Population wächst

Wölfe in der Region: Rudel und Wolfspaare fühlen sich hier wohl

Profilbild Katrin Wiersch
Katrin Wiersch

E-Mail

2.12.2021, 18:45 Uhr
Die Wolfsrudel in der Region wachsen. Auch die Zahl der Paare ist angestiegen.

© Swen Pförtner, dpa Die Wolfsrudel in der Region wachsen. Auch die Zahl der Paare ist angestiegen.

In Bayern gab es laut BfN zwischen dem 1. Mai 2020 und dem 30. April 2021 13 territoriale Wölfe in acht Territorien. Außerdem einige wenige umherziehende Wölfe, die aber schwer zu erfassen sind.

Im vergangenen Monitoringjahr waren es in Bayern elf territoriale Wölfe, vor fünf Jahren nur vier. Im Schnitt lebt jeder dreißigste deutsche Wolf in Bayern: Wolfsrudel und -paare gibt es vor allem in Mittel- und Oberfranken, in der Oberpfalz und im Osten Bayerns:

- zwei Rudel - also erwachsene Wölfe mit Welpen - leben im Bayerischen Wald
- ein Rudel lebt im Veldensteiner Forst (bei Pegnitz in Oberfranken) und
- ein weiteres Rudel lebt im Manteler Forst (bei Neustadt an der Waldnaab in der Oberpfalz)
- ein Wolfspaar fühlt sich auf den Truppenübungsplatz in Grafenwöhr (Oberpfalz) wohl.

- einzelne territoriale Wölfe gibt es darüber hinaus im Altmühltal (Mittelfranken und Oberbayern),
- auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels (Oberpfalz) und
- im Oberallgäu. Dieser ist der einzige territoriale Wolf in Südbayern.

Die Gesamtzahl der territorialen Wölfe in Deutschland ist im Vergleich zum Vorjahr von 361 auf 387 gestiegen. Vor zehn Jahren waren es 34 sesshafte Wölfe, daraus errechnet sich laut BN ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 27,5 Prozent. Die meisten Wölfe leben im Nordosten Deutschlands.

"Um Weidetiere vor Rissen zu schützen, geht am Herdenschutz kein Weg vorbei", sagt Martin Geilhufe, Landesbeauftragter des BN. Angesichts der noch wenigen Wölfe in Bayern seien die Rufe nach einer Bejagung der bayerischen Wölfe aus Teilen der Staatsregierung fehl am Platz, kommentiert er. In einem Interview Ende Juni sprach sich die damalige CDU-Vize und Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner für einen gezielten Abschuss einzelner Tiere in solchen Regionen aus, in denen bereits viele Wölfe leben.

Kritik an Abschuss-Forderungen

"Mit Forderungen zu Alibi-Aktivitäten wie Bejagung und Bestandsregulierungen punkten manche Politiker vielleicht bei den Tierhaltern. Sie erwecken so aber die falsche Hoffnung, mit einer Bejagung lasse sich die Gefahr für die Weidetiere durch den Wolf managen und sind somit mitverantwortlich für das böse Erwachen, das den Weidetierhaltern droht, wenn diese deswegen auf Herdenschutzmaßnahmen verzichten", so Geilhufe.

2021 wurden bisher laut BN 36 Tiere bei fünf Ereignissen gerissen, darunter Schafe und vor allem Muffel-, Dam- und Rotwild. Im Frühjahr 2021 wurden in Betzenstein in Oberfranken bei zwei Angriffen auf ein Wildtiergehege binnen weniger Tage drei Rothirsche, vier Wildschafe und 18 Damhirsche gerissen. "Um zu verhindern, dass einwandernde oder durchziehende Wölfe sich zukünftig an die 'leichte Beute Schaf' gewöhnen, ist es notwendig, beim Aufbau eines wirkungsvollen Herdenschutzes in ganz Bayern mehr Gas zu geben", sagt Geilhufe.

Der BN beteiligt sich deswegen am EU-Projekt "Lifestockprotect", in dem Weidehalter und Weidehalterinnen Herdenschutzkurse angeboten werden. Außerdem sei die bayerische Staatsregierung gefragt, die Rahmenbedingungen für die Weidetierhaltung und den Herdenschutz deutlich zu verbessern, so der BN. Der Abschuss von Wölfen, die mehrfach ordnungsgemäßen Herdenschutz überwunden haben, ist als Ultima Ratio möglich.

Jährlich im Spätherbst veröffentlichen BfN und die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) die Daten über die Wolfsvorkommen in Deutschland. Die veröffentlichten Daten beziehen sich auf das "Wolfsjahr" (1. Mai 2020 bis 30. April 2021), welches mit der Geburt der Welpen beginnt. Durch die zeitintensive Auswertung der von den Bundesländern an die DBBW gesendeten Daten wird die Gesamtbilanz erst im Herbst veröffentlicht. Das Wolfsmonitoring ist für Deutschland einzigartig: Kaum ein anderes wild lebendes Tier wird in seinem Bestand ähnlich präzise erfasst und beobachtet. Da die natürliche Sterblichkeit der Wölfe im ersten Lebensjahr bei ca. 50 Prozent liegt und viele Jungwölfe bei der Suche nach einem Revier den Verkehrstod sterben, ist die Zahl der Welpen und Jungtiere starken Schwankungen von Jahr zu Jahr unterworfen. Um einen robusten Vergleich der Wolfspopulation über die Jahre zu ermöglichen, fokussiert sich das staatliche Monitoring deswegen auf die erwachsenen Tiere.

Verwandte Themen


2 Kommentare