Besucher konnten Souvenirs kaufen

Letzte Aktion vor großem Umbau: Kuriose Erinnerungsstücke im Volksbad

lok-voigt
Hartmut Voigt

Lokalredaktion Nürnberg

E-Mail zur Autorenseite

18.10.2021, 10:03 Uhr
Steve Zeuner sicherte sich ein elektrisches Alarmhorn.

Steve Zeuner sicherte sich ein elektrisches Alarmhorn. © Hartmut Voigt, VNP

Ende 2024 soll das rundum sanierte Volksbad eröffnet werden. Am Wochenende gab es die Gelegenheit, einen letzten Blick in die alten Räumlichkeiten zu werfen und sich ein Erinnerungsstück zu sichern. Die Fliesen, Schlüssel und Armaturen waren begehrt. Schon bei Eröffnung der Verkaufsauktion war der Saal voll.

Steve Zeuner erwarb ein Alarmhorn: Die Tute ist extrem laut, falls sie an die Elektrik angeschlossen wird. Ob das Signal sein neuer Morgenwecker wird? Sicher nicht, da würden sich seine Nachbarn bedanken. Nein, meint denn auch der 41-Jährige, es ist nur ein Andenken an die alten Zeiten. Zwar ist der gebürtige Thüringer selbst nie in den blauen Becken am Plärrer geschwommen, aber er liebt Jugendstil-Architektur und Fotos des Nürnberger Volksbads haben ihn schon immer fasziniert.

Besucher mit Karten für die Sonderführungen konnten die großen Schwimmbecken fotografieren.

Besucher mit Karten für die Sonderführungen konnten die großen Schwimmbecken fotografieren. © Eduard Weigert, VNP

Die Verwaltungsangestellte Rita Werner schleppt vier leere Ordner mit der Aufschrift "Stadt Nürnberg", das Gestell eines Wäschewagens, Garderobenhaken und einen verbeulten Blecheimer mit sich. Jetzt will die 59-Jährige noch eine massive, schwere Tür der früheren Umkleide kaufen, deren Schloss "Besetzt" oder "Frei" anzeigt.

"Ich habe im Volksbad schwimmen gelernt", berichtet Werner, die damals in der Südstadt gewohnt hat. Auch später hat sie noch in den Becken ihre Bahnen gezogen, anschließend ging es in die Sauna. "Tolle Zeiten waren das", schwärmt sie, die Schließung im Jahr 1994 hat sie sehr bedauert.

Doch was fängt sie mit dem nackten Gestell des Wäschewagens ohne den dazu gehörigen Stoffsack an? "Ich hänge Kleiderbügel mit meiner Kleidung dran." Und der verbeulte, uralte Blecheimer? "Ich liebe alte Stücke, den verwende ich als Deko." 40 Euro hat sie in die Andenken investiert.

Rita Werner erwarb neben dem Blecheimer auch Aktenordner und das Gestell eines Wäschewagens.

Rita Werner erwarb neben dem Blecheimer auch Aktenordner und das Gestell eines Wäschewagens. © Hartmut Voigt, VNP

Joachim Lächele, Werkleiter von NürnbergBad, hat mit seinen Mitarbeiten die Verkaufsaktion organisiert. Er ist überrascht über das rege Echo: "Die Leute haben gekauft wie die Weltmeister. Und ich hatte mich zuvor gefragt: ,Wer nimmt sowas mit?' Aber Fliesen, Haken und Schlüssel waren regelrechte Renner."

Doch nicht alle werden fündig: Etliche Neugierige ziehen enttäuscht wieder ab: "So viel nutzloser Krempel, da kann man wirklich gar nichts brauchen", mault Sonja Müller kopfschüttelnd. Zumindest ein paar Fotos von einer Schwimmhalle hat sie gemacht.


Spannende Entscheidung: Als der Stadtrat die Sanierung der Jugendstil-Perle beschloss


Rentner Edi Kreuzer hat sich eine Wärmefliese (mit Hohlraum, durch den heiße Luft oder Wasser strömte) und eine Warm- und Kaltwasser-Armatur gesichert. Nutzen kann er den uralten Wasserspender zwar nicht mehr, aber als Erinnerung an seine Kindheit montiert er ihn zuhause an die Wand. Mit zehn Jahren war er regelmäßig mit der Schulklasse in dem beeindruckenden Bad am Plärrer. "Ich bin auch deswegen heute hergekommen, um meine sehr, sehr schönen Erinnerungen an diese Zeit aufzufrischen."

Eine weiße und eine blaue Fliese hat die gebürtige Nürnbergerin Beate Köhler gekauft: Diese Farben hat sie in ihrem Gedächtnis gespeichert, wenn sie an die früheren Volksbad-Besuche denkt. Nach der Schließung vor 27 Jahren hat sie immer wieder gedacht: "Da muss doch noch etwas gehen. So ein schönes Gebäude kann man nicht verfallen lassen." Sie freut sich daher auf 2024: In jenem Jahr beginnt ihre Rente und gleichzeitig wird das Volksbad wiedereröffnet, für das sie dann viel Zeit hat.

Die Zeit drängt ein wenig bei Matthias Hofer: Der junge Vater ist mit Sohn Finn im Gebäude an der Rothenburger Straße, doch der Kleine findet es langweilig und will endlich wieder gehen. So bleibt für Hofer nur ein rascher Blick auf den weitgehend abgeräumten Tisch mit Souvenirs: Ein großer, schwarzer Zähler gefällt ihm: Doch wofür er einst eingesetzt war, weiß er nicht. "Keine Ahnung, sieht aber schön aus", meint Hofer, "für fünf Euro ist das Dekostück ein guter Kauf."

Übrigens: NürnbergBad spendet den Erlös der Verkaufsaktion an eine Einrichtung, die Menschen mit kleinem Geldbeutel das Schwimmen beibringt.