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In der Kultur gärt es: Buchhandel und Musiker fordern Lockerungen

Ein Offener Brief, eine Klagedrohung und eingebrochene Umsätze - 21.02.2021 18:39 Uhr

Zusammengestellte Absperrgitter der Polizei stehen vor der bayerischen Staatsoper in München.

21.02.2021 © Foto: Peter Kneffel/dpa


Laut einer Prognos-Studie hat die Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland 2020 Umsatzverluste von 13 Prozent erlitten – das sind 22,4 Milliarden Euro Umsatz weniger als 2019. Besonders betroffen ist laut Angaben des Deutschen Kulturrats der Markt für darstellende Künste mit einem Umsatzverlust von 85 (!) Prozent. Während Musikmarkt, Filmwirtschaft und Kunstmarkt jeweils Einbrüche um die 50 Prozent verkraften müssen, sind nur Buchmarkt (minus 6 Prozent), Architekturmarkt (minus 6 Prozent) und Software/Games-Industrie (minus 1 Prozent) von massiven Einbrüchen verschont geblieben. Der Kulturrat hält die Hilfen von Bund und Ländern für unzureichend, es werden stattdessen "Öffnungsszenarien" gefordert.

Denselben Wunsch formulieren rund 400 bayerische Verlage, Buchhandlungen, Autorinnen und Autoren in einem Offenen Brief an Ministerpräsident Markus Söder – prominent platziert in der Süddeutschen Zeitung und unterschrieben von bekannten Namen wie Martin Walser, Eva Matthes oder Konstantin Wecker. Auch die Region ist vertreten, etwa mit der Nürnberger Buchhandlung Jakob, dem Fürther Verleger Manfred Rothenberger oder der Bamberger Schriftstellerin Tanja Kinkel.

"Bücher wichtiger denn je"

Der Brief ist kurz gehalten, gefordert wird die Öffnung der Buchhandlungen. "Die Buchbranche leistet einen anerkannten gesellschaftlichen Beitrag zu Wissen, Bildung und Kultur", heißt es. "Sie sichert die Meinungsvielfalt und stärkt die Demokratie. In Zeiten des Lockdowns sind Bücher wichtiger denn je. Es wird mehr gelesen, die Menschen suchen nach Büchern und sie wollen beraten werden." Es wird auf Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt verwiesen, wo die Buchhandlungen weiterhin geöffnet sind und damit einen bevorzugten Status gegenüber dem Einzelhandel genießen.

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Während die Buchbranche es bei der Forderung belässt, bereiten sich Opernmusiker in Bayern auf eine Klage vor. Per gerichtlichem Eilantrag zur Öffnung von Konzert- und Opernhäusern wollen sie verhindern, dass die Kultur bei Lockerungen übergangen wird. Sollte der Einzelhandel nach Beschlüssen der Ministerpräsidentenkonferenz öffnen dürfen, bevor dies für Kultureinrichtungen gelte, soll der Eilantrag eingereicht werden. Dahinter steckt die Initiative "Aufstehen für die Kunst", Opernsänger Christian Gerhaher ist einer der Organisatoren. Laut Mitteilung wird die Initiative auch von Geigerin Anne-Sophie Mutter, Opernsänger und Regisseur Rolando Villazón oder Dirigent Kent Nagano unterstützt.

Studien hätten gezeigt, dass bei Inzidenzwerten von 50 Corona-Infektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen sogar eine komplette Öffnung von Opernhäusern und Konzertsälen mit vergleichsweise geringem Risiko möglich sei, sagte Christian Gerhaher. Sie lange geschlossen zu halten, sei "ungerechtfertigt".


Kommentar: Ausnahmen sind schwierig, doch die Kultur braucht Perspektiven


In Bayern ist die Stimmung unter Kulturschaffenden also denkbar schlecht. Bundesweit gibt es nun einen bemerkenswerten Vorstoß mit Beteiligung der Kultur: Personalisierte Tickets, Datenabgleich, Tests – mit einem Drei-Stufen-Plan sollen trotz Pandemie wieder Zuschauer bei Großveranstaltungen ermöglicht werden.

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Am Montag soll ein entsprechendes Papier vorgestellt werden. Das Konzept wird von 20 Wissenschaftlern sowie zahlreichen Verbänden und Veranstaltern getragen, darunter der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und der Deutsche Bühnenverein. Trotz Impfstoffen sei "kein zeitnahes Ende der Verbreitung des Erregers in Sicht ist", schreiben die Verfasser.

Konzepte, Masken, Tests

Der "Leitfaden" sieht ein Basiskonzept zur Rückkehr von Zuschauern vor. Bei geschlossenen Räumen wie Konzerthäusern, Theatern oder Hallen soll jeweils ein Hygiene-, Lüftungs- und Infektionsschutzkonzept nötig sein. Das Papier geht davon aus, dass dann eine Besetzung bis zu 30 Prozent möglich wird. Zudem sollen personalisierte Tickets und medizinische Masken Pflicht sein.

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"Kultur- und Sportveranstaltungen im Freiluftbereich haben grundsätzlich eine günstigere Lüftungssituation als Veranstaltungen in geschlossenen Räumlichkeiten", heißt es weiter. Im Außenbereich wird bei vergleichbaren Standards eine Auslastung von bis zu 40 Prozent als möglich betrachtet. Maskenpflicht soll bis zu den Plätzen gelten.

Eine dritte Variante sieht Schnelltests vor jeder Veranstaltung vor. Positiv getestete Besucher müssten draußen bleiben. Das Papier geht davon aus, dass bei entsprechenden Maßnahmen eine "Vollauslastung von Opern, Konzerten und Sportereignissen" möglich ist.

In diesem Artikel wurden Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) und des Evangelischen Pressedienstes (epd) verwendet.

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