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Mit Nasenspray gegen Corona? Forschung zu neuem Impfstoff schreitet voran

Vakzine entfaltet Wirkung auf der Nasenschleimhaut - 05.04.2021 08:20 Uhr

Mit einem Sprühstoß gegen Covid-19: Impfstoffe für die Nase sollen in Zukunft bei der Virusbekämpfung helfen.

04.04.2021 © Imago/Florian Gaertner/photothek.net


Es klingt zunächst seltsam, ist teilweise aber schon Realität: Ein paar Sprühstöße in die Nase können ausreichen, um einen Menschen vor gefährlichen Viren zu schützen. Nasensprays gegen das Influenzavirus gibt es bereits, sie enthalten einen Lebendimpfstoff, der Kindern zwischen zwei und 17 Jahren verabreicht werden kann. Auch wenn der Großteil der Grippeimpfungen klassisch per Injektion verabreicht wird, ist die Sprüh-Variante geprüft, zugelassen und immer wieder im Einsatz.

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Auch an einer Impfung gegen Sars-CoV-2 über die Nase wird rege gearbeitet. Gerade gegen das Coronavirus könnte diese Form der Immunisierung Vorteile bringen: "Ein Nasenspray hätte den Vorteil, dass man als Geimpfter mit hoher Wahrscheinlichkeit das Coronavirus nicht mehr übertragen kann", sagt Florian Krammer im Interview mit der Zeitschrift Geo.


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Der österreichische Virologe hat in New York an der Icahn School of Medicine eine Professur für Impfstoffkunde inne. Der Gewinn läge darin, dass "der Impfstoff genau dort hingelangt, wo sich das Virus vermehrt, nämlich im Nasen-Rachen-Raum, und dort eine lokale Immunantwort aufbaut."

Viren vermehren sich in Nase und Rachen

Auch Professor Ulrich Lauer vom Universitätsklinikum Tübingen sieht den Vorteil dieser Art der Impfung darin, dass die Verbreitung des Virus besser unterbunden wird. "Obwohl die Atemwege die Eintrittspforte für das Sars-CoV-2-Virus sind, werden die allermeisten Impfstoffe bislang in den Muskel gespritzt", sagt er gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung. Dadurch habe man zwar einen "inneren" Schutz gegen das Coronavirus in Blut und Organen und erkranke deshalb nicht ernsthaft. Rachen, Luftröhre und Lungen könne der Erreger aber trotzdem befallen und sich dort vermehren, wodurch der Träger große Mengen virusbelasteter Aerosole ausatmet - und möglicherweise andere ansteckt.

Im Test an Mäusen und Hamstern gibt es bereits Forschungsergebnisse, die Hoffnung machen. Wurden die Tiere per Nasenspray immunisiert, löste Sars-CoV-2 bei ihnen keine Lungenentzündung oder ähnliche klinische Erkrankungen aus.

Forscher weltweit entwickeln teilweise sogar Konzepte, die als Allheilmittel gegen alle Virusinfektionen dienen könnten. "Wir wollen mit unserer Impfung nicht nur Antikörper erzeugen, sondern langlebige Gedächtnis-T-Lymphozyten, also Zellen des zellulären Immunsystems", erklärt Marcus Goettrup, Immunologe an der Universität Konstanz, im Interview mit dem Stern. Die Gedächtniszellen seien in der Lage, mit ihren Antigen-Rezeptoren von außen zu erkennen, ob eine Zelle von einem Virus befallen ist. Dann können T-Killerzellen die betroffene Zelle vernichten, bevor das Virus sich im Inneren vermehrt und sich weiter im Körper verbreiten kann.

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In einem Projekt forschen dazu gerade Wissenschaftler der Universitäten Konstanz, Dresden und Tübingen. Bis zur Erprobung eines entsprechenden Impfstoffes in einer klinischen Studie werde es aber noch mindestens drei Jahre dauern. Auch Lauer dämpft Hoffnungen auf eine schnelle Lösung, der Impfstoff könne wohl frühestens in drei Jahren umfänglich zum Einsatz kommen.


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In Israel ist man bereits einen Schritt weiter: Hier soll ein Nasenspray auf Stickstoffmonoxid-Basis zugelassen worden sein, dass gegen das Coronavirus helfen soll. Experten halten Studien, die die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit des Produkts beweisen sollen, allerdings für unzureichend.

jru

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