Ein Jahr "Luftbrücke": Italien sagt Danke an Erlanger Corona-Retter

24.3.2021, 06:00 Uhr
Universitätsklinikum Erlangen.

Universitätsklinikum Erlangen. © Harald Sippel

In diesen Tagen und Wochen jährt sich viel Schlimmes rund um Covid-19: Beispielsweise der erste bestätigte Fall in Deutschland, in Bayern oder auch in Erlangen.

In all dem Schrecken gibt es aber auch ein kleines Jubiläum, das Mut macht: der Beginn der deutschen Rettungsaktion von insgesamt 44 italienischen Patienten, die vom Flughafen aus Bergamo ausgeflogen wurden. Die Stadt in der Lombardei wurde von der Pandemie besonders schrecklich gebeutelt.  

Ab dem 23. März 2020, also vor einem Jahr, wurden dann die ersten Schwerkranken aus Italien nach Deutschland ausgeflogen. Laura Garavini von der Deutsch-italienischen Parlamentariergruppe und Stellvertretende Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im italienischen Senat, war damals mit den Schilderungen der überfüllten Kliniken in Italien auch bei uns immer wieder in Interviews zu sehen und zu hören.

Jetzt, ein Jahr später, meldet sie sich erneut zu Wort — in einem Schreiben, das dieser Redaktion vorliegt. Darin wendet sie sich auch im Namen der in Deutschland behandelten Corona-Patienten mit einem Dankeschön an alle an dem Notprojekt beteiligten Personen und Institutionen.

Freistaat sagte Hilfe zu

Auch das Erlanger Universitätsklinikum kümmerte sich (neben weiteren Krankenhäusern in verschiedenen Bundesländern) um Patienten aus dem südeuropäischen Land.

Bereits Ende März hatte Bayern zehn Corona-Patienten aus Italien zur medizinischen Versorgung aufgenommen, schon wenige Tage später, am 3. April, wurden die ersten im Uni-Klinikum behandelt. Zuvor hatte der Freistaat von der Pandemie besonders schwer betroffenen Ländern wie Italien seine Hilfe zugesagt.

Der in Erlangen lebende Bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) persönlich kündigte etwa am 26. März bei einem Besuch in der Uni-Klinik an, dass in Erlangen Covid-19-Patienten behandelt werden sollen, da viele Krankenhäuser in Italien wegen der Pandemie völlig überlastet sind. Herrmann sprach dabei von einem "symbolischen Zeichen für die Freundschaft mit Italien."

Garavini selbst spricht nun von einer "tiefen Freundschaft des deutschen Volkes mit dem italienischen". Unter der Überschrift "Die Nacht, in der Deutschland 30 Italiener rettete" berichtet sie von einer "sehr schönen Geschichte, die das Herz erwärmt."

Eindringliche Worte

"Stellen Sie sich vor", beginnt sie ihren Brief eindringlich, "Sie wären an Covid erkrankt. Sie können nicht mehr atmen und brauchen dringend Sauerstoff. Alle Intensivstationen sind besetzt und das Gesundheitssystem bricht zusammen. Für Sie gibt es keinen Platz mehr im Krankenhaus. Stellen Sie sich vor, dass plötzlich ein anderes Land Ihnen anbietet, Ihr Leben zu retten und Sie in seinen Krankenhäusern willkommen zu heißen, ohne dafür eine Gegenleistung zu verlangen".

Das alles sei mit der "Luftbrücke" geschehen und eben kein Märchen, schreibt die 54-Jährige, die neben der italienischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt.

Für diese Großzügigkeit will sie der Bundesrepublik Deutschland jetzt mit dem Schreiben ausdrücklich danken: Die Luftbrücke sei auch ein Zeugnis für die enge Freundschaft zwischen den beiden Völkern.

Von den 44 Patienten sind 14 gestorben. Doch 30 von ihnen überlebten und kehrten nach Italien zurück — zu ihren Familien und Freunden.

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