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Trump verliert die republikanische Hochburg Arizona

Es gibt drei Gründe für das enge Rennen in dem Bundesstaat im Südwesten - 29.10.2020 11:17 Uhr

Am Mittwoch sprach Trump vor Anhängern in Phoenix (Arizona), doch auch in dem Bundesstaat im Südwesten der USA wird es für den Republikaner eng.

29.10.2020 © BRENDAN SMIALOWSKI, AFP


Seit 1952 wurde kein Kandidat der Demokraten bei Präsidentschafswahlen gewählt, mit Ausnahme 1996, als Bill Clinton den “Grand Canyon State” gewann. Damals gelang Clinton dies, weil der Präsidentschaftskandidat Ross Perot dem Republikaner Bob Dole dort wichtige Stimmen abluchste.

Eigentlich wollten wir uns am Mittwochnachmittag für ein Interview treffen, doch dann rief Ron Hansen an und meinte, er müsse absagen, denn Donald Trump und Kamala Harris kämen nach Phoenix und er müsse über die Veranstaltungen berichten. Also verlegten wir unser Treffen auf den Abend zuvor. Doch als ich gerade einparken wollte, kam erneut ein Anruf von Ron, in der Klasse seiner Tochter sei ein Mitschülerin positiv auf Corona getestet worden, er sei deshalb nun in Selbstisolierung daheim und müsse leider absagen. Das ist Journalistenalltag in diesem Wahlkampf.

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Wir kamen also per FaceTime zusammen. Arizona sei mal Trump-Country gewesen, vor allem eine republikanische Hochburg. Aber nun sei alles unklar. Der Präsident könnte Arizona zwar noch gewinnen, aber allein diese Frage sei schon bemerkenswert, meinte Hansen.


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Arizona habe sich verändert. Das liege, so Ron Hansen, an gleich mehreren Gründen. Zum einen seien in den letzten Jahren viele eher Liberale aus Kalifornien und anderen Bundesstaaten hierher gezogen. Zum anderen haben vor ein paar Jahren junge Latinos und Latinas damit angefangen sich politisch zu organisieren. Ihr Ziel war es, den umstrittenen Sheriff Joe Arpaio aus dem Amt zu wählen, der gezielt das “Racial Profiling”, also Polizeikontrollen aufgrund der Hautfarbe durchführte. Und sie hatten Erfolg. Danach schafften sie es auch die demokratische Senatorin Kyrsten Sinema ins Amt zu hieven, Arizona hatte damit zum ersten Mal seit 30 Jahren wieder eine Demokratin im US Senat.

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Und dann ist da auch noch Donald Trump selbst, der immer wieder gegen zwei beliebte Politiker in Arizona wetterte. Mitt Romney, der zwar aus Utah kommt, der aber Mitglied der Mormonen ist, einer Glaubensgemeinschaft, die in Arizona weit verbreitet ist. Und dann natürlich die ständigen Seitenhiebe gegen John McCain. Zu Lebzeiten und auch nach dessen Tod. McCains Witwe unterstützt im Wahlkampf – nicht überraschend – Joe Biden.


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Drei Gründe für das enge Rennen in Arizona. Joe Biden macht sich also durchaus große Hoffnungen die 11 Wahlstimmen des “Electoral College” in Arizona gewinnen zu können, das hätte fatale Folgen für Donald Trump, der den “Grand Canyon State” unbedingt gewinnen muss.

Deshalb ist die große Frage, die Ron Hansen und seine Kollegen in Arizona derzeit beschäftigt, was kommt nach Donald Trump? Werden die abtrünnigen republikanischen Wähler wieder auf den Parteikurs einschwenken oder wird Arizona zu einem Staat der Demokraten. Das hänge sicherlich auch davon ab, wie Joe Biden im Falle eines Wahlsieges regieren würde, so Hansen. Was für den politischen Reporter der “Arizona Republic” auch wichtig erscheint ist, wie sich in den kommenden Jahren die 30-35 Prozent unabhängiger Wähler iin Arizona entscheiden werden. Sie, da ist er sich sicher, werden in Zukunft mit ihrem Mittelweg noch mehr die politische Zukunft des Bundesstaates mitbestimmen.

Arndt Peltner

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