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Der 34. Heimatbote aus dem Reichen Ebrachgrund hat viel zu bieten - 29.12.2020 05:48 Uhr

Der aktuelle Heimatbote setzt sich auch mit dem Krieg auseinander.

28.12.2020 © Repro: Christian Enz


Wieder einmal ist dem Team um Chefredakteur Franz Kachler dennoch eine facettenreiche Publikation gelungen. Auf 248 Seiten wurde Kunstgeschichtliches, Philosophisches und Zeitgenössisches zusammengetragen – was den 34. Heimatboten nicht nur in Zeiten des Lockdowns zum willkommenen Zeitvertreib werden lässt.

Spannende Themen

Die Tage, an denen die Arbeit am Heimatboten bei Franz Kachler Kopfweh oder Zahnschmerzen auslöste, sind lange her. "Um die Jahrtausendwende hatte ich immer große Sorgen", erinnert sich der Schriftleiter. "Die Sorge, dass die Beiträge nicht ausreichen könnten, war berechtigt. Einmal musste ich sogar die Vereinssatzung abdrucken, um die Seiten zu füllen". Inzwischen hat Kachler Routine – und gute Zuarbeiter. "Alle 13 Autoren haben dieses Mal pünktlich abgegeben und spannende Themen eingebracht", berichtet Kachler.

Das Titelbild des aktuellen Heimatboten wird im dazugehörigen Text historisch eingeordnet.

28.12.2020 © Foto: Enz


Gleichzeitig bedauert er, dass die traditionelle Präsentation entfallen musste. Denn eigentlich trifft sich der Heimatverein Reicher Ebrachgrund seit 34 Jahren, um bei Glühwein und Spekulatius Themen vorzustellen. Eine sinnvolle Einrichtung, denn nicht jede heimatkundliche Arbeit wirkt auf den ersten Blick spektakulär.

Cover mit Kannibalen

Um auch dem diesjährigen Werk die gewünschte Aufmerksamkeit zu verschaffen, setzt Kachler auf ein besonders interessantes Cover: So zeigt die aktuelle Titelseite des Heimatboten mit persönlicher Genehmigung durch Gräfin Damiana von Schönborn keinen Geringeren als den Kannibalen von Weißenstein. Das ist eine dunkelhäutige Figur am unteren Ende des Treppenhaus-Freskos, schockierend plastisch dargestellt mit einem verzehrfertig aufgespießten weißen Bein über der Schulter. Eine Darstellung, die auch auf Kunsthistorikerin Angela Nusser immer wieder verstörend wirkt. Dennoch gelingt es der Pommersfeldenerin, das Fresko vor dem Hintergrund seiner Entstehung einzuordnen – als Zeugnis des damaligen völkerkundlichen Forschungsstandes.

Regionale Kriegsdenkmäler bewertet

Damit verfolgt Nusser in ihrer Arbeit eben jenes Verständnis von Heimatkunde, das Christian Enz in seinem Aufsatz "Helden in der Heimatkunde" einfordert. Auf 45 Seiten setzt sich der Höchstadter Autor vor dem Hintergrund der weltweiten Denkmal-Stürze mit der Bewertung regionaler Kriegerdenkmäler auseinander. Dabei spannt er, wie Chefredakteur Kachler berichtet, einen weiten Bogen und argumentiert auf dem Boden eines 18-seitigen Literaturverzeichnisses – um am Ende für eine erinnernde, nicht richtende Heimatkunde einzutreten.

Herausforderungen als Anregung für die Gegenwart

Anders als klassische historische Fachzeitschriften fokussiert sich der Heimatbote nicht allein auf die Vergangenheit. Vielmehr liefert er durch den Blick auf in der Vergangenheit bewältigte Herausforderungen Anregung für den Umgang mit aktuellen Krisen. Er greift aber auch das Vereinsleben und aktuelle Ereignisse auf und wird so selbst zu einem Zeitzeugnis. So dokumentiert der Vereinsvorsitzende Rudi Schmidt ausführlich und pointiert die Corona-Pandemie und deren Auswirkungen für die Region.

Song zu Corona getextet

Auch der Limbacher Literat Helmut Schleicher ist von der Pandemie inspiriert. Er greift das Motiv "Die Gedanken sind frei" auf und textet launig den Song "Corona-Viren sind frei" – um wenige Seiten später im Rahmen einer nachdenklichen Abhandlung Parallelen zwischen Covid und der 1950 im Reichen Ebrachgrund grassierenden Maul- und Klauen-Seuche zu ziehen.

Wanderung des Heimatvereins

Deutlich unterhaltsamer liest sich freilich die Wegbeschreibung "Vom Reichen Ebrachgrund in den Aischgrund". Sie stammt aus der Feder von Klaus Strienz und zeichnet die diesjährige, vom Fetzelhofener Gastwirt Hermann Popp geführte Wanderung des Heimatvereins nach. Eine sehr zur Freude Kachlers reich bebilderte Dokumentation, die auch Orte zeigt, an die sich selbst Einheimische nur selten verirren.

Ergänzend dazu berichtet Ingrid Geyer als Vereinschronistin gewohnt kurzweilig über das auch im Corona-Jahr rege Vereinsleben. Dieses könnte am 19. Februar 2021 seine Fortsetzung finden. Dann ist die nächste Jahreshauptversammlung in der Kulturscheune Mühlhausen geplant.

enz

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