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Soziologe: Gegner der Corona-Maßnahmen misstrauen der Regierung

Teune rechnet nicht mit noch größeren Protesten - 26.02.2021 07:31 Uhr

Teilnehmer einer Kundgebung gegen die Corona-Maßnahmen stehen auf den Stufen zum Reichstagsgebäude

26.02.2021 © Achille Abboud, dpa


Die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen haben sich nach Überzeugung des Soziologen Simon Teune nicht erst Schritt für Schritt im Laufe des vergangenen Jahres radikalisiert. "Wenn man diese Proteste unter den verschiedenen Namen Hygienedemos, Querdenker und so weiter genauer anguckt, sieht man, dass viele, die da teilnehmen, schon vor den Protesten eine radikale Deutung der Corona-Krise plausibel fanden", sagte Teune der Deutschen Presse-Agentur.

"Sie sind überzeugt, dass damit die Gefahr einer Entdemokratisierung verbunden ist und dass sich Deutschland bereits auf dem Weg in die Diktatur befindet", so der Protestforscher, der am Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) in Potsdam arbeitet.


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"Diese weitreichenden Deutungen haben schon von Anfang an bei den Protesten die Runde gemacht, die Deutung, dass die Presse gleichgeschaltet sei mit Bezug auf das Thema Corona oder dass es den Regierenden in erster Linie darum gehe, Corona als Vorwand zu benutzen, um Grundrechte einzuschränken", erklärte Teune.

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Den ersten bestätigten Corona-Fall in Berlin gab es am 1. März 2020, die erste sogenannte Hygiene-Demo am Ende des Monats. Ende August demonstrierten nach Angaben der Polizei rund 40 000 Gegner der staatlichen Corona-Politik in Berlin. Mehrere Hundert von ihnen überrannten Absperrgitter und drängten auf die Stufen des Reichstagsgebäudes, einige mit den von sogenannten Reichsbürgern verwendeten schwarz-weiß-roten Reichsflaggen.


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"Am Anfang waren auch noch Leute bei den Protesten, die eher von einer diffusen Unzufriedenheit angetrieben waren und die dann vor die Entscheidung gestellt wurden, lässt sich meine Kritik vereinbaren mit der Anwesenheit von Neonazis, Holocaustleugnern und von Leuten, die Verschwörungserzählungen verbreiten - oder ist das nicht mehr mein Protest?", sagte Teune.

Der Soziologe rechnet nicht damit, dass die Proteste bald noch größer werden: "Auf der Straße waren in der Spitze vielleicht 40 000 Leute, aber die Videos, in denen Zweifel an den Corona-Maßnahmen gesät wurden, haben zum Teil mehrere Millionen gesehen", so der Protestforscher. "Es gibt durchaus einen größeren Kreis von Sympathisanten, die hinter diesen Protesten stehen, aber die sind nicht unbedingt mobilisierbar für Straßenproteste", sagte Teune.


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"Diese 40 000 sind der hoch mobilisierte Kern der Protestbewegung. Die Erfahrungen des letzten Jahres haben sie sicher bestärkt. Aber die Hürden, zu den Protesten zu gehen, sind mit dem wachsenden Einfluss der extremen Rechten auch höher geworden."

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dpa

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