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Auktion: Inventar der Lederer Kulturbrauerei heute zu besichtigen

933 Posten - unter anderem Dampfmaschine und Krokodil - 04.08.2020 09:41 Uhr

Koloss zu verkaufen: Bei der Online-Auktionsplattform sind sie guter Dinge, auch für die Dampfmaschine einen Käufer zu finden.

07.06.2020 © restlos.com


Georg ist 109 Jahre alt, aber noch gut in Schuss. Die Schönheitskur vor ein paar Jahren hat gewirkt. Die Jahrzehnte, in denen Georg schwer geschuftet hat, sind ihm kaum anzusehen. Trotzdem wird Georg nun aussortiert.

Die bei MAN hergestellte Dampfmaschine aus der Lederer Kulturbrauerei kommt unter den Hammer. Genauso wie 932 andere Teile aus dem Wirtshaus-Inventar, die auf der Auktionsplattform restlos.com zum Verkauf stehen.

Markus Henne bereitet das Sorgen. Er ist sicher: Dampfmaschine Georg droht der Schrottplatz. Henne kennt sich auch mit solchen Maschinen. Er gehört zu den "Dampffreunden Nürnberg". Seit Mitte der Achtziger trifft sich der Stammtisch einmal im Monat in der Sportgaststätte in Laufamholz. Immer am letzten Freitag im Monat sitzen die 20 bis 30 Sammler und Modellbauer aus Nürnberg, Erlangen, Hersbruck oder Happburg zusammen — wenn Corona das nicht gerade verhindert.

Heute nur noch mit E-Motor

Die Freunde interessieren sich für alles, was mit Dampf betrieben wird. Zum Beispiel für Georg. Obwohl der seit 25 Jahren mit einem Elektromotor betrieben wird, weiß Markus Henne. "In Nürnberg", sagt der Fachmann, "war Georg nur noch als Rentner." Die 1911 in Augsburg gefertigte Maschine war davor in der Pfauen-Brauerei in Tuttlingen im Einsatz. Über 80 Jahre versorgte Georg die Brauerei im südlichen Teil von Baden-Württemberg mit Strom.

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Nur dass die Dampfmaschine damals nicht Georg hieß. Ihren Namen hat sie erst in Nürnberg bekommen, wo sie seit 1996 steht. Benannt ist sie nach Georg Lederer, einst Geschäftsführer der Brauerei. Denn seinem Einsatz ist es zu verdanken, dass Lederer-Bräu als erste Brauerei in Nürnberg mit Dampfkraft gearbeitet hat, nämlich schon ab 1851.

Licht, Sound und Nebelmaschine

Über 150 Jahre später aber benötigt die auf einem Betonsockel im Gastraum ausgestellte Dampfmaschine Georg den E-Motor, um in Gang zu kommen. 2010 hat der Wirt die Attraktion in der Lederer Kulturbrauerei überholen lassen, um sie "mit Licht, Sound und Nebelmaschine" zur Attraktion zu machen, erinnert sich Markus Henne, der die Vorstellung öfter erlebt hat.

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Auch mit der ist nun Schluss. Ende April vergangenen Jahres ist im Biergarten im Nürnberger Westen das letzte Bier verkauft worden. Viele haben sich danach um den Baumbestand auf dem Gelände gesorgt. "Das ist auch wichtig", findet Henne. Als er und die "Dampffreunde" vom Aus der Wirtschaft hörten, fragten sie sich aber zuerst: Was wird aus Georg?

Sie wurden sofort aktiv, "wir haben unsere Netzwerke mobilisiert". Denn feststeht: Für die riesige Dampfmaschine, die Henne auf fünf Tonnen schätzt, hat keiner der Stammtischfreunde Platz. "Obwohl einer von uns sogar eine Dampfwalze besitzt", aber auch der habe abgewunken. So wie viele Museen. "Die Depots sind überall voll."

Online-Auktionshaus ist optimistisch

Nun also kommt Georg unter den Hammer. "Aber wer findet den schon in einer Internet-Auktion?" Markus Henne ist skeptisch und rechnet eher damit, dass die Maschine beim Abriss des Lokals ganz einfach mit entsorgt wird. Fabian Altrichter will genau das verhindern. Seit zehn Jahren schon betreibt er die Online-Auktionsplattform restlos.com aus Nürnberg.

Wer möchte ein Stein-Krokodil ersteigern? Bei der Online-Auktion, die noch bis zum 27. August läuft, ist das möglich. 

07.06.2020 © restlos.com


Der 32-Jährige und seine Mitarbeiter sind Experten für Großprojekte. Gerade erst haben sie das komplette Inventar der Hauptverwaltung der GfK am Nordwestring versteigert. Für alle 1009 Artikel haben sich Abnehmer gefunden, vom höhenverstellbaren Hocker für 230 Euro bis zur Filzpinnwand für immerhin noch 23 Euro.

Altrichter wundert das Ergebnis nicht. "Wir haben Erfolgsquote von 98 Prozent", sagt er. Das Geschäft boomt. "Früher ist bei Büroauflösungen vieles auf dem Müll geladen, heute finden wir für fast alles einen Nutzer", freut sich Altrichter. "Der Kreislauf wird immer besser."

Doch wer kauft eine riesige Dampfmaschine? "Wir hatten schon größere Sachen, wie einen Brötchenbackautomaten." Der hat allerdings funktioniert. Aber: Sogar für einen sechs Meter hohen Findling, ähnlich wie Obelix’ Hinkelstein, haben sie einen Käufer gefunden — für 2000 Euro.

Deko-Fässer und Stein-Krokodile

Beim Ausverkauf der Lederer Kulturbrauerei, die seit dem 27. Juli online läuft, werden viele teils kuriose Posten versteigert, wie Deko-Fässer, Lederer-Schilder oder steinerne Krokodile. Und mittendrin: Georg. Dass eine solche Maschine nicht ohne weiteres einen Abnehmer findet, weiß Auktionsprofi Fabian Altrichter. Er nimmt die Herausforderung dennoch an und leistet mit seinem Team Vorarbeit.

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"Wir haben inzwischen ein großes Netzwerk, zu dem auch viele Museen, Sammler und Dampfmaschinenfreunde in ganz Europa gehören, die für so etwas in Frage kommen", erklärt er. Die sind längst über die Auktion informiert. Und auch um einen fränkische Firma, die den Ausbau der riesigen Maschine übernimmt, haben sich Altrichters Mitarbeiter bereits gekümmert. Gut eine Woche nach dem Start der Auktion gibt es für Georg bislang noch keine Gebote. Und das, obwohl der Startpreis bei nur 240 Euro angesetzt ist.

Vielleicht findet sich bei einem der Besichtigungstermine ein Interessent? Am Dienstag, 4. August, von 15 bis 17 Uhr öffnen sich in der Sielstraße 12 die Türen für Besucher, die sich vorab angemeldet haben, um das Inventar der Kulturbrauerei unter die Lupe zu nehmen.

Weiterer Besichtigungstermin am 15. August

Wer sich bislang nicht angemeldet hat, ist für diesen Termin leider zu spät dran. Doch in der kommenden Woche gibt es erneut die Möglichkeit: Bis Mittwoch, 12. August, um 10 Uhr müssen sich Besucher per E-Mail an info@restlos.com anmelden, dann können sie am Samstag, 15. August, von 11 bis 13 Uhr einen Blick auf die Kuriositäten und Schätze der Lederer Kulturbrauerei werfen, bevor sie bei der Online-Auktion zuschlagen. Die läuft noch bis zum 27. August.

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Bier aus Franken ist deutschlandweit für seine hervorragende Qualität bekannt. Dabei wissen nur wenige, was für eine reichhaltige Historie der Gerstensaft aus Nürnberg vorzuweisen hat.


Markus Henne von den "Dampffreunden Nürnberg" bleibt skeptisch. Er befürchtet, dass die Kosten, so eine Maschine an einen anderen Ort zu transportieren, abschrecken. Er rechnet mit einem fünfstelligen Betrag.

Die Hoffnung aber gibt er nicht auf. "Vielleicht gibt es eine andere Brauerei oder einen Energieversorger, der sich so eine Maschine ins Foyer stellen will." Die "Dampffreunde" hören sich weiter um, damit Georg nicht sang- und klanglos untergeht. Und falls doch? "Dann haben Sie immerhin einen Nachruf geschrieben."

Der Artikel wurde am 4. August um 9.41 Uhr aktualisiert.

Bier aus Franken gesucht: Quizrunde Nr. 1

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© Achim Bergmann

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Frage 1/10:

Silberner Brauerstern auf Hellblau. Wer ist's?

Die Brauerei Wagner aus Merkendorf, erstmals erwähnt 1797. Rund um Bamberg wird das Wagner sehr geschätzt, besonders das ungespundete Lager und das naturtrübe Kellerbier.

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Frage 2/10:

Diese Kirchtürme deckeln welches Bier?

Brauerei Trunk aus Vierzehnheiligen/Bad Staffelstein, der gute Stoff wird auch Nothelfer genannt. Nothelfer? Die Erklärung ist einleuchtend: Seit 1803 wird das Bier oberhalb der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen gebraut. Und wenn die erschöpften Pilger seit jeher oberhalb des Gotteshauses aus dem nahen Wald kommen, stärken sich nicht wenige erst mal mit einem kühlen Bier, bevor sie dann die Kirche betreten.

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Frage 3/10:

Nicht verkehrt, mit Schild und Schwert.

Seit über 300 Jahren in Familienbesitz zählt Held aus Oberailsfeld schon zu den bekannteren Privatbrauereien in der Region. Besonders das Helle ist beliebt. Seit 1680 wird hier schon gebraut.

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Frage 4/10:

Hier springt der Hirsch - auf welche Brauerei?

1845 übernahm der Müllerssohn Johannes Kraus das damalige "Wirtschaftsguth" in Hirschaid - und seither ist die Brauereigaststätte ohne Unterbrechung im Besitz der Familie.

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Frage 5/10:

Ein grüner Baum, wo steht der?

"Zum Grünen Baum" heißt der Brauereigasthof der Familie Bayer aus Theinheim im Steigerwald. Gefeiert wird hier oft, unlängst erst ein runder Geburtstag: Seit 1718 wird hier schon gebraut.

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Frage 6/10:

Ein bunter Vogel - auf welchem Bier sitzt er?

"Zum Pfau!", heißt es öfter, wenn es nach Frauendorf geht. Seit 1867 ist die Familie Hetzel Herr über die dort ansässige Brauerei.

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Frage 7/10:

Der Zwerg vom Berg, wo braut er sein Bier?

Der markante Zwerg stammt von der Staffelberg-Bräu aus Loffeld. In der sechsten Generation, seit 1856, führt die Familie Geldner-Wehrfritz dort die Brauerei. Zehn Jahre später, 1866, ließ Jakob Geldner ein eigenes Brauhaus folgen, nochmals zehn Jahre später dann eine eigene Faßhalle.

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Frage 8/10:

Raubtier mit Schild und Krone. Wer ist's?

In Untersiemau/Birkach wird seit 1822 das "Eller" gebraut. Als beliebtestes gilt das Rotbier, Christian Eller braut aber auch ein süffiges Pils.

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Frage 9/10:

Schwarzer Adler, wer hat sich den gekrallt?

Adler-Bräu aus Stettfeld ist inmitten der unterfränkischen Haßberge daheim - und das schon seit 1730. Bräustübla, Biergarten, Sudhaus und sogar einen "Bärentrunk" gibt's hier.

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Frage 10/10:

Weißer Löwe - wo kommt der her?

Hier sind Wirths-Leute am Werk! Die nun schon 9. und 10. Generation der Familie Wirth führt das Löwenbräu. Natürlich nicht zu verwechseln mit dem Münchner! "Unser" Löwenbräu stammt aus Neuhaus im Aischgrund und das schon seit 1747. Im Sortiment gibt es hier mehrere Löwen und sogar eine "Karpfen Weisse".

© Montage: Sabine Schmid

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