Badeunfall in Nürnberg

Mädchen ging unter: Augenzeugen warnen vor gefährlicher Stelle am Wöhrder See

21.6.2021, 15:04 Uhr
Die Norikusbucht am Wöhrder See ist ein beliebtes Naherholungsziel - im Gegensatz zum Rest des Gewässers ist hier das Baden erlaubt.

Die Norikusbucht am Wöhrder See ist ein beliebtes Naherholungsziel - im Gegensatz zum Rest des Gewässers ist hier das Baden erlaubt. © Clemens Helldörfer

Über 30 Grad Hitze, strahlender Sonnenschein: Zahlreiche Nürnbergerinnen und Nürnberger suchten am Freitag Abkühlung an der Norikusbucht im Nürnberger Osten. Gegen 18 Uhr bemerkten Badegäste, dass ein Mädchen offenbar den Halt verloren hatte und unterging. Mehrere Menschen tauchten nach der Zehnjährigen, die im trüben Wasser aber nicht mehr zu finden war.


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Auch die Polizei, die von Passanten alarmiert worden war, beteiligte sich an der Suche. Ein Polizist stürzte sich in die Fluten und bekam das Mädchen tatsächlich zu fassen. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits mehrere Minuten unter Wasser gewesen.

Zustand stabil

Wie berichtet, leisteten Polizisten und Badegäste Erste Hilfe und reanimierten die Zehnjährige noch am Ufer. Ein Rettungswagen brachte die Schülerin zur weiteren Versorgung in die Cnopf'sche Kinderklinik. Laut einer Polizeisprecherin war der Zustand des Kindes am Wochenende stabil. Sie stehe aber noch unter ärztlicher Beobachtung.

Unterdessen hat sich die Mutter per Mail in der Redaktion gemeldet, die einen Notruf bei dem Badeunfall abgesetzt hat und geholfen hat, das Mädchen im Wasser zu suchen. Sie habe mitbekommen, dass nicht nur der Polizist, sondern auch ein Badegast mit seinen Füßen das Mädchen aufspüren konnte.

Gefahrenstelle kennzeichnen

Die Augenzeugin appelliert an die Verantwortlichen, die Gefahrenstelle deutlich zu kennzeichnen. "Die Stelle grenzt direkt an den Wasserspielplatz und lässt zunächst einen sanften Einstieg vermuten. Der Bereich zum Wöhrder See ist abgetrennt. Die große Treppen, die zum Verweilen einladen, vermitteln zu dem einen harmlosen Eindruck. Ich, als Mutter, war dieses Mal zum ersten Mal an dieser Stelle im Wasser. Ich war schockiert wie schnell es unvermittelt tief und bodenlos wird. Ich würde mir wünschen, dass diese Gefahr vermittelt wird", schreibt die Frau.

Sie meint, dass viele Besucher, die normalerweise am sicheren Bereich des Wasserspielplatzes geplanscht hätten, an diesem heißen Tag ins vermeintlich flache Wasser ausgewichen sind. Der Grund: Die Pumpen am Wasserspielplatz sind defekt und der Platz dadurch trocken. "Bitte reagiert auf diesen Unfall und kommuniziert die Gefahr beziehungsweise auch die abrupte Tiefe in diesem Bereich, so dass sich dieses Schicksal nicht wiederholt", so die Mutter.

Bereits vor einem Jahr starb ein 17-Jähriger nach einem Badeunfall an der Norikusbucht. Das Wasserwirtschaftsamt aber auch die Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hält den Badebereich in diesem Bereich des Sees dennoch für ungefährlich. Die DLRG befürwortet aber generell eine Badeaufsicht.

Die rechtliche Pflicht, einen Aufsichtsdienst zu stellen, sah die Stadt im vergangenen Jahr nicht. "Das wurde diskutiert", sagte Robert Pollack vom Ordnungsamt damals gegenüber der Lokalredaktion, "das wurde aber nicht als rechtlich erforderlich angesehen." Anders sei das in Frei- oder Naturbädern wie dem Langseebad im Osten der Stadt. "Dort wird eine Badeaufsicht eingesetzt", so Pollack.

Es gibt in Bayern keine verbindliche Vorschrift, die regelt, wann ein Seeabschnitt wie die Norikusbucht überwacht werden muss und wann nicht. Lediglich die sogenannte Verkehrssicherungspflicht greift.


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