Erlanger BLLV-Chef zu Corona: "Die Angst vor Ansteckung ist da"

20.2.2021, 09:30 Uhr
Ab 22. Februar 2021 gibt es in Bayern auch wieder verstärkt Präsenzunterricht.

Ab 22. Februar 2021 gibt es in Bayern auch wieder verstärkt Präsenzunterricht. © Stefan Hippel

Der Pädagoge Stefan Bühler, 63, ist Lehrer an der Ernst-Penzoldt-Mittelschule Erlangen mit Sitz in Spardorf und Vorsitzender des Kreisverbands Erlangen des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes.

Der Pädagoge Stefan Bühler, 63, ist Lehrer an der Ernst-Penzoldt-Mittelschule Erlangen mit Sitz in Spardorf und Vorsitzender des Kreisverbands Erlangen des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes. © privat

Ministerpräsident Söder hat gesagt, Schule solle kein Versuchslabor sein. Fühlen Sie sich manchmal als Versuchskaninchen, Herr Bühler?

Na ja, wir dürfen jetzt mal testen, wie gut diese OP-Masken wirklich schützen. Im öffentlichen Nahverkehr und in den Supermärkten soll hingegen FFP-2-Maske getragen werden. Aber wir bekommen nur diese OP-Masken. Insofern sind wir ein Versuchslabor. Wie ansteckend die Kinder sind, wurde jetzt zugegeben. Jetzt dürfen wir mal testen, inwieweit sie das Virus weiter verbreiten und wie ansteckend die neuen Mutationen eventuell noch sind.

Also geht Söders Ankündigung, dass Schule kein Versuchslabor mehr sein darf, gar nicht auf, weil sie es bleibt?

Wir bleiben Experimentierfeld und Versuchslabor. Einen guten Schutz haben wir weiterhin nicht. Auch haben wir noch keine Schnelltests. Das steht noch in den Sternen, wie das bei uns gemacht wird. Ich weiß auch nicht, ob es sinnvoll ist, wenn das jemand abnimmt, der medizinisch nicht ausgebildet ist. In Österreich machen die Tests die Schüler bei sich selber. Aber ich weiß, wie gut Schüler im Schummeln sind.

Wie groß ist die Angst vor Ansteckung ?

Sie ist nach wie vor da. Je mehr man von dem Virus weiß und je mehr Angehörige man hat, die diesen Virus schon hatten, desto größer wird die Angst sein. Es gibt jüngere Kollegen, die sehr forsch an die Sache herangehen und sich von der Gesundheit her auch nicht so bedroht fühlen. Aber gerade die Älteren, die zudem noch Teil-Pflegebedürftige zu Hause haben, sind bezüglich des Coronavirus’ sehr ängstlich.

Die jetzt verkündeten Schulmaßnahmen aus München stoßen somit bei Ihnen nicht auf große Gegenliebe?

Bei uns als Lehrervertreter eigentlich nicht. Wie sollen wir bei den Kleineren in der Grundschule Distanz halten? In den höheren Klassen werden die Kinder disziplinierter, aber die Kleinen können keinen Abstand halten. Das ist schwer vermittelbar. Wir sind dann die strengen Lehrer, die Bösen, die den Kindern verbieten, mit ihren Klassenkameraden in Kontakt zu treten.

Wie schwer ist die Vermittlung zwischen Ihnen und den Eltern?

Ich verstehe Eltern schon, wenn sie wieder einen normalen Unterricht für ihre Kinder wünschen. Das ist für sie auch eine Entlastung. Nur: Es gibt auch viele Eltern, die das Virus ignorieren und mit Maskenverweigerung zusätzliche Schwierigkeiten in die Schule hereinbringen.

Aber gerade für Kinder aus schwierigeren Verhältnissen ist der direkte Kontakt zu den Lehrern wichtig.

Das ist unbestritten. Aber die Frage ist: Wie geht Kontakt halten, so dass sich Lehrer nicht anstecken? Die Schüler brauchen uns Lehrer. Auch der Distanzunterricht kann gerade bei Bildungsfernen nicht so gut laufen wie bei Bildungsnahen, das merke ich bei meinen Schülern selber, welch großer Unterschied dort herrscht. Allein in einer Mittelschule oder auch in einer Grundschule.

Es gibt aber auch bildungsnahe Eltern, bei denen der Distanzunterricht nicht klappt, weil sich die Eltern darum nicht kümmern oder nicht kümmern können. Das alles darf aber nicht auf Kosten der Gesundheit und der Lehrer gehen.