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Messe-Frau Hartmann: Die strenge Dame lacht gern

Gesichter der Wirtschaft: Hilke Hartmann, Protokoll-Referentin der NürnbergMesse, mag’s privat eher lässig - 11.08.2010 16:21 Uhr

Hilke Hartmann in der Mercator-Lounge der NürnbergMesse: Hier können sich Gäste entspannen.

11.08.2010 © Stefan Hippel


Wenn Hilke Hartmann Polit-Prominenz über Messen begleitet, ist sie, wie sie es nennt, ganz „die strenge Dame vom Protokoll“. Mit preußischer Disziplin sorgt die gebürtige Bremerin dafür, dass der Zeitplan des Rundgangs eingehalten wird. „Ich bin dafür verantwortlich, dass die VIPs pünktlich durchs Programm kommen. Sie haben ja häufig auch noch Anschlusstermine“, erklärt die 43-Jährige. Volksvertreter höflich, aber bestimmt von Ständen und Gesprächspartnern loszueisen, gehört zu ihrem Alltag.

Bei Aufgaben wie diesen laufe sie im „Protokollmodus“, sagt Hilke Hartmann. „Ich bin dann sehr fokussiert auf mein Programm, wirke dadurch ernster und distanzierter, als ich es als Mensch eigentlich bin. Mein Schritt wird schneller, meine Schultern gerader.“ Nach einer kleinen Pause schiebt sie nach: „Ich bin aber nicht so bissig, wie ich im Job bisweilen erscheine. Ich lache sehr gerne“, um dann genau das zu tun — lachen. Der Protokollmodus und sie selbst, das seien einfach zwei Ebenen.

Dolmetscherdienste in Kyoto

Zu Ersterem gehören immer der dunkle Hosenanzug oder das Kostüm mit langem schmalen Rock, ebenfalls in Schwarz oder Marineblau. Dezenter Schmuck ist das Höchste an Zierrat, dass sich Hilke Hartmann im Dienst erlaubt. So authentisch die Hanseatin in ihrer Geschäftskluft wirkt: „Privat laufe ich lieber in Jeans und Pulli herum“, versichert sie und lacht wieder. Diese Kleidung eignet sich zweifellos auch besser, um mit ihrer fünfjährigen Tochter herumzutoben — etwas, was die strenge Dame vom Protokoll liebend gerne und oft macht.

In ihren Beruf ist Hilke Hartmann mehr oder weniger hineingerutscht. Nach dem Studium der Japanologie und der Anglistik mit Schwerpunkt Amerikanistik, ging sie mit ihrem Mann nach Japan. Während er in Kyoto an seiner Promotion arbeitete, heuerte sie beim deutschen Generalkonsulat in Osaka an, das jemanden für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit suchte. „Ich war 1997 beim Klimagipfel in Kyoto dabei“, erzählt sie. „Das Generalkonsulat hat mich dorthin geschickt, um unsere Politiker zu unterstützen.“

Diese hatten Hilfe bitter nötig, um außerhalb der Konferenz überhaupt verstanden zu werden: Mit der internationalen Geschäftssprache Englisch war jenseits des Gipfeltreffens nichts zu machen. „Ich war die einzige Japanisch sprechende Europäerin vor Ort. Am Schluss sind die gesamten EU-Teilnehmer zu uns gekommen, wenn es irgendetwas zu klären oder organisieren gab“, berichtet Hilke Hartmann, die es selbst „sehr aufregend“ fand zu sehen, wie eine Uno-Konferenz abläuft.

1999 kehrten sie und ihr Mann nach Deutschland zurück. „Wir hatten das Gefühl, den Kontakt zu unserer Heimat zu verlieren. Das aber wollten wir nicht.“ Hilke Hartmann ging wieder auf Jobsuche, unter anderem bei der Durchführungsgesellschaft der „Expo“ in Hannover. „Beworben hatte ich mich für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, angeboten wurde mir eine Stelle als Protokoll-Referentin“ — die Japanologin nahm an, blieb bis Ende 2000.

Nach einer Zwischenstation beim Einkaufszentren-Betreiber ECE in Hamburg kam sie 2002 zur NürnbergMesse. Ausstellungsbesuche für Polit- und sonstige Prominenz zu organisieren, ist hier eine ihrer Aufgaben. Doch auch das Ausrichten von Eröffnungsfeiern — angefangen von der Suche nach dem passenden Hauptredner über den Einsatz von Dolmetschern bis hin zu technischen Details wie Licht – gehört zu Hartmanns Pflichten.

Insgesamt zählt ihre Abteilung „Protokoll und Eventmarketing“ vier Köpfe. Nicht gerade eine üppige Besetzung angesichts des umfangreichen Veranstaltungsprogramms der NürnbergMesse. Zumal das Team noch weitere Aufgaben hat: Es ist auch gefragt, wenn sich die Messegesellschaft als Unternehmen präsentiert und etwa zu Empfängen einlädt. „Wir sind oft der erste Kontakt für die Gäste, wir übernehmen quasi die Gastgeberrolle für die NürnbergMesse“, umreißt Hartmann die Verantwortung, die dann auf ihren Kollegen und ihr ruht. Der erste Eindruck ist bekanntlich der entscheidende.

In ihrer beruflichen Laufbahn hat die Bremerin viele bekannte Menschen hautnah erlebt. Während ihrer „Expo“-Zeit etwa führte sie den amerikanischen Schauspieler Dennis Hopper („der war so was von nett und herzlich“) über die Weltausstellung, in ihrer Zeit beim Generalkonsulat in Osaka traf sie den damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog.

Singen zum Ausgleich

In Nürnberg war sie bei der BioFach 2008 für den Besuch von Gérard Depardieu verantwortlich. Der französische Mime kostete Hilke Hartmann allerdings ziemlich Nerven: Sein Flieger war zu spät gelandet, Depardieu kam in allerletzter Sekunde zur Eröffnungsfeier, deren Hauptredner er war.

Persönlich am meisten beeindruckt hat sie allerdings eine Frau: die Grünen-Politikerin Renate Künast, seit jeher fachkundiger Stammgast auf der BioFach. „Sie ist so unglaublich interessiert und voller Elan, merkt sich Gesichter und Namen und gibt den Menschen, mit denen sie spricht, das Gefühl: Du bist wichtig“, erklärt Hartmann.

Und was macht sie privat, wenn kein Protokoll angesagt ist? Hilke Hartmann singt. Während ihres Studiums, das sie auch nach Japan und Amerika führte, hat sie sich erstmals einem Chor angeschlossen. Nach jedem Umzug in eine andere Stadt suchte sie sich einen neuen — in Nürnberg ist es der Hans-Sachs-Chor. Für die umtriebige 43-Jährige ist dieses Hobby eine ideale Möglichkeit, den Kopf freizubekommen: „Während der Probe schalte ich komplett ab und konzentriere mich voll auf die Noten.“

Auch an ihren Sprachkenntnissen — Französisch und Spanisch gehören ebenfalls dazu — feilt sie gerne. Chinesisch würde die Asienfreundin interessieren, „aber auch Italienisch“. In Franken gefällt es der weitgereisten Protokoll-Expertin durchaus, dennoch kann sie sich vorstellen, noch einmal ins Ausland zu gehen — „zumindest für eine Weile“. Auswandern möchten sie und ihre Familie aber nicht: „Dazu sind die Wurzeln in Deutschland zu tief.“

VERENA LITZ

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