Drama mit Anya Taylor-Joy

"Last Night in Soho": Horrortrip im Swinging London

11.11.2021, 08:54 Uhr
Verführerisch: Szene mit Anya Taylor-Joy als sexy Sandie und Matt Smith.

Verführerisch: Szene mit Anya Taylor-Joy als sexy Sandie und Matt Smith. © Universal

Fürs Schachspiel interessieren sich normalerweise nicht wirklich viele Menschen. Dennoch wurde die Serie "Das Damengambit" vor rund einem Jahr zu einem weltweiten Überraschungserfolg bei Netflix.

Die bis dahin noch eher unbekannte Anya Taylor-Joy spielt darin ein Schachgenie aus einem Waisenhaus und wurde mit der Rolle selbst zum Star. Nun übernimmt die 25-Jährige die Hauptrolle in einem Kinofilm – und zeigt darin eine ganz andere, sehr verführerische Seite.

Plädoyer für Frauenpower

"Last Night in Soho" scheint zunächst von einer Außenseiterin zu erzählen: Eloise (Thomasin McKenzie) zieht aus ihrem behüteten Zuhause nach London, um dort das ersehnte Modestudium anzufangen. Sie wohnt zur Untermiete bei einer älteren Dame. Dann aber fängt der Alptraum an. Nachts landet Eloise immer wieder im London der 1960er Jahre und sieht die sexy Sandie (Taylor-Joy) – eine Männer verführende Sirene mit blonden Haaren und Traumfigur. Doch bald wollen die Männer sie ausnutzen – und plötzlich findet sich auch Eloise in einem blutigen Rache-Thriller wieder.

Regisseur Edgar Wright, bekannt mit Filmen wie "Baby Driver" und "Shaun of the Dead", legt mit "Last Night in Soho" einen überraschend vielschichtigen Film vor, der nicht nur visuell durch die nostalgische Ausstattung begeistert. Das Werk entwickelt sich schnell zu einem cleveren Kommentar über das Machtverhältnis zwischen Männern und Frauen. Das inszeniert Wright durchaus blutig und mit einigen Schockmomenten, letztendlich aber gelingt ihm ein ungewöhnliches Plädoyer für Frauenpower.

Die neuseeländische Nachwuchsschauspielerin McKenzie macht als schüchternes Mauerblümchen durchaus eine gute Figur. Dennoch ist es vor allem Taylor-Joy, die den Film scheinbar mühelos trägt. Das liegt nicht nur an ihrem strahlenden Auftreten. Man nimmt ihr das Verführerische und den Vamp zwar sofort ab. Doch zeigt die junge Schauspielerin im Laufe der Geschichte auch andere Facetten, die mehr Verletzlichkeit und Traurigkeit ausstrahlen.

Fans von "Das Damengambit" und Anya Taylor-Joy können sich bei "Last Night in Soho" freuen – auf jede Menge Retroflair und ein feministisches Horrordrama. (117 Min.)

In diesen Kinos läuft der Film.

Keine Kommentare