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Kommentar: Für Geldbußen ist es eindeutig zu früh

Die Impfquote kann auch anders erhöht werden - 06.05.2019 11:52 Uhr

Derzeit wird in Deutschland über eine Impfpflicht diskutiert. © Seth Wenig/AP (dpa)


Zahlen können bei Entscheidungen helfen, bei der Masern-Impfung ist das jedenfalls so. Vor der Einführung dieses Stoffes starben in Deutschland jährlich etwa 100 Menschen an dem Leiden, jetzt sind es vier bis sieben. Die Nebenwirkungen sind dagegen überschaubar: Fieber, flüchtiger Ausschlag oder Reizungen der Atemwege nach fünf bis 15 Prozent der Injektionen.

Eine klare Sache also, auch wenn sich eine kleine, aber lautstarke Minderheit von Impfgegnern dieser Logik verweigert. Aber zur Begründung für eine Impfpflicht, wie sie die Große Koalition und besonders Gesundheitsminister Jens Spahn jetzt einführen wollen, reicht das trotzdem nicht – jedenfalls im Moment.

Denn: Jeder hat in diesem Land das Recht, sich unvernünftig zu verhalten, zumindest, so lange die Folgen nur ihn allein betreffen – siehe das Rauchen. Beim Impfen, und das macht die Lage noch schwieriger, entscheiden die Eltern nicht über sich selbst, sondern über ihre Kinder. Da lässt sich durchaus anführen, dass Staat und Gesellschaft eine Pflicht zur Aufsicht haben, ob die Fürsorge auch qualifiziert ausgeübt wird.

Haben sie, natürlich. Aber ehe eine medizinische Maßnahme staatlich vorgeschrieben werden sollte, müssten alle anderen Instrumente ausgeschöpft sein. Und das sind sie bei weitem nicht.

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Zum Beispiel kann von Eltern, die ihre Jungen oder Mädchen in eine Kindertagesstätte schicken, Solidarität verlangt werden. Und das bedeutet, dass andere nicht durch Erreger angesteckt werden, deren Einschleppen sich vermeiden lässt. Mit anderen Worten: Es hat also durchaus eine große Berechtigung, wenn vor der Aufnahme eine Impfbescheinigung verlangt wird – die unter Umständen auch andere Krankheiten einbezieht.

Der Kindergarten ist freiwillig, die Schule ist es nicht. Hier könnten aber Register aufgebaut werden mit all jenen, die nicht gegen Masern geimpft werden. Sie müssten dann bei einem Ausbruch der Infektion zu Hause bleiben – auch um den Preis, dass sie sogar eine Abschlussprüfung verpassen. Die Gesundheit geht schließlich vor.

Wichtiger Schutz

Solche Ansätze sollten jene Eltern nachdenklich machen und motivieren, die vielleicht die Masern-Impfung gar nicht strikt ablehnen, sondern lediglich die Frist für die so wichtige zweite Injektion versäumen. Ein Brief von der Krankenkasse oder vom Arzt, der auf das Defizit hinweist, kann ein Übriges tun.

Staat und Gesellschaft könnten auf diese Weise zeigen, wie wichtig sie den Schutz von Kindern vor einer gefährlichen Krankheit nehmen. Und das müsste an sich ausreichen, um die fehlenden zwei Punkte bis zu einer wünschenswerten Impfquote von 95 Prozent zu erreichen – die nötig ist, um den Erreger auszurotten.

Falls das allerdings nicht gelänge, dann wäre eine Impfpflicht die richtige Konsequenz.

Was meinen Sie? Sind das geplante Impfpflicht-Gesetz und die daraus resultierenden Geldbußen sinnvoll?

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