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Adidas-Chef Rorsted: "Wandel ist gesund für ein Unternehmen"

Zum 70-jährigen Jubiläum spricht der Boss auch über extreme Gewinnziele - 14.08.2019 06:00 Uhr

Kasper Rorsted (57) ist in Aarhus geboren und kam 2016 vom Waschmittelkonzern Henkel zu adidas. Der Betriebswirt mit dänischen Pass lebt schon lange in Deutschland. Er hatte seine Laufbahn zuvor in der Computerindustrie begonnen, bei Firmen wie Oracle, Compaq und Hewlett Packard. Seine vier Kinder sind alle in Deutschland geboren. © Foto: Eduard Weigert


Herzogenaurach ist schon ein Phänomen: Drei Großarbeitgeber haben ihren Hauptsitz in diesem Dorf. Sprechen Sie öfter mal mit Puma-Chef Björn Gulden und Schaeffler-Vorstandschef Klaus Rosenfeld?

Kasper Rorsted: Das ist ja das Schöne hier, man läuft sich über den Weg. Mit Schaeffler, aber noch mehr mit Puma, also Björn, tausche ich mich regelmäßig aus, über das Telefon oder beim Dinner. Er ist Norweger, ich Däne, das verbindet. Es gibt keine Feindschaft auf dieser Ebene.

Adidas hat den Fußballklub Manchester United unter Vertrag, Puma seit kurzem Manchester City. Reden Sie mit Björn Gulden auch über die Liebe zu Manchester?

Rorsted: Das nun nicht.

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Ich hörte, Ihr Vorgänger Herbert Hainer hat zum Firmenjubiläum bei Ihnen vorbeigeschaut. Wie lief das mit der Amtsübergabe? Konnte Hainer loslassen?

Rorsted: Ja, das lief ganz pragmatisch. Herberts Vertrag endete und am 1. Oktober 2016 habe ich übernommen, nachdem wir zwei Monate lang noch gemeinsam bei Adidas waren, zu meiner Einarbeitung. Der Aufsichtsrat und er haben mich ja damals von Henkel geholt.

Welches ist Ihr Lieblingsgebäude auf dem Campus?

Rorsted: Arena ist ganz neu und faszinierend. (Rorsted hat ein großes Büro in der eleganten Vorstandsetage im dritten Stock, Anm. d. Red.). Gefallen hat mir aber auch mein Büro im Spikes, wo ich bisher saß. Da konnte ich durchs Fenster sehen, wer ankam. Fuhr ein Kollege oder ein Athlet aus Kanada oder Argentinien vor, konnte ich aus dem Fenster rufen: "Hey, komm vorbei." Diese Nähe fehlt mir ein bisschen.

Von Hainers Vorstand ist nur noch die Hälfte da. Und zwei von Ihnen berufene Topmanager, der Europachef und der Beschaffungsvorstand, waren schnell wieder weg. Sie scheinen das Top-Personal rasch auszuwechseln.

Rorsted: Wandel wird immer da sein, ich finde das auch gesund für ein Unternehmen. Ungefähr 80 Prozent der Beförderungen von Führungskräften werden aus unserem internen Pool bestritten. Sonst wäre auch unsere Personalentwicklung nicht gut. Personalentwicklung ist Aufgabe jeder Führungskraft.

Aus dem Unternehmen ist immer wieder zu hören: "Der Chef macht Stress, der macht richtig Druck." Wer die Performance nicht bringt, fliegt. Ist das so?

Rorsted: Da muss ich energisch widersprechen. Hier am Hauptsitz bleiben die Mitarbeiter im Schnitt acht Jahre, die Fluktuation ist also gering. Aber wir müssen unsere Ziele erreichen. 2014 wurden sie verpasst. Deshalb hat sich das Unternehmen strategisch neu aufgestellt.

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Hat Ihr Tag heute anders begonnen als ein normaler Arbeitstag?

Rorsted: Nein. Ich bin um 5.30 Uhr fröhlich ins Büro geradelt und bleibe von kurz vor 6 bis 7 Uhr im Adidas-Fitness-Studio. Um halb acht beginne ich die Arbeit. Ich versuche, wenn ich in Herzogenaurach bin, immer den gleichen Rhythmus einzuhalten.

Sie sind vierfacher Vater. Haben Jugendliche heute die Fähigkeit, vor lauter Daddeln noch zu erkennen, was wirklich wichtig ist?

Rorsted: Der größte Unterschied zwischen meiner Zeit als Kind und der heutigen ist wohl der: Wir haben damals jeden Nachmittag auf der Straße Fußball gespielt. Das war für mich eine unheimlich wertvolle Zeit, auch wenn ich kein guter Schüler war. Das ist wohl eine altmodische Einstellung. Wer viel allein am Smartphone wischt, erfährt einen Riesenverlust. Sport ist eine gute Lehre für das Leben, auch für Teamarbeit, auch für den Erfolg. Ohne Disziplin wird kein Sportler auf Dauer Erfolg haben.

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Welches Menschenbild haben Sie? Ist die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter von Grund auf bereit, Bestleistung zu zeigen oder muss der Chef eher aufpassen, dass sie nicht zu faul werden?

Rorsted: Ich glaube, die meisten wollen eine sinnvolle Arbeit und eine Belohnung dafür haben. Vom bedingungslosen Grundeinkommen halte ich nichts. Für nichts Geld zu bekommen, macht nicht glücklich. Unsere Mitarbeiter hier tun ihre Arbeit verantwortungsvoll. Die Chefs können ja nicht alles haarklein vorschreiben, das geht nicht und das sollen sie auch nicht.

Was würde wohl Adi Dassler sagen, wenn er sähe, dass Adidas-Schuhe auch von Robotern gefertigt werden?

Rorsted: Ich glaube, er wäre stolz. Sein Ziel war immer, ein verbessertes Produkt für den Sportler zu fertigen, egal wie. Schauen Sie hinter mich an die Wand: Da ist Jesse Owens, der vierfache Olympia-Sieger 1936 in Berlin. Der beste Läufer mit den besten Schuhen.

 

Interview: Angela Giese

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