Handball-Bundesliga

HC Erlangen: Bald wieder Zuschauer in der Arena?

1.6.2021, 06:00 Uhr
Besucher am Kurt-Leucht-Weg: Darauf freuen sie sich beim HCE immens.

Besucher am Kurt-Leucht-Weg: Darauf freuen sie sich beim HCE immens. © Sportfoto Zink / WoZi, ARC

"Alle waren glücklich", sagte Karsten Günther am Donnerstagabend und wirkte dabei selbst auch: glücklich. Dabei hatte seine Mannschaft soeben ein Handballspiel verloren, das schien den Geschäftsführer des SC DHfK Leipzig aber nur am Rande zu stören. Viel wichtiger als die 26:33-Niederlage war an jenem Abend die Rückkehr der Fans. 1000 Zuschauerinnen und Zuschauer waren in die Heimspielstätte der Sachsen gekommen, die zuvor wie alle Arenen der Republik lange Zeit leer hatte bleiben müssen. Möglich machte dies ein wissenschaftlich begleitetes Modellprojekt, Stadt und Land hatten sich darauf verständigt.

2000 in Hamburg

Die Inzidenzen sinken bundesweit erfreulicherweise immer mehr, weshalb Leipzig in der Handball-Bundesliga nicht der einzige Standort ist, an dem sich die Hallen langsam wieder füllen dürfen, zumindest in einem gewissen Maße. Am Montag verkündete Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther für sein Bundesland die frohe Botschaft: Ab sofort dürfen in Flensburg und Kiel immerhin 125 Fans wieder vor Ort mitfiebern. Beim Final-Four-Turnier um den Pokal dürfen noch in dieser Woche sogar 2000 Zuschauer in die Hamburger Barclaycard-Arena.

Carsten Bissel, der Aufsichtsratschef des HC Erlangen, beobachtet diese Entwicklung sehr interessiert. Natürlich hat sein Verein ein Interesse daran, auch bald wieder Zuschauer in der Arena Nürnberger Versicherung begrüßen zu dürfen, aus vielerlei Gründen.

Zuschauen macht Spaß: Aufsichtsratsboss Carsten Bissel (rechts) - hier mit Alexander Fackelmann - weiß um den enorm positiven Effekt, welchen die Fans dem HCE bringen.

Zuschauen macht Spaß: Aufsichtsratsboss Carsten Bissel (rechts) - hier mit Alexander Fackelmann - weiß um den enorm positiven Effekt, welchen die Fans dem HCE bringen. © Sportfoto Zink / Oliver Gold

"Wir brauchen einfach die Nähe zum Zuschauer", sagt Bissel, "die ist uns sehr wichtig." Und umgekehrt brauchen die Fans die Nähe zur Mannschaft. Auch finanziell wäre zahlendes Publikum wichtig für den Klub, der momentan von den Rücklagen der letzten Jahre sowie von den Staatshilfen für Profivereine zehrt. "So wie sich die Inzidenzen und die Impfzahlen gerade entwickeln, rechne ich damit, dass wir unsere letzten beiden Heimspiele vor Zuschauern austragen können", erklärt Bissel.

"Highlight" Flensburg

Lemgo und Flensburg kommen am 17. und 24. Juni in die Arena und gerade der Schlussakt vor eigenem Publikum gegen das Topteam aus dem Norden "wäre natürlich ein schönes Highlight" für den HC Erlangen. Gerne hätte Bissel schon früher wieder mehr Menschen in der Arena am Kurt-Leucht-Weg gesehen, als nur die Funktionsteams der Mannschaften, Aufbauhelfer und eine handvoll Pressevertreteter. "Wir haben auch einen Antrag gestellt, als Modellprojekt starten zu dürfen, fundiert und gut begründet. Über diesen Antrag ist bisher nicht beschieden worden." Er ist weiter zuversichtlich, dass ein solches Modellprojekt in Nürnberg zeitnah zugelassen wir, es könne aber auch sein, dass die Politik demnächst neue Regelungen findet, eine Quote für Indoor-Sportveranstaltungen, ähnlich wie im Oktober letzten Jahres, als beim Erlanger Heimspiel gegen Melsungen rund 2000 Fans kommen durften.

Sollte sich die Politik nicht bewegen, wäre das für Bissel nur schwer nachzuvollziehen. "Um Bayern herum beginnen alle, vor Zuschauern zu spielen. Es wäre einfach nicht sachgerecht, nicht vermittelbar, wenn hier die Hallen - und wir sprechen von Hochleistungsarenen mit modernen Lüftungssystemen - zublieben." Zudem ergäbe sich daraus ein klarer Wettbewerbsnachteil, denn dass die Heimmannschaften vom Publikum profitieren, steht im Handballsport außer Frage. "Natürlich" betont Bissel noch, "würden wir sehr verantwortlich mit einer Öffnung umgehen und den Schutz des Publikums gewährleisten." So wie es gegen Melsungen auch der Fall war.

Der HC Erlangen scheint gerüstet für eine Rückkehr der Zuschauer. Dass er mit ihnen gegen Flensburg eine Chance hätte, ist dennoch nicht zu erwarten, dafür sind die Norddeutschen einfach zu stark. Aber auch ohne Sieg stünden die Chancen gut, dass am 24. Juni viele Menschen glücklich wären. Karsten Günther kann ein Lied davon singen.

+++ Auf der letzten Rille geht's für den HCE ins Derby +++

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