Schnelle Hilfe aus Bayern

Landwirte aus Franken packen in den Flutgebieten mit an

20.7.2021, 13:44 Uhr
Heu aus dem Landkreis Forchheim wurde über Nacht nach Nordrhein-Westfalen gefahren, um den Flutopfern zu helfen.

Heu aus dem Landkreis Forchheim wurde über Nacht nach Nordrhein-Westfalen gefahren, um den Flutopfern zu helfen. © Markus Wolf

Eigentlich ist die Initiative "Land schafft Verbindung" für Trecker-Konvois bekannt, mit denen auf die schwierige Situation von Landwirten aufmerksam gemacht werden soll. Der Verein entstand 2019 im Internet als Gruppe auf Facebook und hat inzwischen zehntausende Mitglieder bundesweit, alleine im Freistaat haben sich geschätzt 20.000 bis 30.000 Landwirte zusammengefunden.

Doch in diesen Tagen geht es nicht um Protest gegen Politik und Bürokratie. Die Vernetzung über die Sozialen Netzwerke wurde sofort nach der verheerenden Flut in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz von den Landwirten genutzt, um den Betroffenen vor Ort zu helfen.

"Aktuell sind zehn bis 20 Maschinenführer aus Bayern dort", sagt Claus Hochrein. Aus ganz Deutschland sind wohl rund 200 Landwirte in das Katastrophengebiet gefahren. Hilfe kommt auch aus der Region.

Mit eigenem Gerät

Die Bauern sind mit ihren eigenen Schleppern, Hofladern und Baggern und zum Teil zusätzlich mit Wohnmobilen zur Übernachtung aufgebrochen, um dort schnell den von der Flut betroffenen Landwirten und Weinbauern zu helfen und schlicht und einfach mit aufzuräumen, sagt Hochrein, der in Eisenheim in der unterfränkischen Mainschleife 13 Hektar Reben und Angus-Rinder züchtet.

Im Moment organisiert er von Unterfranken aus vor allem Hilfe für die von der Flut betroffenen Winzerbetriebe, deren Fässer teils aus den Kellern auf die Straßen gespült wurden. Vor allem geht es aber auch darum, den dortigen Weinbauern mit kostenfrei zur Verfügung gestellten Geräten die Weiterarbeit in den Weinbergen zu ermöglichen, so Hochrein.

Gleichzeitig wurde bereits am Samstag ein erster Kontakt zu den Maschinenringen hergestellt, die sich inzwischen auch über eine Video-Konferenz zusammengeschaltet haben. Dort können nun von den Flutopfern dringend benötigte Geräte abgerufen werden.

Futterspenden und Einstreu

Zudem wird auch den Milch- und Schweinemastbetrieben mit Futterspenden und Einstreu für die Ställe geholfen, ebenso mit Notstromaggregaten, so Hochrein: "Ohne Strom läuft auch keine Melkmaschine. Das ist das, was wir machen können", sagt er. Inzwischen seien die Helfer vor Ort auch mit dem Technischen Hilfswerk (THW) und den Feuerwehren vor Ort vernetzt, um die Hilfe zu koordinieren. Das THW sorgte zwischenzeitlich auch dafür, dass den Landwirten der Diesel nicht ausgeht.

Wie lange der Einsatz dauern wird, weiß Hochrein nicht zu sagen. "Wir versuchen einen Wechselbetrieb aufzubauen", sagt er. "Solange Hilfe nötig ist, fahren wir dahin".

Unfassbares Leid

Das Leid der Menschen, die teilweise alles verloren haben, berühre jeden, erzählt Hochrein von den Gesprächen mit seinen Kollegen vor Ort. Der Anblick der Zerstörung, von totem Vieh und auch Leichen lasse niemanden kalt. In solchen Momenten "kann man nur noch funktionieren", doch die Bilder würden viele wohl nicht mehr loslassen.

Hochrein selber half beim Oderhochwasser von 1997. "Das kommt gerade alles wieder hoch."

Angriffe im Internet

Dennoch: "Wir wollen nicht als Helden dastehen", betont er. Kommentare im Internet, die unterstellen, die Initiative diene vor allem der Selbstdarstellung, machen ihn fassungslos.

Ebenfalls erschüttert Hochrein, dass aus seiner Sicht bislang viel zu wenig der mittlerweile über 160 Toten gedacht wird. Er würde sich wünschen, dass in Deutschland "mal die Fahnen auf Halbmast" gesetzt würden.

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