Für das Klima in Forchheim: Verbot von Steingärten in Sicht

6.2.2021, 06:26 Uhr
Bunte Fassaden aus Grün sorgen für ein besseres Mikroklima in der Stadt. Forchheim zeigt sich offen, dem Beispiel zu folgen.

Bunte Fassaden aus Grün sorgen für ein besseres Mikroklima in der Stadt. Forchheim zeigt sich offen, dem Beispiel zu folgen. © Foto: Colourbox.de

Nicht nur CSU-Stadtrat Thomas Werner will eine entsprechende Satzung verabschieden, die klar machen soll, "dass wir in Zukunft keine reinen Steinwüsten in den Vorgärten haben wollen". Ähnlich wie in Erlangen könnte das in Forchheim zur Folge haben, dass in künftigen Baugebieten Steingärten verboten sind. Die Nachbarstadt hat das Verbot vor einem Jahr im Stadtrat mit knapper Mehrheit verabschiedet.

In Forchheim hingegen zeichnet sich für das Verbot eine klare Mehrheit ab. Eine Satzung ist längst nicht ausgearbeitet. Thomas Werner brachte sie aber ins Spiel, weil seit Februar bayernweit eine neue Bauordnung gilt. Sie erleichtert es Städten, Bauherrn grüne Vorschriften zu machen. Das alles steht unter dem Titel "Klimaschutz". Auch Kommunen sollen ihren Beitrag dazu leisten können.

"Steingärten sind Gift"

So sieht das auch Werner: "Wir diskutieren im Stadtrat über Blühstreifen und begrünte Straßenabschnitte und laufen dann aber an Grundstücken vorbei, die aus nichts als Schotter bestehen." Von diesem klaren Statement ist so mancher Vertreter anderer Parteien überrascht. Aber die CSU Forchheim habe sich gewandelt, heißt es. Mit der Partei von vor 20 Jahren wäre das nicht denkbar gewesen. Es mag auch daran liegen, dass die Wetterkapriolen, ausgelöst vom Klimawandel, auch in Forchheim spürbar werden.


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Im Sommer heizt sich die Stadt stärker auf als das Umland. Steinfassaden, Asphalt und Steingärten speichern die Tageswärme und geben sie nachts ab. Das wirkt wie eine aufgedrehte Heizung mitten im Sommer.

"Steingärten sind Gift bei immer heißer werdenden Sommern", sagt Bürgermeisterin Annette Prechtel (FGL). In ihr Aufgabengebiet fällt der Klimaschutz. Doch lässt es sich mit einem Steingartenverbot schützen? "In der Klimakrise hilft uns das nicht wirklich weiter", sagt Prechtel. "Es wäre ein Tropfen auf den wortwörtlich heißen Stein." Dem städtischen Kleinklima täte es dennoch gut und deshalb befürwortet Prechtel den Vorstoß. "Es wäre ein Reagieren auf den Klimawandel, in dem wir mittendrin sind. Wir müssen ihn aber auch abbremsen. Dafür sind größere Maßnahmen notwendig."

Steingärten: Bald Vergangenheit?

Steingärten: Bald Vergangenheit? © Foto: epd-bild/Heike Lyding

Zusammen mit der FGL als natürlicher Partner in Sachen Klimaschutz und inoffizieller Koalitionspartner im Rathaus hat es das Verbot nicht schwer: Zusammen stellen sie die Stadtratsmehrheit mit 21 Sitzen. Zudem zeichnet sich weitere Unterstützung ab. Auch die SPD betont in den vergangenen Monaten verstärkt das Thema Klimaschutz und konkret unterstützt auch Ludwig Preusch von den Freien Wählern (FW) das Steingarten-Verbot: "Das sollte die Stadt machen", sagt er im Gespräch mit den NN.

"Den Bürgern bleiben dann immer noch viele Freiheiten"

"Den Bürgern bleiben dann immer noch viele Freiheiten. Es gibt auch relativ pflegeleichte, naturnahe Gartenalternativen, die man nicht so intensiv pflegen muss. Das kann schön fürs Auge sein und auch die Insekten erfreuen." Bei der Fachberatung im Landratsamt oder bei den örtlichen Gartenbauvereinen erhielten Bürger Ratschläge. Doch Forchheim müsse auch das globale Klima im Auge haben.

 

Nachhaltiger Klimaschutz bedeutet für Prechtel, das dafür mitverantwortliche Treibhausgas CO2 zu reduzieren. "Wir müssen größer denken." Von der Verkehrswende bis hin zur energetischen Gebäudesanierung. "Ein konkretes Umsteuern ist notwendig." Wäre der Klimawandel eine Krankheit, müsste die Stadt nicht nur die Symptome bekämpfen, sondern die Auslöser.

Ein Garten an der Wand

Am Dienstag kommt deshalb der Umweltausschuss des Stadtrates zusammen, um einen Behandlungsplan aufzustellen. Unter dem Titel "Klimaaufbruch in Forchheim" hat Prechtel sämtliche Klimaschutzideen zusammengefasst, die die Parteien in jüngster Zeit vorgeschlagen haben. Sie reichen vom Umbau des Stadtwaldes (CSU) bis hin zu einem Klimaschutzkonzept für die Stadt (Grüne, SPD) oder einem Klimaschutzmanager (SPD). Nahezu jede im Stadtrat vertretene Partei will 2021 Klimaschutzprojekte verwirklicht sehen. "Ich hoffe, dass wir parteiübergreifend auch Schritte gehen und große Schritte vorankommen", sagt Prechtel. Das Ideen-Konvolut könnte am Ende in dem geforderten Klimaschutzkonzept der Stadt festgeschrieben und umgesetzt werden.

Steingärten will Werner künftig für nur wenige Quadratmeter zulassen. "Aber ansonsten grün." Vorgaben will der CSU-Stadtrat auch für Gebäudefassaden erlassen. Auch das macht die neue Bayerische Bauordnung möglich. "Damit soll insbesondere der sommerlichen Hitzeentwicklung in Wohnquartieren entgegengewirkt werden", sagt Bauordnungsamtsleiter Stefan Kindler. "Begrünte Fassaden in der Stadt, können das Klima positiv beeinflussen", ist Bürgermeisterin Prechtel überzeugt. Und Preusch glaubt, dass sich damit das Klima im Gebäude positiv beeinflussen lasse. Das Grün kühle und produziere beim Verdunsten eine höhere Luftfeuchtigkeit. Eine natürliche Klimaanlage bei immer trockeneren und heißeren Sommern.

Muss oder kann es der Bürger alleine richten?

Doch kann der Bürger, die Bürgerin alleine das richten, was längst in Schieflage geraten ist? Die Parteien drängen bei den im Februar anstehenden Haushaltsberatungen darauf, dass die öffentliche Hand mit gutem Beispiel voran geht. Ihren Fuhrpark auf E-Antriebe umstellt, städtische Gebäude energetisch saniert. Und die Unternehmen? "Möglichst jeder muss seinen Beitrag abliefern", sagt Preusch. Der Kersbacher Stadtrat weiß, welche Kapriolen das vom Klimawandel beeinflusste Wetter schlagen kann. Das Jahrhunderthochwasser 2007 hat Kersbach in Teilen überschwemmt. Ein Regenrückhaltebecken soll bei zunehmenden Starkregenereignissen Hilfe bieten.

Preusch hebt den neuen High-Tech-Campus von Siemens Healthineers im Stadtsüden als Vorbild hervor. Dort werde "flächensparend gebaut". Mit der Produktion auf zwei und den Büroflächen auf drei Ebenen. "Das ist nicht üblich." Weil es dort aber an Platz mangelt, ist es anders aber auch kaum möglich.

Die Stadt unterstützt Bürger, die der Umwelt Gutes tun. Zum Beispiel, wenn sie Pflasterflächen aufgeben oder auflockern, damit der Regen in den Boden versickert statt auf die Straße zu schießen. Mit bis zu 1000 Euro bezuschusst die Stadt einen Rückbau.


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Der seit 2016 gültige Fachplan Wohnen untersucht künftige Baugebiete nach ihren Auswirkungen aufs Klima. Wie muss der Baukörper stehen, damit die Frischluftzufuhr nicht unterbunden wird? In neuen Baugebieten empfiehlt die Stadt Bauherren Photovoltaikanlagen oder Zisternen, um Sonne wie Regenwasser zu nutzen.

"Wir brauchen eine Offensive"

Geht es den Steingärten nun an die Kiesel? Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) hat angekündigt, eine Satzung erstellen zu lassen. "Wenn es der Wunsch des Stadtrates ist, bereiten wir das gerne vor", sagte er in der jüngsten Bauausschusssitzung.


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Ein Selbstläufer wird die Entscheidung dennoch nicht werden. Als das Steingarten-Verbot in einer Ausschusssitzung im September kurz Thema war, reagierten die Stadträte (noch) verhalten. Tino Reichardt (FDP) wollte "eher mit Anreizsystemen als mit Verboten" vorangehen und erhielt hierfür auch Unterstützung vom CSU-Fraktionsvorsitzenden Josua Flierl. FW-Chef Manfred Hümmer hingegen sagte damals: "Wir brauchen eine Art Offensive."

Es wird sich zeigen, ob sie ins Stocken gerät, oder ob tatsächlich der große Aufschlag für mehr Klima-, Umwelt- und Artenschutz folgt. Rotraud Krüger, Biologin im Stadtplanungsamt, sagte damals zum Thema Steingarten-Verbot zu den Stadträten: "Das könnte man angehen, wenn Sie Mut dazu haben."

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