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Dechsendorf: Spielzeugstübchen bekommt neuen Besitzer

Philipp Ahrend hat in seinem Leben beruflich schon viel gemacht. Jetzt wird er Geschäftsmann und übernimmt das "Spielzeugstübchen" in Dechsendorf. - 23.11.2020 06:00 Uhr

Philipp Ahrend ist Erzieher, Autor, Sprecher und noch einiges mehr. Bald wird er auch noch Ladenbesitzer. In seinem Haus in Röttenbach hat er sich ein kleines Tonstudio eingerichtet.

22.11.2020 © Foto: Jeanette Seitz


"Ich bin von Natur aus ein Spielkind", sagt Philipp Ahrend und lacht. Und wie es der Zufall wollte, lernte er die Inhaberin des "Spielzeugstübchens" just zu dem Zeitpunkt kennen, als sie aufhören wollte und einen Nachfolger suchte. Kein Problem für Philipp Ahrend, obwohl er bislang keine Ahnung von Geschäftsführung hat. Dafür aber genug Energie und Begeisterung. "Es ist schon ein Traum, selbstständig zu sein und so einen Laden zu haben", findet der 38-Jährige. Ohnehin hat er in seinem Leben nämlich immer konsequent seine Träume verfolgt.

"Viel ausprobiert"

Aufgewachsen ist Philipp Ahrend in Ostfriesland, besuchte eine freie christliche Schule und machte Mittlere Reife. "Dann habe ich überlegt, was ich will und viel ausprobiert." So absolvierte er eine Ausbildung zum Tischler, schnupperte in Physio-/Ergotherapie hinein, arbeitete als Hotelfachmann und Flugbegleiter und lernte Heilerziehungspfleger. Als gläubiger Christ ("Mein Vater war Orgelbauer, ich war von daheim theologisch geprägt") brachte er Jugendlichen in US-Camps die Bibel näher. "Doch ich wollte den Kindern mit fundiertem Wissen etwas beibringen und strebte deshalb eine theologische Ausbildung an", erinnert sich Philipp Ahrend.

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Schließlich landete er auf dem CVJM (Christlicher Verein junger Menschen)-Kolleg in Kassel, durchlief eine duale Ausbildung mit einem theologischen und einem sozialpädagogischen Abschluss und konnte sich ab da CVJM-Sekretär/Jugendreferent und staatlich geprüfter Erzieher nennen.

In der Folge arbeitete er in beiden Bereichen, so zum Beispiel eineinhalb Jahre als Jugendreferent beim CVJM Erlangen. "Und das war auch die Zeit, als ich 2015 mit meiner Familie nach Röttenbach gezogen bin", erzählt Ahrend. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Als Erzieher gearbeitet

Es folgten Arbeits-Stationen als Erzieher in Kindergärten, Krippen und Horten. Doch die Arbeit erfüllte ihn nicht. Da erinnerte sich Philipp Ahrend an seine Kolleg-Zeit, während der er einmal aus dem "Kleinen Prinzen" vorgelesen hatte und das Feedback bekam: "Dir kann man so gut zuhören, nimm doch mal ein Hörbuch auf". Hinzu kam, dass er Sprecher Christian Brückner (die Stimme von Robert De Niro) maßlos bewunderte.

Ausbildung zum Sprecher

Um das aber auf solide Füße zu stellen, absolvierte Philipp Ahrend zunächst per Abendschule eine Ausbildung zum Sprecher in Nürnberg und nahm dann Ralf Heimanns spaßigen Roman "Die tote Kuh kommt morgen rein" über die Erlebnisse eines Lokalreporters auf dem Land als Hörbuch auf.

Heute ist er zwar stolz darauf, sagt aber auch: "Das hatte ich mir anders vorgestellt, das war sehr harte Arbeit." Drei Tage hintereinander habe er jeweils acht Sunden am Stück gesprochen.

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Genug hatte er jedoch noch nicht. Sein nächster Traum: auf der Bühne stehen und ein Publikum unterhalten. Diesen Traum konnte er bei "Bücher, Medien & mehr" in Herzogenaurach verwirklichen. Unter dem Motto "Eine Stimme, viele Bücher" las er vor 20 Leuten aus verschiedenen Genres vor.

Nur folgerichtig, dass Philipp Ahrend schließlich auch ein eigenes Buch schrieb. Als er eine Weile nach Fürth zur Arbeit pendelte, hatte er während der 23 Minuten im Zug von Baiersdorf viel Zeit. "Da habe ich mir über alles Mögliche Gedanken gemacht – über Heimweh, Fernweh, Alkohol, Facebook, Lügen, Umarmungen, Frieden und vieles mehr." Und so sind die 52 kurzen Geschichten auch betitelt, die innerhalb eines halben Jahres entstanden sind und die Philipp Ahrend im Selbstverlag herausgebracht hat. "Zugluft – Gedanken eines Pendlers" ist im Buchhandel erhältlich.

"Komplettes Neuland"

Doch nun ist es Zeit für die Erfüllung eines neuen Traums. Philipp Ahrend wird Geschäftsführer. "Ich bin stolz darauf, dass ich diesen Schritt wage, habe aber auch großen Respekt vor der Herausforderung", gibt der 38-Jährige zu. "Das ist komplettes Neuland für mich, aber die Begeisterung dafür ist auf jeden Fall vorhanden." Und immerhin könne er sich beim "Spielzeugstübchen", das schon seit 25 Jahren existiert, "ins gemachte Nest setzen".

Es handelt sich um einen breit aufgestellten Spielwarenladen mit einem hochwertigen Angebot, das Ahrend noch mit hochwertigen Kinderbüchern ergänzen möchte. Vielleicht, so seine Überlegung, werde er in seinem eigenen Laden auch Lesungen veranstalten.

Und als wäre das noch nicht genug, hat er gerade eine blockweise Weiterbildung zum Wildnis- und Erlebnispädagogen angefangen. Und einen Titel für ein zweites Buch hat er auch schon im Kopf: "Erwachsensein ist mir ehrlich gesagt zu anstrengend".

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JEANETTE SEITZ

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