Verband für Fußball-Historiker in Nürnberg gegründet

1.3.2017, 09:00 Uhr
Mann vom Fach: Andreas Tschorn ist Sportökonom und Fußball-Historiker.

Mann vom Fach: Andreas Tschorn ist Sportökonom und Fußball-Historiker. © Edgar Pfrogner

2000 Fußballbücher hat Andreas Tschorn zu Hause. Manche sind heute schon selbst ein Fall für die Geschichtsbücher. "Eines ist 100 Jahre alt", sagt der 37-Jährige, der bei der Nürnberger Versicherung im Marketing arbeitet. Tschorn ist ein Fußballverrückter. Und weil er nicht der einzige ist, hat er in Nürnberg den Verband Deutscher Fußball-Historiker gegründet. Noch mit einer Handvoll Mitstreitern, aber eine dreistellige Mitgliederzahl streben sie an. Dass die Facebook-Seite des VDFH 156 Menschen gefällt (Stand: 28. Februar), stimmt Tschorn positiv.

Wer mitmischen will, muss 38 Euro im Jahr Beitrag zahlen. Gewinn machen wollen die Fußballexperten nicht, vielmehr sollen damit Projekte unterstützt werden. Was es im Gegenzug gibt? Ein Netzwerk, "eine Interessengemeinschaft von Leuten, die sich für die Geschichte des Fußballs interessieren", sagt Tschorn. Oder wie es auf der Internetseite der Historiker heißt: "Der Fußball und seine Geschichte sind viel größer, als mancher denkt. Daran zu erinnern, haben wir uns vorgenommen."

Wir, das sind die Fußball-Historiker, die "nicht nur aus wenigen Exoten mit einem schrägen Hobby" bestehen. Tschorn selbst hat bei der Industrie- und Handelskammer den Sportfachwirt und an der Fachhochschule Schmalkalden den Sportökonom gemacht, hat einen Trainerschein und eine Vereinsmanager-Lizenz. Bei den Frauen des 1. FC Nürnberg ist er Schatzmeister und Geschäftsführer ist.

Mit dem Club kennt sich Tschorn natürlich auch aus. Und dem Derby, "auch wenn das geschichtlich schon gut aufgearbeitet ist". Was trotzdem viele nicht wissen: Eigentlich ist es nicht die 262. Begegnung der beiden Teams, sondern die 265. - rechnet man die drei Spiele ein, die der FCN gegen Fürth bestritten hat, ehe sich die Fußball-Abteilung des TV Fürth 1860 am 23. September 1903 selbstständig machte.Für die Club-Bilanz wären die bis dahin ausgetragenen Duelle ein Segen: Er hat die zusätzlichen Partien gewinnen: 1902 mit 15:0, 1903 mit 11:0 (März) und 2:0 (April).

Übrigens war der Club auch nie der erste in Nürnberg gegründete Fußballverein. Auch nicht der dritte, wie es oft heißt, sondern der fünfte. Das hat ein Historiker herausgefunden, der eine Sportzeitung aus dem Jahr 1895 ausgegraben hat, in der alle Vereine im Land aufgelistet waren - darunter ein bis dato unbekannter Nürnberger FC. Fünf Jahre vor der Club-Gründung. Solche Recherchen will der neue Berufsverband unterstützen. "Es gibt so tolle Initiativen der Fans gegen das Vergessen, Sammlungen, Studien, Chroniken, Museen", sagt Tschorn. All die würde er gerne unter seinem Verband einen und Sprachrohr sein.

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