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Forchheims Abiturienten zwischen Normalität und Ausnahmezustand

Schüler berichten von Erfahrungen, Wünschen und Ängsten - 05.05.2020 06:00 Uhr

Alles anders für den Abiturjahrgang 2020: Katharina Büttner, Marvin Ogolla und Thomas Kornalik bereiten sich auf ihre Abiturprüfungen vor.

© Jana Schneeberg


Weil sie erst seit einer Woche überhaupt wieder in die Schule gehen. Weil lange nicht feststand, wann und wie die Prüfungen an sich stattfinden und wie ihre Zeugnisnoten gebildet werden. Weil sie das Ende ihrer Schulzeit nicht mit einem großen Abschiedsfest feiern werden. Und weil hinter ihren Zukunftsplänen so manches Fragezeichen steht. 

Die drei Zwölftklässler besuchen das Ehrenbürg Gymnasium Forchheim. Sie sind drei von 122 Schülern, die seit vergangenem Montag wieder hier lernen. Mit den nötigen Sicherheitsvorkehrungen: Abstand, Desinfektionsmaßnahmen und Mundschutz. Zwar schreibt der Freistaat nicht vor, dass man im Schulhaus Mundschutz tragen muss, doch haben Lehrer und Schüler „untereinander ausgemacht, dass wir Masken tragen, wo es geht“, erklärt Schulleiter Karlheinz Schoofs. Und daran halte sich ein Großteil. Immerhin wüssten alle, worum es geht: „Es darf keiner krank werden.“ Mit nur einem Corona-Fall an der Schule könnten die gesamten Abiturprüfungen für alle in Frage stehen, erklärt er und sagt. „Ich halte sämtliche Daumen, dass alles läuft, wie geplant.“

Also fügen sich alle in den ungewohnten Schulalltag - und sind froh, dass dieser überhaupt wieder stattfindet. „Ich war überrascht, wie wenig Stunden ich jetzt habe“, sagt Thomas Kornalik und erklärt: „Unterricht findet ja jetzt nur in den Prüfungsfächern statt.“ Bei ihm sind das neben Mathe und Deutsch die Fächer Physik, Englisch und Geographie. Und darin geht es zwei Wochen vor dem Start der Prüfungen darum, den Stoff, den sich die Schüler in den drei Wochen vor den Osterferien selbst zu Hause angeeignet haben, zu wiederholen und allgemeine Fragen zu beantworten.

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Der 18-Jährige ist froh, dass wieder ein Stück Normalität zurückgekehrt ist - und dass die Ungewissheit, die lange Zeit herrschte, ein Ende hat. „Bis in die Osterferien hinein war alles so schwammig“, sagt er. Weil es lange keinen Fahrplan gab, wann und wie die Abiturprüfungen stattfinden, habe er viel Zeit damit verbracht, auch für Fächer zu lernen, in denen er keine Prüfung schreibt. 

Das hat auch seine Mitschülerin Katharina Büttner gestört. „Es gab so viele Fragen: Sollen wir jetzt für die Klausuren, die eigentlich noch angestanden hätten, lernen oder nicht? Lohnt es sich, schon mit den Abiturvorbereitungen zu starten, wo doch gar nicht feststeht, ob die Prüfungen stattfinden?“ 

Nun steht zwar alles fest - und bringt Planungssicherheit. Ob es jedoch die richtige Entscheidung war, die Abiturprüfungen einfach um zwei Wochen zu verschieben, darüber machen sich auch die EGF-Schüler Gedanken. „Es gab eine interne Umfrage, in der sich die große Mehrheit von uns für das Durchschnittsabitur ausgesprochen hat“, erklärt Katharina, die auch in der Schülermitverwaltung engagiert ist.

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Durchschnittsabitur wäre ein Abschluss ohne Abiturprüfungen gewesen, basierend auf den bis zum Zeitpunkt der Schulschließung erbrachten Leistungen. „Die Frage ist aber, ob das Abiturzeugnis dann noch mit anderen vergleichbar gewesen wäre“, meint die 18-Jährige. Einfach so unterschrieben hätte sie diese Forderung also nicht. „Aber ich hätte mir gewünscht, dass der Landesschülerrat in die Entscheidungsfindung einbezogen worden wäre.“ Vielleicht hätte es eine Lösung gegeben, die die Widrigkeiten für die Abiturienten etwas abgemildert hätte. 

Sicher wäre es auch gut gewesen, wenn sich die Kultusministerien der Bundesländer für einen gemeinsamen Weg entschieden hätten, meint Marvin Ogolla. Nun könnten die Unterschiede, die es sowieso schon zwischen den Ländern gebe, größer werden, befürchtet er. 

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Dennoch nehmen die drei Abschlussschüler die Situation, wie sie ist. Auch wenn sich die neue Form des Unterrichts komisch anfühlt. „Es ist alles distanziert“, sagt Katharina. Über den Abstand, den die neue Sitzordnung mit sich bringt, ist es schwer, in der Pause Gespräche zu führen. „Oder man muss sich so laut unterhalten, dass alle anderen auch etwas davon haben.“ Auch Marvin findet: „Das soziale Miteinander fehlt.“ Projekte sind vorzeitig beendet, AGs ausgesetzt, Veranstaltungen gestrichen - inklusive Abischerz und Abiball. Sogar hinter der feierlichen Zeugnisübergabe steht ein Fragezeichen. Ihre Schulzeit werde „still und leise enden“, fürchten die Drei. 

Auch über ihre Zukunft machen sie sich Gedanken. Marvin will Wirtschaftsingenieurwesen studieren und bemüht sich derzeit um ein Stipendium. „Die Bewerbungen laufen alle online, manchmal hört man lange nichts. Ich mache mir schon Sorgen, wie es weiter geht.“ Auch Thomas weiß noch nicht ganz, ob er im Herbst sein geplantes Physikstudium in Zürich beginnen kann. Für die Bewerbung fehlt ihm noch sein Abiturzeugnis. „Deshalb wünsche ich mir jetzt nur eines: Dass das Abi wie geplant läuft und ich bald mein Zeugnis in den Händen halten kann.“

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