Bildung, Natur, Inklusion: Darum wollen Frauen in den Stadtrat

8.3.2020, 14:04 Uhr
Nachdem auch die CSU jeden zweiten Listenplatz mit einer Kandidatin besetzt hat, was bei Grünen und der SPD schon länger der Fall ist, dürften Frauen auch im neuen Stadtrat gut vertreten sein.

Nachdem auch die CSU jeden zweiten Listenplatz mit einer Kandidatin besetzt hat, was bei Grünen und der SPD schon länger der Fall ist, dürften Frauen auch im neuen Stadtrat gut vertreten sein. © Weigert

Nachdem auch die CSU jeden zweiten Listenplatz mit einer Kandidatin besetzt hat, was bei Grünen und der SPD schon länger der Fall ist, dürften Frauen auch im neuen Stadtrat gut vertreten sein.

"Wir brauchen mehr gebundene Ganztagsschulen, denn die jungen Frauen und Mütter wollen nicht zu Hause bleiben, sondern arbeiten", findet Gerlinde Mathes von der CSU. © Foto: privat

Gerlinde Mathes will zum ersten Mal für die CSU in den Stadtrat. "Ich habe ein kommunalpolitisches Gen und möchte deshalb etwas zum Wohl der Kommune beitragen.

Das habe ich von meinem Vater", erzählt die 53-jährige Angestellte, die am Klinikum Patientenfürsprecherin ist. Mathes will sich vor allem im Schul- und Bildungsbereich engagieren.

"Wir brauchen mehr gebundene Ganztagsschulen, denn die jungen Frauen und Mütter wollen nicht zu Hause bleiben, sondern arbeiten." Das sei auch eine Frage der Rente. Mathes will deshalb das städtische Betreuungsangebot durch Betriebskindergärten erweitern. Ihre beiden Kinder sind inzwischen erwachsen.

Bei der Besetzung von Stellen sieht Mathes keinen Mann-Frau-Gegensatz mehr. "Es geht doch um Kompetenz und nicht um Geschlechter." Wenn es nach der Wahl für eine CSU–Mehrheit nicht reicht, dann kann sie sich eine Schwarz-Rote Zusammenarbeit wie in den vergangenen Jahren gut vorstellen.

"Wir werden den Wählerwillen so umsetzen wie er ist. Da habe ich keine Bauchschmerzen." Mathes hat auf der CSU-Liste den aussichtsreichen Platz 22.


Frauen arbeiten oft in schlechter bezahlten Berufen


Neuorganisation des Hauptmarkts

"Man kann Dinge voranbringen, die für die Gesellschaft wichtig sind", sagt Christine Kayser von der SPD. © Foto: Ludwig Olah

Die Innenarchitektin Christine Kayser ist schon seit 2008 für die SPD im Stadtrat. "Für mich ist es ganz wichtig, dass man sich für die eigene Stadt engagiert. Man kann Dinge voranbringen, die für die Gesellschaft wichtig sind", sagt Kayser.

Ein Ehrenamt sei neben Familie und Beruf eine ganz wichtige Erfahrung. "Es gibt einem Freiräume, die man im Beruf nicht hat, und es erweitert das politische Verständnis." Die 61-Jährige hat viele Projekte in der Innenstadt angeschoben.

Neben der Öffnung der Innenstadt zur Pegnitz hin, hat sie sich auch um die Neuorganisation des Hauptmarkts und um die Aufwertung kleiner Grünflächen verdient gemacht. "Wir haben es geschafft, dass Kommunen in der Region über einen Verein sich zusammen um Öko-Ausgleichsflächen kümmern.

Das bringt mehr Qualität und verhindert kommerzielle Geschäfte mit Grundstücken." Für Kayser gibt es noch einen Mann-Frau-Gegensatz in der Politik: "Männer denken strategisch, Frauen vom Inhalt her. Trotzdem macht Politik Spaß."

Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention

Andrea Friedel von den Grünen sagt:

Andrea Friedel von den Grünen sagt: "Es ist eine Herzensangelegenheit von mir, Nürnberg als Vorbild für eine inklusive Stadtgesellschaft zu gestalten, an der alle teilhaben können." © Foto: privat

Andrea Friedel ist Listenplatzführerin bei den Grünen. Die 54-jährige Hebamme hat vier Kinder, davon sind zwei schon erwachsen. Ihr Beruf erfordert viel Flexibilität, "denn Babys halten sich nicht an Termine". Friedel hat schon eine Stadtratsperiode hinter sich und arbeitet deutlich mehr als 40 Stunden.

Trotzdem möchte sie als Stadträtin weitermachen, weil sie die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention weiter vorantreiben will. "Es ist eine Herzensangelegenheit von mir, Nürnberg als Vorbild für eine inklusive Stadtgesellschaft zu gestalten, an der alle teilhaben können."

Das reicht von der Sprache über Gebärdendolmetscher bis hin zur Inklusion in den Schulen. "Es gibt einen Aktionsplan, aber es ist noch jede Menge zu tun." Für die Wahl am 15. März wünscht sie sich, "dass an den Grünen kein Weg vorbeigeht".

"Die Innenstadt muss mit dem Auto erreichbar bleiben und der Sonntagseinkauf soll weiter möglich sein", sagt Birgit Wegner von der FDP. © Foto: privat

Birgit Wegner, Platz zwei der FDP-Liste, will sich für die Belange der Stadt einsetzen. "Ich möchte zwischen den Bürgern und der Stadt vermitteln. Der Kontakt zwischen beiden ist etwas verloren gegangen."

Die 42-jährige Prokuristin einer Kaffee-Kette sieht sich als Vertreterin des Mittelstands und will sich deshalb für die Entbürokratisierung einsetzen. Auch müssen die Unternehmen gleich behandelt werden, was sie etwa bei der Bestuhlung in der Innenstadt vermisst.


Kommentar: Frauen müssen ihr Schicksal immer noch selbst bestimmen


"Die Innenstadt muss mit dem Auto erreichbar bleiben und der Sonntagseinkauf soll weiter möglich sein", sagt Wegner. Sie kann sich bis zu vier Sonntage, an denen die Geschäfte geöffnet haben, vorstellen.

Damit mehr Frauen sich für Politik interessieren, möchte sie im Rathaus Kinderbetreuung anbieten. "Die FDP kann der Königsmacher werden", hofft Wegner auf ein gutes Ergebnis bei der Stadtratswahl.

Auf der Liste der guten steht Alexandra Thiele:

Auf der Liste der guten steht Alexandra Thiele: "Ich möchte, dass die Stadt gegen Kinder- und Jugendarmut vorgeht." © Foto: privat

Alexandra Thiele ist die Spitzenkandidatin der Guten. Die Berufsberaterin, die auch über ein Diplom für kreativen Tanz verfügt, ist vielfältig politisch engagiert. "Mein Vater, der geläutert aus dem Zweiten Weltkrieg zurück kam, hat mir Zivilcourage und Antifaschismus beigebracht."

Die 51-Jährige hat beim Verein Xenos lange Zeit Schulungen zu Antirassismus durchgeführt. "Ich möchte, dass die Stadt gegen Kinder- und Jugendarmut vorgeht."

Im Stadtrat will sie sich dafür einsetzen, dass die "Stadt schöner und kuschliger wird" – mehr Bänke, weniger Versiegelung des öffentlichen Raums. Bei den Guten ist sie gelandet, weil sich dort sehr viele Individualisten engagieren und der Humor nicht zu kurz kommt.