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Erlanger Medizinstudent hilft auf Corona-Station

Louis Rhode arbeitete auf der Corona-Station im Uni-Klinikum - 11.06.2020 14:11 Uhr

Medizinstudent Louis Rhode half auf der Corona-Station aus.


Am Dienstag und Donnerstag Frühschicht, Samstag und Sonntag direkt hintereinander Nachtschicht. Bereits nach wenigen Wochen hat Louis Rhode 34 Überstunden angesammelt. Der gebürtige Freiburger studiert im achten Semester Medizin an der FAU und arbeitet in der Pflege im Internistischen Zentrum in Erlangen. Im Untergeschoss des D-Trakts befindet sich hier die Nephrologie, die Fachabteilung für Nierenerkrankungen. Einige Wochen wurden hier auch Patienten, die an Covid-19 erkrankt sind, behandelt.

"Sorry, hatte Nachtdienst. Bisschen komischer Rhythmus", schreibt Louis um 23.11 Uhr. Als er am Tag darauf von seinem Fahrrad absteigt, sieht er müde aus, aber er lächelt.

Seit Anfang April unterstützt der 23-Jährige das Pflegepersonal auf der nephrologischen Station. Eigentlich wollte er erst ab Anfang Mai beginnen. Der Vertrag war schon unterschrieben, und dann kam doch alles anders. Am 9. März landete die erste Rundmail im Posteingang der Medizinstudenten der Uni Erlangen.

160 Studenten eingestellt

Das Klinikum brauche ihre Unterstützung in Zeiten der Krise. Bis Ende des Monats wurden 160 Studenten neu eingestellt, nur ein Bruchteil der 950 Freiwilligen, die sich bis zu dem Zeitpunkt gemeldet hatten.

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"Ich glaube, die meisten Medizinstudenten waren froh, helfen zu können, anstatt zuhause herumsitzen zu müssen", sagt Louis. Er reibt sich die Augen. Auch er sei dankbar, so viel Neues lernen zu dürfen.

Allein die pflegerischen Aufgaben, wie Medikamente herzurichten, das Nahtset vorzubereiten oder Infusionen aufzuziehen, sind für den angehenden Arzt wichtige Fähigkeiten. Hinzu kommen Tätigkeiten, die Louis nur auf der Intensivstation lernen kann wie das Bedienen einer Beatmungs- oder Dialysemaschine.

"Die Patienten hier brauchen eine engmaschige Betreuung und mehr Medikamente als auf anderen Stationen", erzählt Louis. Aufgrund der großen Verantwortung sind Intensivpfleger meist berufserfahrener und absolvieren eine zweijährige Zusatzausbildung — so wie Lukas Gerhäußer. Der 25-Jährige arbeitet seit zehn Jahren in der Pflege und hat im März seine Weiterbildung zum Fachpfleger für Intensivpflege und Anästhesie abgeschlossen. "Ich würde mir mehr MedizinstudentInnen wünschen, die länger als ihre drei Monate Pflichtpraktikum in der Pflege arbeiten".

Ohne Ausweis kein Zutritt

Ohne diesen Ausweis darf auch Louis das Klinikgebäude nicht betreten. Medizinstudenten hat Gerhäußer bisher als sehr motiviert und vorausschauend erlebt. "Louis ist ein kontaktfreudiger, hilfsbereiter und wissbegieriger Mensch und fügt sich gut ins Team ein."

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Das wurde gerade in Zeiten der Pandemie auf die Probe gestellt. "Du gibst einfach dein Bestes und dann hoffst du, dass dein Bestes ausreicht", so Louis. Aktuell gibt es keine Covid-19-Patienten mehr auf seiner Station. Natürlich wisse niemand, wie es in ein paar Wochen aussieht. "Die Maßnahmen der Regierung waren in meinen Augen absolut gerechtfertigt". Louis hält kurz inne.

"Ich habe aber das Gefühl, dass die dargestellten Situationen in den Medien, in denen Kliniken überlaufen waren, in Deutschland eher lokale und akute Erscheinungen sind und kein flächendeckendes Problem". Der Student wählt seine Worte mit Bedacht. Er sei kein Experte, betont er immer wieder.

"Mein Eindruck ist, dass Pflegekräfte derzeit unter Druck stehen, weil viel umorganisiert wird, und das lastet dann auf den Schultern derer, die sowieso schon nach Meinung aller deutlich unterbezahlt sind", sagt er.

Mitbewohnerin schüttelt den Kopf

Auch seine Mitbewohnerin Lara Vollmer kann bei diesem Thema nur den Kopf schütteln. Die 22-jährige Medizinstudentin arbeitet schon seit 2,5 Jahren auf der Station für Hämatologie und Internistische Onkologie. "Es gibt Tage, da bist du nur am Rotieren". Die Arbeitsbedingungen und vielen Überstunden seien einfach nicht zu schaffen.

Anfang April veranlasste Ministerpräsident Markus Söder deshalb einen einmaligen Pflegebonus von 500 Euro. Gegenüber dem bayerischen Rundfunk sprach er von "ein bisschen finanzieller Anerkennung" für die Pflegerinnen und Pfleger. Louis sieht das eher skeptisch.

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"Ich hab einfach die Sorge, dass den Pflegekräften nur für den Moment die Aufmerksamkeit zuteil wird, die sie verdienen. Weil man jetzt merkt, wie abhängig man von ausgebildetem Pflegepersonal ist."

In seinen Augen ist Pflege die Basis einer guten Patientenversorgung und essentiell für eine optimale Genesung. Nimmt man die aktuelle Wertschätzung auch von Seiten der Patienten wahr? "Leider waren meine Patienten auf der Intensivstation selten bei Bewusstsein", sagt Louis Rhode. Der Besuch auf den Covid-19- Stationen ist strengstens untersagt.

Einer Patientin konnten sie jedoch ermöglichen, wenigstens mit ihren Angehörigen zu telefonieren. Sie selbst war noch an eine Beatmungsmaschine angeschlossen und konnte deshalb nicht sprechen. "Als sie dann aber die Stimmen ihrer Familie am anderen Ende der Leitung hörte, hatte sie sofort ein Lächeln im Gesicht. Das war ein super schöner Moment."


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Veronika Kügle

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