Anhaltende Trockenheit in der Region

Appell der Wasserwirtschaftsämter in Franken: Bevölkerung soll Wasser sparen

Arno Stoffels
Arno Stoffels

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19.7.2022, 05:55 Uhr
Die anhaltende Trockenheit führt auch bei der Donau zu Niedrigwasser, die Überleitung in den Main wurde bereits ausgesetzt.

© Tobias Köhler, dpa Die anhaltende Trockenheit führt auch bei der Donau zu Niedrigwasser, die Überleitung in den Main wurde bereits ausgesetzt.

Von Alarmismus hält Thomas Keller nichts. Aber natürlich macht sich der Leiter des Ansbacher Wasserwirtschaftsamts Gedanken über die Auswirkungen der anhaltenden Trockenheit. Die Pegelstände der Gewässer in den Landkreisen Ansbach, Neustadt a. d. Aisch - Bad Windsheim und Weißenburg-Gunzenhausen "liegen im niedrigen und sehr niedrigen Bereich", so Keller.

Die Donau-Main-Überleitung, mit der normalerweise Wasser aus dem Süden in den traditionell niederschlagsärmeren Norden des Freistaats gepumpt wird, wurde in der letzten Woche umgestellt, weil auch an der Donau die Pegel gefallen sind. Das Wasser für den Main wird jetzt aus dem Roth- und Brombachsee entnommen.

Dazu kommt, dass auch "die Quellen auf einem sehr niedrigen Niveau sind", so Keller. "Wir reißen vielleicht den bisher niedrigsten Stand", was vor allem auch an dem trockenen Winter liegt. Das letzte Jahr war zwar insgesamt relativ feucht, doch das hat nicht genügt, um die Grundwasser-Situation nachhaltig zu verbessern. Und wenn den Quellen die Puste ausgeht, können auch die Fließgewässer nicht mehr ausreichend gespeist werden.

Zu wenig Regen

Das deckt sich auch mit dem Niedrigwasser-Lagebericht des bayerischen Landesamtes für Umwelt. "In Nordbayern sind nur 40 Prozent des südbayerischen Niederschlages gefallen. Rund 60 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen und Quellen weisen niedrige und sehr niedrige Grundwasserstände auf. In den tieferen Grundwasser-Stockwerken zeigen 71 Prozent der Messstellen eine Niedrigwassersituation", heißt es dort bereits am 5. Juli. Geregnet hat es seither praktisch nicht.

Das hat auch Auswirkungen auf Fische und andere Lebewesen in den Gewässern. "Ihr Lebensraum verkleinert sich, dazu kommt die Erwärmung", so Keller. Würde man die aktuelle Wettersituation auf die 1970er Jahre übertragen, "hätten wir ein Fischesterben landauf, landab."

Dass solche "Horrormeldungen" bisher in seinem Amtsbereich ausgeblieben sind, hat laut Keller vor allem mit der insgesamt stark verbesserten Wasserqualität zu tun. Etwa 500 Kläranlagen liegen in seinem Zuständigkeitsgebiet, viele wurden in den letzten Jahren modernisiert, Abwasserteiche zu technischen Anlagen umgebaut.

Appell zum Wassersparen

Dennoch richtet Keller einen eindeutigen Appell an die Bevölkerung und ruft zum Wassersparen auf. Jegliche Verschwendung sollte mit Blick auf den wohl auch weiterhin ausbleibenden Niederschlag und die hohen Temperaturen vermieden werden, so Keller.

Auch der deutsche Städte- und Gemeindebund warnt angesichts der Trockenheit aktuell vor Wasserknappheit in einigen Regionen Deutschlands und erklärte, dass in Einzelfällen auch kommunale Verwendungsverbote, also beispielsweise ein Untersagen des Rasensprengens, nötig sein könnten.

Amtsleiter Keller weist darauf hin, dass die Wasserentnahme aus Flüssen und Bächen nur für Anlieger "in kleinen Mengen zum vorübergehenden Bedarf" zulässig ist. Auch das sollte jedoch angesichts der aktuellen "Stresssituation" möglichst unterbleiben.

Keine übermäßige Entnahme

Gewässer zu schützen und nicht durch übermäßige Entnahme "trockenzulegen" ist auch in den Augen von Stefan Bertelmann in der aktuellen Situation äußerst wichtig. Der stellvertretende Leiter des Nürnberger Wasserwirtschaftsamts berichtet ebenso wie Keller von niedrigen bis sehr niedrigen Pegelständen bei den westlichen und östlichen Zuflüssen zum Regnitz-Rednitz-System, wobei die beiden Flüsse selber durch die Donau-Main-Überleitung beziehungsweise aktuell das Wasser aus dem Brombachspeicher noch im grünen Bereich sind.

Auch beim Grundwasser sieht es im Amtsbereich des Nürnberger Wasserwirtschaftsamts, der auch die Städte Fürth, Erlangen und Schwabach sowie die Landkreise Roth, Nürnberger Land, Erlangen-Höchstadt und Fürth umfasst, alles andere als gut aus.

Ebenso wie Keller verweist Bertelmann auf den seit dem Winter fehlenden Schnee und Regen, was sich gut an einem Vergleich der Niederschlagsmenge an der Messstelle am Nürnberger Flughafen ablesen lässt.

Zielkonflikt verschärft sich

"2021 lag die Menge von Jahresbeginn bis jetzt bei 400 Millimetern, heuer sind es 225 Millimeter", so Bertelmann. Die anhaltende Trockenheit führe auch dazu, dass sich der Zielkonflikt zwischen der Gewässerökologie einerseits und beispielsweise der Entnahme für die landwirtschaftliche Bewässerung andererseits verschärft. "Die Bedürfnisse nehmen zu", sagt Bertelmann.

Zwar sei die Trinkwasserversorgung grundsätzlich gesichert, jede Entnahme von Grundwasser sei aber angesichts der Trockenheit kritisch zu sehen.

"Hoffen wir mal, dass es regnet", so der stellvertretende Leiter des Nürnberger Wasserwirtschaftsamtes. Wobei es hier mit einem Gewitter nicht getan wäre, zumal der ausgetrocknete Boden nicht in der Lage ist, einen kurzen Starkregen überhaupt aufzunehmen. Um die aktuelle Situation zu entspannen, wäre ein tagelanger Landregen nötig, so Bertelmann.

Wasserspeicher fehlen

Mit Blick auf den Klimawandel und vielleicht noch längere Trockenperioden in der Zukunft plädiert der Experte für ein System, um in der Fläche, vor allem aber auch in den Städten Niederschläge besser zu speichern, vor allem kurzen, aber heftigen Starkregen. Das Wasser müsse daran gehindert werden, schnell wegzufließen, damit es in Dürrezeiten genutzt werden kann.

"Wasserwirtschaft ist eine Zukunftsaufgabe", sagt auch der Ansbacher Amtsleiter Keller. Um den Folgen des Klimawandels zu begegnen, müsse auch künftig in den Ausbau von Kläranlagen und die Renaturierung von Gewässern investiert werden, meint er. Außerdem gelte es, entlang von Bächen und Flüssen schattenspendende Gehölze zu pflanzen. Damit könnte die Wassertemperatur um mehrere Grad gesenkt werden, so Keller.

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