Donnerstag, 01.10.2020

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Kinder psychisch kranker Eltern: Wie "Systemsprenger" alle herausfordern

In Nürnberg fehlen Hilfsangebote - eine hohe Dunkelziffer wird vermutet - 06.08.2020 05:57 Uhr

Die sogenannten "Systemsprenger" fordern Sozialdienste und Schulen in Nürnberg extrem heraus, sagte der stellvertretende Jugendamtsleiter Frank Schmidt im Jugendhilfeausschuss.

Wenn Kinder mit psychisch kranken Eltern aufwachsen, sei für sie das Risiko hoch, ebenfalls psychisch labil zu werden. "Das Thema kommt in der Fachwelt zunehmend an die Oberfläche, es gibt aber eine große Dunkelziffer", erklärte Schmidt dem Ausschuss, in dem viele neue Mitglieder sitzen. Die Stadt müsse sich deshalb, zusammen mit Netzwerkpartnern wie Kitas und Schulen, dem Thema stärker widmen.


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"Systemsprenger" sei zwar ein unglücklicher Begriff, doch tatsächlich gebe es in Nürnberg geschätzt fünf bis zehn Mädchen und Jungen, die durch ihr Verhalten sich und andere gefährden und die weder von Schulen noch von Hilfen des Jugendamts erreicht werden. Schmidt berichtete vom Fall eines Zweitklässlers, der so wild im Klassenzimmer mit Stühlen um sich warf, dass die Lehrerin die übrigen Schüler in Sicherheit bringen musste. "Für diese Kinder haben wir einen extremen Mangel an Angeboten und müssen uns da unbedingt weiterentwickeln."

"Ein blinder Fleck"

Die Personalsituation im ASD sei nicht alarmierend, aber angespannt, so Schmidt. Was eng mit dem erheblichen Zuwachs der Bevölkerung und damit auch der Kinder in Nürnberg zusammenhänge. Dringende Fälle würden erledigt, "aber es bleibt auch etwas liegen". Schmidt ist es wichtig, Kinder aus schwierigen Verhältnissen zu erreichen, bevor etwas passiert. "Da haben wir einen blinden Fleck, der uns umtreibt."


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Laut Vorlage für den Jugendhilfeausschuss steigt die Zahl der Hilfen für junge Kinder weiter an. 2019 nahmen vor allem die Hilfen für kleine Kinder und deren Familien in Form von Vollzeitpflege und sozialpädagogischer Familienhilfe deutlich zu.

Die Zahl erzieherischer Hilfen ist von 2018 auf 2019 um fünf Prozent gestiegen. Die Zahl der Mitteilungen über eine mögliche Kindeswohlgefährdung ist 2019 jedoch im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent gesunken.


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Bei 24 Prozent der Kinder und Jugendlichen musste der ASD sofort eingreifen. 55 junge Menschen wurden umgehend aus ihrem familiären Umfeld genommen. Die Zahl der jungen Menschen, die in Obhut genommenen wurden, erhöhte sich um 50 auf insgesamt 364 Kinder und Jugendliche.

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