Gunzenhausen: Die Hoffnung in der Hotel- und Gastrobranche schwindet

17.2.2021, 06:01 Uhr
Ein Bild mit Symbolcharakter. Die Gastwirtschaften befinden sich im Lockdown. Und wann sie da rauskommen (dürfen), kann niemand so genau sagen. Kein Wunder, dass die Stimmung bei ihnen im Keller ist.

Ein Bild mit Symbolcharakter. Die Gastwirtschaften befinden sich im Lockdown. Und wann sie da rauskommen (dürfen), kann niemand so genau sagen. Kein Wunder, dass die Stimmung bei ihnen im Keller ist. © Foto: Astrid Löffler/NGG

Es ist die Perspektive, die fehlt. Hätte man sie, dann wäre vieles leichter zu ertragen. Solche und ähnliche Aussagen sind derzeit vor allem aus der Gastronomie zu hören. Denn der immer noch andauernde Lockdown und die Unsicherheit, wie es weitergeht, machen den Besitzern von Gasthäusern und Hotels schwer zu schaffen.

Im vergangenen Jahr sei nach dem ersten Lockdown die Stimmung sehr positiv gewesen, erinnert sich Gerhard Müller vom Land-Gut-Hotel "Adlerbräu" in Gunzenhausen. Er ist Beirat im örtlichen Stadtmarketingverein für den Bereich Gastronomie. Seinerzeit seien die Gäste wiedergekommen, die Gastgeber seien zuversichtlich gewesen – und diese positive Sommersaison habe noch einige Zeit nachgewirkt.


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Doch die hoffnungsvolle Stimmung geht laut Müller immer mehr verloren. Der Hotelbetrieb bei ihm war zum Beispiel schon im Dezember "hart an der Grenze" gewesen und rechnete sich im Januar eigentlich gar nicht mehr. Auch im Restaurant werden unter der Woche vorwiegend die im Hotel untergebrachten Geschäftsreisenden verköstigt. Das wird vom Essen to go nicht im Geringsten aufgefangen. Deshalb werden Gerichte zum Mitnehmen auch nur angeboten, wenn wegen der Geschäftsleute sowieso die Küche besetzt ist. "Aber die Resonanz ist sehr gering."

Auch die Banken reden mit

Im vergangenen Jahr sei man noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen, sagt Gerhard Müller weiter. Da sei die staatliche November- und Dezemberhilfe schon sehr hilfreich gewesen. Ob die Gastronomie heuer noch einmal ein ähnliches Jahr durchstehen kann, weiß er allerdings nicht. "Ohne staatliche Hilfe wohl kaum", und es komme sicherlich auch darauf an, "ob die Banken mitspielen". Denn der Betrieb muss selbst dann aufrechterhalten werden, wenn keine Gäste da sind.

"Es gibt halt viele Fixkosten und Dauerverträge", mit Lieferanten, Wartungsfirmen, Personal, Energieversorgern, dem Telefonanbieter und und und. Freilich könnte man vielleicht einiges kündigen, "aber das ist eine ganz unsichere Situation". Und das Personal? Es sei sowieso schon schwer, gute Leute zu bekommen, so Müller. Er ist gespannt, wer bei ihm nach der langen Kurzarbeiterphase überhaupt noch übrigbleibt.


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Wie es jetzt weitergeht, weiß der Geschäftsführer nicht. Auf Werbemaßnahmen verzichtet er weitgehend, Feiern im Restaurant werden eh kaum nachgefragt. "Es wird derzeit einfach nichts geplant." Für das Hotel gibt es zwar "positiv gestimmte Gäste", die vorsichtshalber schon gebucht haben, doch das auch nur, weil Stornierungen sehr kulant behandelt würden.

"Von heute auf morgen ohne eigene Schuld zumachen zu müssen, ist schon eine harte Nummer", schildert Müller. Aber schlimm für ihn und seine Kollegen ist es auch, dass es weiterhin "keine erkennbare Perspektive" gibt, "keine Öffnungsstrategie" seitens der Regierung. "Diese Perspektivlosigkeit ist ein großes Problem. Wir schleppen uns von zwei Wochen zu zwei Wochen."

"Jetzt wird es eng"

Das bestätigt im Wesentlichen auch Berta Jäger vom "Jägerhof" in Absberg. Sie ist Kreisvorsitzende beim Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband Weißenburg-Gunzenhausen (DEHOGA). Die hiesigen Tourismusgebiete hätten im vergangenen Jahr die Situation noch "relativ gut" überstanden, sagt sie. Und der Winter sei sowieso eine eher ruhige Zeit.

Doch nun zu Fasching wäre es gut gewesen, zu wissen, ob man dabei ist, "denn jetzt wird es wirklich eng". Das betreffe vor allem die reinen Gastrobetriebe mit Blick auf das laufende Jahr: "Bei den planbaren Festen tut sich gar nichts." Die Anbieter von Hotel- und Gästezimmern dagegen bekämen schon immer wieder Anrufe und Nachfragen.

Nach der derzeitigen Stimmung unter den Kollegen gefragt, zögert Berta Jäger ein bisschen. Die Stimmung sei noch zuversichtlich, sagt sie dann, unter dem Motto "bis Ostern bleibt’s wohl noch so wie jetzt, doch dann wird es wieder losgehen". "Aber über Ostern hinaus – das wird man nicht durchhalten." Und damit meint sie nicht nur den geschäftlichen Aspekt: "Denn dann geht’s an die Moral."


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Es werde auch immer schwieriger, das Personal bei Laune zu halten, sagt sie. Das Kurzarbeitergeld sei eben nicht viel, und einschließlich März sind fünf Monate Laufzeit "einfach zu lang".

Diese derzeit immer noch herrschende Unsicherheit sei für die Gastronomie "sehr beklemmend", meint Berta Jäger und folgt damit den Aussagen von Gerhard Müller. Die Politik sollte ihrer Meinung nach eine Perspektive bieten: "Können wir Ostern aufmachen oder nicht?"

Hilfe nur bruchstückhaft

Ein Beispiel aus Gunzenhausen: Nicht nur beklemmt und perspektivlos, sondern richtig sauer ist Harald Gießbeck vom "Café am Wehrgang" in der Weißenburger Straße. "Die Gastronomie wird von der Politik nicht beachtet." Das ist seine eindeutige Meinung, und er macht das unter anderem an der staatlichen Hilfe fest. Diese sei zugesagt worden, doch nur ein Bruchteil wurde davon ausbezahlt, sagt er. Dafür musste er sich Sprüche anhören wie: "Du hast es gut, musst nicht arbeiten und kriegst Geld." Letztlich werde die Gastronomie nicht unterstützt.

Sie selbst hätten sich quasi am eigenen Schopf aus der Misere herausgezogen, so Gießbeck, indem sie auf die Burger- und to-go-Schiene aufgesprungen seien. Das "sichert das Überleben, aber nicht das Leben". Das sei in keinster Weise vergleichbar mit der normalen Situation.

Mit Blick auf die nahe Zukunft glaubt auch er eher an eine Öffnung nach Ostern mit den gleichen Auflagen wie zuvor. Sollten diese aber noch härter werden, dann stellt sich für ihn die Frage, ob er überhaupt noch aufmacht. Denn nach seiner Erfahrung haben sich "die Gäste an nichts gehalten. Das zehrt an den Nerven."

Für Harald Gießbeck ist klar: "Die dritte Welle ist die Pleitewelle in der Gastronomie."