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Erlanger Zahnärzte helfen sich in der Corona-Krise selbst

Pflexiglasvisier wird selbst auf zahnmedizinischen 3D-Druckern hergestellt - 10.04.2020 10:00 Uhr

Spuckschutz ist auch in den zahnärztlichen Praxen Pflicht. © Foto: Tanja Trapper


Damit kommen wir Erlanger Zahnärzte in der nächsten Zeit über die Runden", freut sich Dr. Tanja Trapper. Nächtelang durchstreifte sie das Internet auf der Suche nach "einer größeren Menge" Schutzmasken. Immer hochkonzentriert, "damit man nicht auf Betrüger hereinfällt", sagt die Zahnärztin. "Wir brauchen ja FFP2-Mundschutz, der zertifiziert und außerdem schnell lieferbar ist."


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Innerhalb der städtischen Führungsgruppe Katastrophenschutz vertritt die Zahnärztin ihre Kollegen im Stadtgebiet. Ihre Aufgabe: die zahnmedizinische Versorgung in Erlangen während der Corona-Krise sicherzustellen. Tanja Trapper sagt: "Die Zahnärzte stehen auf der Prioritäten-Liste für Schutzkleidung, nur ist im Moment einfach zu wenig da und es müssen logischerweise erst einmal Krankenhäuser und Pflegeheime, die es wirklich dringender brauchen, mit den wenigen Masken ausgestattet werden." Doch woher nehmen, wenn das knappe Gut nirgendwo in Sicht ist? Gefragt war also Eigeninitiative.

Die Stirnhalterungen für die Klarsichtvisiere haben manche Zahnärzte auf ihren zahnmedizinischen 3D-Druckern selbst hergestellt.


In normalen Zeiten gehört die Beschaffung von Schutzmasken zum Praxisalltag. Denn Mundschutz tragen die Zahnärzte bei der Behandlung ohnehin, um Infektionsrisiken generell möglichst gering zu halten. "Neu war für uns, dass er während der Pandemie FFP2-zertifiziert sein muss", erklärt Trapper. "Zumindest nach der ersten Lieferung der Schutzmasken sind meine Kollegen und ich jetzt mit Schutzkleidung ausgerüstet, um die nicht aufschiebbaren zahnmedizinischen Behandlungen durchzuführen."

"Damit kommen wir in der nächsten Zeit über die Runden"

Also dann, wenn etwa eine Zahnfüllung verloren gegangen ist, wenn sich ein Abszess gebildet hat, wenn ein Patient an Prothesendruckstellen leidet oder plötzlich über starke Schmerzen klagt. Ausgeschlossen sind allerdings Zahnprophylaxen oder Schönheitsbehandlungen wie zum Beispiel Bleaching. Was den Gesichtsschutz mit einem Plexiglasvisier für die Zahnärzte betrifft, weiß Trapper eine Besonderheit zu berichten. "Die Stirnhalterung für die Klarsichtvisiere haben manche Zahnärzte auf ihren zahnmedizinischen 3D-Druckern selbst hergestellt und versorgen damit ihre Kollegen."

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Tanja Trapper spricht für eine Gruppe von Zahnärzten, die sich zusammengeschlossen hat, um für jene Kollegen einzuspringen, die "in Zeiten von Corona nicht alle Patienten annehmen können oder ihre Praxis vorübergehend lieber schließen möchten oder müssen, weil ihnen die Schutzausrüstung fehlt". Sie rät den Erlangern, immer zuerst telefonisch Kontakt zum eigenen Zahnarzt aufzunehmen, nicht nur, um zu erfahren, ob dieser überhaupt geöffnet hat.

Im Wartezimmer dürfen Senioren und Kinder nicht zusammensitzen, zudem muss der Sicherheitsabstand eingehalten werden. "Risikopatienten werden von den Erlanger Zahnärzten zur Zeit möglichst direkt in das Behandlungszimmer geführt", erläutert Trapper. "Das alles muss terminiert und koordiniert werden." Um FFP2-Masken aufzutreiben, saß Tanja Trapper oft bis zwei Uhr in der Früh am Rechner. Schrieb zahlreiche E-Mails, bestellte auch in anderen Ländern, ohne dass etwas geliefert worden wäre. Die ersten 100 Masken aber, die sie erhielt, stammten, wie sie sagt, aus einer "zuverlässigen Quelle in Erlangen".

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ILONA HÖRATH

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