Beziehung

Polyamorie: Die Liebe zu mehreren Menschen

26.7.2022, 09:15 Uhr

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Einige Menschen sind allein mit einem Partner oder einer Partnerin an ihrer Seite einfach nicht glücklich und wünschen sich einen weiteren Partner in ihrer Beziehung. Wie kann Polyamorie funktionieren, welche Vorurteile bestehen dagegen und was sollte man bei diesem Beziehungsmodell beachten?

Polyamorie-Bedeutung: Was ist Polyamorie?

Polyamorie ist ein Kunstbegriff, der sich aus den Wörtern poly (griechisch für "viel") und amor (lateinisch für "Liebe") zusammensetzt ist. Dieser steht für eine verbindliche Beziehung mit mehr als einer Person.

Im Unterschied zu vielen offenen Beziehungen wissen bei polyamoren Beziehungen alle Beteiligten voneinander, sodass es keine Geheimnisse gibt. Damit grenzt sich die Polyamorie auch von der Monogamie, einer Beziehung aus zwei Personen, entscheidend ab.

Wer polyamor lebt, hat den Glauben, dass kein Mensch allein dauerhaft all seine Bedürfnisse erfüllen kann. Das Ideal einer monogamen Beziehung und Ehe sehen polyamor lebende kritisch. Dass viele Menschen fremdgehen, sei ein Zeichen, dass das Konzept der Monogamie nicht funktioniert und der Mensch nicht für eine monogame Liebe geschaffen sei.

Polyamorie leben: Was ist wichtig für das Funktionieren einer polyamoren Beziehung?

Paare in polyamoren Beziehungen, die ihre Beziehung liebevoll, ehrlich und beständig gestalten wollen, brauchen Regeln. Zugleich schafft Kommunikation eine vertrauensvolle Basis.

Aufmerksamkeit und Zuneigung

Vor allem zu Beginn der gemeinsamen Reise in einer polyamoren Beziehung kann es passieren, dass sich Partner aus den Augen verlieren oder zu wenig Aufmerksamkeit und Zuneigung schenken. Die Erlebnisse mit dem neuen Beziehungspartner sind zunächst aufregender als die gewohnte Beziehung. Dennoch sollte sich der Partner in der vorherigen Beziehung immer noch sicher und wohl in fühlen. Daher sollten Zuneigung und Aufmerksamkeit für alle Beteiligten gewährleistet sein.

Indem man seinem Partner häufiger als gewöhnlich sagt, dass man ihn liebt, schenkt man liebevolle Aufmerksamkeit. Gleichzeitig kann man auch alltägliche Berührungen suchen. Die aktive Wertschätzung ist eine wichtige Rückversicherung, dass die Beziehung durch die neue Person nicht gefährdet ist und die starke Bindung immer noch besteht.

Treue

Treue bedeutet im Kontext von polyamoren Beziehungen, dass die getroffenen Vereinbarungen bindend sind. Dabei lassen sich alle Partner darauf ein, dass die gemeinsam gefundenen Regeln nicht gebrochen werden.

Grenzen setzen und die Geschwindigkeit der Entwicklung beachten

Jeder, der in der polyamoren Beziehung lebt, hat das Recht "Stopp" zu sagen, wenn neue Vereinbarungen getroffen werden. Persönliche Grenzen können überschritten werden, ohne dass die anderen Beteiligten etwas davon merken. Daher sollten Betroffene ihre Grenzen immer offen kommunizieren. Die Grenzen können sich auf die Anzahl und Wechsel der Partner oder die Häufigkeit der Begegnungen beziehen. Für das Gelingen einer polyamoren Beziehung ist die richtige Geschwindigkeit wichtig, sodass sich alle Beteiligten wohl fühlen. Achtsamkeit ist der Schlüssel zum Erfolg.

Ängste aussprechen

Menschen, die in einer polyamoren Beziehung leben, sollten Verlustängste, Eifersucht, Zorn und Selbstzweifel offen kommunizieren. Wer über seine ambivalenten Gefühle spricht, sorgt dafür, dass der Partner die Probleme versteht und ernst nimmt.

Zeit nehmen, aber flexibel sein

Zeit ist ein wichtiger Faktor in polyamoren Beziehungen. Zeit ist begrenzt und die Freizeit mit Beruf, Hobbys und Freunden oftmals verplant. Daher ist Zeit ein wichtiger Faktor, um Liebe auszudrücken. Eine gemeinsame Planung und Absprachen sind von hoher Relevanz, damit sich alle Beteiligten wertgeschätzt fühlen. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, flexibel zu bleiben. Wer sich in einer schwierigen Phase der Beziehung befindet, sollte immer gezielt unterstützt werden.

Nicht für jeden öffnen

Bevor sich Partner auf eine Sekundärbeziehung einlassen, sollten die Werte besprochen werden, die wichtig sind. Alle Beteiligten müssen darüber im Bilde sein, in welcher Rolle sie sich in der Beziehung befinden. Potenzielle Sekundärpartner sollten bestenfalls einen polyamoren Hintergrund mitbringen, damit keine Probleme entstehen.

Kommunikation

Kommunikation ist der Schlüssel zum Erfolg in einer polyamoren Beziehung. Oftmals misslingt ein Gespräch, weil nicht richtig zugehört wird oder Signale falsch interpretiert werden.

Damit die Kommunikation gelingt, kann eine gewisse Redezeit vereinbart werden. In dieser Zeit wird der Redner nicht unterbrochen und bekommt den Raum, sich auszudrücken.

Kann Polyamorie funktionieren?

Damit eine polyamore Beziehung gelingt, müssen alle Beteiligten voneinander wissen. Gleichzeitig bedeutet dies, dass sich alle Beteiligten freiwillig auf die Polyamorie einlassen. Kommunikation und Konfliktlösungen sind wesentlicher Bestandteil einer polyamoren Beziehung. Jeder muss bereit sein, an der Beziehung zu arbeiten und sich selbst immer wieder reflektieren.

Welche Vorurteile gibt es bezüglich polyamoren Beziehungen?

Im Folgenden werden in der Gesellschaft diskutierte Vorurteile polyamorer Beziehungen aufgezeigt:

"In polyamoren Beziehungen geht es nur um Sex mit anderen": Ein bekanntes Vorurteil ist, dass es in polyamoren Beziehungen nur um eine sexuelle Spielart geht. Das stimmt allerdings nicht, denn polyamore Beziehungen sind auf Langfristigkeit angelegt. Dennoch gibt es keine allgemeingültigen Regeln einer polyamoren Lebensgemeinschaft und jede Beziehung muss individuell entscheiden, was erlaubt ist und was nicht.

"Dann gibt es bestimmt keine Eifersucht in polyamoren Beziehungen": Falsch, auch in polyamoren Beziehungen kann Eifersucht existieren. Allerdings ist der Umgang damit deutlich anders. Die Eifersucht wird eher als ein "Besitzdenken" angesehen und die Freiheit des einzelnen Menschen als besonders hohes Gut eingestuft. Da Ehrlichkeit die Grundlage einer polyamoren Beziehung ist, sollte auch Eifersucht offen kommuniziert werden.

"Für polyamore Beziehungen muss man mit sich selbst im Reinen sein": Auf jeden Fall stellen sich Menschen in einer polyamoren Beziehungen diversen Herausforderungen. Wer verbindliche Beziehungen zu mehreren Personen eingeht, wird gleichzeitig auch mit mehr Sehnsüchten, Wünschen und Herausforderungen konfrontiert.

"Es gibt kaum Menschen, die polyamorös leben": Nach einer Umfrage der Dating-Platform Parship haben drei Prozent der 3000 befragten Mitglieder schon einmal in einer polyamoren Beziehung gelebt. 12 Prozent können sich eine polyamore Beziehung durchaus vorstellen.

Polyamorie-Filme

Polyamorie-Serien und Filme gibt es mittlerweile viele. Wer sich Inspiration über das etwas andere Lebensmodell holen will, wird hier fündig.

Die bekanntesten Filme und Serien sind:

- "You Me Her" (2016)
- "Vita & Virginia” (2018)
- "Trigonometry” (2020)
- "Liebe in anderen Umständen" (2009)
- "Vicky Christina Barcelona” (2008)
- "Einsam, Zweisam, Dreisam” (1994)
- "Kiki, el amor se hace” (2016)
- "Die Träumer" (2003)
- "Mysterious Mermaifds" (2018)

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