicht entgegenkommen sollen. Zu diesem Zeitpunkt liebäugelte Illeditsch ernsthaft mit dem „Gedanken ans Aufgeben. Ich war so weit weg von meinem Schnitt und habe mich geschämt“.

Während andere Profi-Frauen schon nach der Schwimm-Partie ausgestiegen waren, entdeckte die Oberpfälzerin ihre Kämpfernatur und stand die „echte Tortur“ bis zum Schluss durch. Im abschließenden Halbmarathon gelang es ihr, mit einigen Überholmanövern und der drittbesten Laufzeit von 1:18 Stunden den größten Frust abzuschütteln. Mit dem Abstand von zwei Tagen der Regeneration im kroatischen Urlaubs-Quartier gibt sich Elena Illeditsch mit Platz 17 in 4:51 Stunden und ihrem anstrengenden Hobby wieder versöhnt. „Ich weiß, dass noch mehr in mir steckt“, erklärt Illeditisch, die auf eine baldige Chance zum Durchbruch beim Challenge Roth hofft. Zumindest die Anreise wäre stressfrei.

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