Zugang nur mit App

"Parkhaus der Zukunft": Millionen-Objekt jetzt für alle Autofahrer geöffnet

30.7.2021, 10:12 Uhr
Elisabeth Mathes, Verantwortliche für die Bauausführung, mit N-Ergie-Vorstand Josef Hasler und Hausarchitekt Jochen Stein am Eingang zu dem neuen Parkhaus mit der markanten Lamellen-Fassade. Links der historische Werkszaun, der unter Denkmalschutz steht.

Elisabeth Mathes, Verantwortliche für die Bauausführung, mit N-Ergie-Vorstand Josef Hasler und Hausarchitekt Jochen Stein am Eingang zu dem neuen Parkhaus mit der markanten Lamellen-Fassade. Links der historische Werkszaun, der unter Denkmalschutz steht. © NNZ

Der Strom kommt vom Dach - aber die Photovoltaik-Anlage deckt natürlich nur einen Teil des Energiebedarfs, wenn im nagelneuen Parkhaus der N-Ergie in Sandreuth viele Elektrowagen gleichzeitig aufgetankt werden. Aber das Kraftwerk ist ja nur ein paar Schritte entfernt - und liefert allemal genug "Saft".

Ohne App geht gar nichts. Das gehört sich wohl auch so, wenn es um nicht weniger als das "Parkhaus der Zukunft" geht. Das hat die Nürnberger N-Ergie für rund acht Millonen Euro innerhalb eines Jahres auf ihrem Werksgelände an der Sandreuthstraße hochgezogen. Es fällt vor allem durch seine Fassade aus wellenartigen Lamellen ("Streckmetall") auf - dabei wird es sich an zwei Seiten dank Kletterpflanzen nach und nach in immer mehr Grün hüllen.

Kamera erfasst Kennzeichen

Die Anlage steht aber nicht nur Mitarbeitern, sondern allen Autofahrern offen. Freilich öffnet sich, wie erwähnt, die Schranke nur Nutzern, die sich zuvor die erforderliche App auf ihr Handy geladen und damit registriert haben. Bei der Einfahrt erfasst eine Kamera das Kennzeichen, eine elektronische Anzeigetafel weist dem Nutzer einen genauen Stellplatz zu.

Zukunftsweisend sind aber vor allem zwei weitere Aspekte: Von den 338 Stellplätzen auf 14 Halbgeschossen sind 128 mit Ladepunkten für Elektroautos ausgestattet. Vor Regen geschützt, können auch Fahrräder abgestellt werden - und E-Bikes bei Bedarf aufgeladen. Dafür wurden 20 Ladepunkte sowie fünf für E-Scooter geschaffen. Das "Betanken" der E-Bikes ist kostenfrei, bei den Autos kommt es auf den vom Fahrzeugbesitzer gewählten Ladestromanbieter an - mehr als 30 werden von den Lesegeräten an den Ladestationen erkannt.

Was eine richtige App ist, bringt freilich noch weitere Vorteile: Die "AppStellen" - kostenlos verfügbar im App Store oder Google Play Store - zeigt nämlich stets auch die Zahl noch verfügbarer Plätze an und bietet die Möglichkeit einer Reservierung. Und weil sie sich das Buchungsverhalten "merkt", schlägt sie beim nächsten Mal die bevorzugte Zeit wieder vor.

Externe Nutzer, die also nicht zu den N-Ergie-Beschäftigten gehören, zahlen zwischen 17 und 7 Uhr morgens 50 Cent pro Stunde, insgesamt maximal drei Euro. Tagsüber ist ein Euro pro Stunde fällig. "Das ist alles in allem nicht teurer als eine Garagenmiete", wirbt N-Ergie-Vorstand Josef Hasler. Angesichts knapper Parkplätze am Straßenrand könnte das vor allem für Bewohner in der Nachbarschaft interessant sein. Als "Quartiersparkhaus" kann und soll es denn auch Schule machen - ein Thema, das Bürger zuletzt zum Beispiel rund um den Bielingplatz beschäftigt hatte.

Verbindung mit Luftmessstationen

Damit nicht genug: Im Verbund mit zunächst sieben weiteren Parkräumen soll das Haus an der Sandreuthstraße auch zur Innenstadt beitragen - vor allem wenn dort buchstäblich dicke Luft herrscht. Denn das Parkraummanagement ist mit den Luftmessstationen verbunden. Wird die Schadstoffbelastung im Zentrum zu hoch, sollen in den teilnehmenden Parkhäusern die Tarife gesenkt werden, um einen Anreiz zum Parken außerhalb der City zu schaffen. Aber auch unabhängig davon eignet sich das Haus an der Sandreuthstraße als Park-and-Ride-Anlage; der Linienbus hält gleich nebenan. Und VAG-Leihräder stehen auch parat.

"Das ist zukunftsweisend", lobte Nürnbergs OB Marcus König bei der offiziellen Inbetriebnahme - und freute sich ganz persönlich: "Das ist das erste Projekt in meiner Amtszeit, das ich von der Grundsteinlegung bis zur Einweihung begleiten durfte."

Apropos Park-and-Ride: Sowohl im Parkhaus Herrnhütte wie auf dem Parkplatz Am Wegfeld sollen noch in diesem Jahr weitere Ladepunkte für E-Autos eingerichtet werden, ebenso im neu zu errichtenden Parkhaus in Röthenbach, das allerdings nicht von der N-Ergie betrieben wird. Noch in diesem Jahr soll die Zahl der Ladepunkte im Stadtgebiet auf mehr als 100 gesteigert werden. Zum Jahreswechsel waren in Nürnberg rund 1800 reine Elektrofahrzeuge zugelassen.

Solarmodele ließen auf sich warten

Den Zeitplan der Bauleute beinahe gesprengt hätte übrigens die Blockade des Suez-Kanals durch einen Riesenfrachter vor ein paar Monaten. Denn eines der Schiffe, die das Nadelöhr lange nicht passieren konnten, hatte auch die Photovoltaik-Paneele für das Parkhaus-Dach an Bord. Die Anlage mit 100 kW (peak) konnte aber doch noch rechtzeitig montiert und angeschlossen werden - dazu ein Akku mit einer Leistung von 112 kWh.

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