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Enormer Ansturm: Franken droht langes Warten auf Heizöl

Günstige Preise und Unsicherheit wegen Coronakrise befeuern Nachfrage - 09.04.2020 10:37 Uhr

Nürnbergs Heizölhändler arbeiten derzeit unter Hochdruck: Sie kommen bei den vielen Bestellungen kaum mehr hinterher. © Michael Matejka


"Es herrscht eine gewissen Hysterie vor", meint Martin Beer, Geschäftsführer von Heizöl-Beer, "viele Kunden bestellen, weil sie nicht wissen, was die Zukunft bringt. Sie fürchten Engpässe, doch sie müssen sich keine Sorgen machen."

Nur längere Wartezeiten muss man in Kauf nehmen. Doch viele Händler haben noch einen kleinen Vorrat für Notfälle. "Wenn der Tank eines Kunden leer gelaufen ist, dann helfen wir natürlich", sagt Heizöl-Händler Herbert Graf, auch wenn seine beiden Lkw dann kurzfristig andere Routen fahren müssen. Ansonsten beträgt die Wartezeit bei seinem Familienunternehmen etwa fünf bis sechs Wochen.

20 Prozent niedrigere Ölpreise

Öl ist momentan sehr billig, weil die Förderung des Rohstoffs noch nicht gedrosselt wurde und gleichzeitig viele Firmen wegen Corona-Maßnahmen einen Produktionsstopp oder deutliche Minderungen haben. Etwa 20 Prozent liegen die Preise unter dem Vorjahr: Bei einer Menge von 3000 Litern Heizöl berechnet Graf derzeit knapp unter 59 Euro inklusive Mehrwertsteuer pro 100 Liter. Und die Kunden greifen zu: "Es ist eine besonders stressige Zeit, so arg war es noch nie", meint der Geschäftsmann. Zumal momentan auch die Tagespreise für die Händler bis zu viermal wechseln: Der Ölmarkt reagiert äußerst sensibel auf unterschiedliche Nachrichten.

Auch am Tankfahrzeug fehlt das Warnschild auf Corona nicht: Mindestens zwei Meter Abstand halten. © Michael Matejka


Die gestiegene Nachfrage schlägt sich auch beim Nürnberger FMH Mineralölhandel zu Buch: Wer normalerweise 3000 Liter geordert hat, füllt jetzt seinen 6000-Liter fassenden Haustank komplett voll, meint FMH-Geschäftsführer Uwe Wein: "Viele Anrufer sind einfach unsicher. Sie wollen sich in Corona-Zeiten für eine ungewisse Zukunft wappnen, denn niemand kann sagen, wie lange die derzeitige Situation anhält."

Seine Fahrer holen - wie viele Kollegen aus der Branche - ihr Heizöl aus dem zentralen Lager der Firma Trans Tank im Hafen ab. Sie kann dort bis zu 55.000 Kubikmeter Brennflüssigkeit in sechs Behältern lagern. Dort gebe es auch längere Wartezeiten, bis der eigene Tankzug endlich befüllt werden kann.

Die Nürnberger Niederlassung von Trans Tank will sich selbst nicht zu den momentanen Veränderungen äußern, sondern verweist auf die Gelsenkirchener Zentrale. Dort schildert ein Unternehmenssprecher zwei unterschiedliche Entwicklungen am Ölmarkt: Während Hausbesitzer mit ihren Bestellungen für Bewegung sorgen, sieht es an Flughäfen und Tankstellen ganz anders aus.

Flugverkehr äußerst reduziert

Da der Flugverkehr deutlich verringert wurde, brauchen die Kerosinlager an den Airports derzeit keinen Nachschub. Am Nürnberger Flughafen sind 1,4 Millionen Liter Kerosin in drei Tanks gebunkert. Im Sommer reicht diese Menge für vier Tage. "Jetzt langt es mindestens vier Monate", seufzt der Leiter des Tankbetriebs Nürnberg. Der Betrieb am Flughafen ist äußerst reduziert: Während in normalen Zeiten bis zu 100 Flüge täglich stattfinden, sind es nun nur noch 130 pro Woche. Es gibt keinen Linienverkehr, nur noch Fracht, Ambulanzen und Rettungsflüge. Trotzdem: Der Flughafen muss in der Zwangspause vollfunktionsfähig bleiben.

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Natürlich weiß die Nürnberger Heizöl-Branche, dass der Bestell-Boom der privaten Haushalte nicht endlos dauert — irgendwann sind alle Tanks gefüllt. "Ich schätze, es geht noch einen Monat weiter, dann flaut es wieder ab. Wir durchlaufen immer wieder einmal Wellen im Auf und Ab", vermutet Martin Beer von der gleichnamigen Firma.

Überraschend: Neben Heizöl auch Desinfektionsmittel

Der findige Geschäftsmann hat seit zwei Wochen ein weiteres begehrtes Produkt in seiner Palette: Er bietet Fünf-Liter-Kanister Desinfektionsmittel zu knapp 40 Euro an. Dies habe sich durch seine Geschäftskontakte zu einem Lieferanten ergeben. Etliche Privatleute und Arztpraxen hätten schon bei ihm bestellt. "Ich bin sicher, dass Desinfektionsmittel auch nach Ende der Corona-Krise gefragt bleiben. Die Bevölkerung wird in dieser Frage sensibler bleiben", vermutet Beer.

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