Freitag, 19.10.2018

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Bornemann bleibt bei Köllner: "Der beste Trainer für den Club"

FCN-Sportvorstand über seine Jobgarantie für den Oberpfälzer - 10.10.2018 05:50 Uhr

War, ist und bleibt der richtige Trainer für den 1. FC Nürnberg - sagt Andreas Bornemann (re.): Der Sportvorstand ist nach wie vor begeistert von Michael Köllners Arbeit, auch nach 13 Gegentoren in zwei Auswärtsspielen. © Sportfoto Zink / DaMa


NN: Herr Bornemann, am Sonntagabend haben Sie Geschichte geschrieben.

Andreas Bornemann: Ist das so? Warum?

NN: Es dürfte ein Novum in über 55 Jahren Bundesliga sein, dass einem Trainer, der in zwei Auswärtsspielen 13 Gegentore zu verantworten hat, eine bedingungslose Jobgarantie ausgesprochen wird.

Bornemann: Wir können wirklich über alles reden, aber nicht über den Trainer, das halte ich für den völlig falschen Ansatz. In unserer Situation gibt es einige Dinge, mit denen wir uns beschäftigen müssen. Der Trainer gehört gewiss nicht dazu.


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NN: Das klingt eher Nürnberg-untypisch.

Bornemann: Mag sein, aber wir haben ja auch sonst ein paar Dinge anders gemacht. Stabilität und Kontinuität sind für uns von entscheidender Bedeutung. Dass uns Dortmund oder Leipzig mit ihren Möglichkeiten mal gnadenlos die Grenzen aufzeigen, ist immer im Bereich des Möglichen. Und dann gilt es, selbst nach zwei herben Niederlagen, die Ruhe zu bewahren. Was nicht heißt, dass wir nicht bereit wären, falsche Entscheidungen zu korrigieren.

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NN: Wie unter anderem die Trennung vom früheren Trainer Alois Schwartz belegt.

Bornemann: Konsequent auf Michael Köllner zu setzen, halte ich nach wie vor für die einzig richtige Entscheidung. Michael war nicht nur vor eineinhalb Jahren der richtige Trainer zum richtigen Zeitpunkt, er ist es für unsere Rahmen-Parameter immer noch und wird es auch bleiben. Wir werden weiterhin darauf setzen müssen, Spieler und Spielideen zu entwickeln. Und dafür ist er der beste Trainer für den Club. Er tut uns gut.

Fokus auf dem Sport - und nirgendwo anders

NN: Setzen Sie sich damit nicht auch selbst enorm unter Druck? Was wäre, wenn auch die nächsten fünf Partien, unter anderem gegen drei Europacup-Teilnehmer, in die Hose gehen würden?

Bornemann: Ich bin nicht bekannt dafür, so etwas aus einer Laune heraus zu sagen, das ist meine völlige Überzeugung. Dafür werde ich auch eintreten. Wir brauchen in dieser Saison, die schwer genug wird, nicht auch noch eine Trainer-Diskussion. Es gibt in der ganzen Liga mit Fortuna Düsseldorf wohl nur einen Verein, mit dem wir uns halbwegs auf Augenhöhe begegnen, alle anderen sind uns um Jahre voraus. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir eine Saison vor uns haben, die es in sich hat - und das sind wir. Unser Fokus muss deshalb auf dem Sport liegen und nirgendwo anders.

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NN: Klingt da vielleicht auch ein wenig Trotz durch, sich dem allgemeinen Wahnsinn zu widersetzen?

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Bornemann: Das ist kein Trotz, sondern meine Überzeugung. Es geht um eine realistische Einordnung unserer vergleichsweise bescheidenen Möglichkeiten, mit denen wir trotzdem bestehen können. Aber eben nur, wenn wir auch nach einem 0:7 oder 0:6 ruhig bleiben. Es wäre fatal, solche Diskussionen auch nur im Ansatz entstehen zu lassen. Michael identifiziert sich mit dem Club und mit unseren Zielen. Und das in einem Geschäft, in dem ein Trainer in wenigen Tagen vom Heilsbringer zum Problemfall absteigen kann. Da muss man ja aktuell bloß nach München schauen. Unglaublich, wie schnell das gehen kann. Ich sage das nicht, um irgendwem irgendwas zu beweisen. Ich sage das, weil es schlicht und ergreifend die Vernunft und realistische Einschätzung verlangt.

NN: Ein neuer Nürnberger Weg? Locker zu bleiben, auch wenn es nicht läuft?

Bornemann: Wir sind ja trotzdem kritisch. Mit uns, mit der Mannschaft. Themen wie ein 0:7 oder ein 0:6 arbeiten wir natürlich auf. Aber dort, wo sie hingehören. Und ohne uns von Emotionen treiben oder anstecken zu lassen. 

Interview: Wolfgang Laaß

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