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Zweiter Anlauf: Das gilt ab Montag an Nürnberger Schulen

Stadtspitze sagt Verlässlichkeit für jeweils eine Woche zu - 25.02.2021 18:03 Uhr

Eine weitere Rolle rückwärts wollen die Verantwortlichen an der Stadtspitze den Eltern, Schülern und Lehrkräften und auch sich selbst ersparen: Nach drei Monaten Homeschooling durften am vergangenen Montag die Grund- und Förderschüler erstmals wieder in ihre Klassenzimmer zurückkehren. Die allermeisten strahlten vor Freude. Doch die bittere Enttäuschung folgte noch am selben Tag: Weil die 7-Tage-Inzidenz in Nürnberg wieder die 100er-Marke überschritten hatte, mussten Schulen und Kindertagesstätten schon am Dienstag wieder auf Notbetreuung umstellen - ein herber Schlag.

"Die Entscheidung ist uns wirklich nicht leicht gefallen", beteuerten unisono Oberbürgermeister Marcus König und die zuständigen Referentinnen. Zwar war in der Vorwoche ein leichter Anstieg der Inzidenzwerte zu verzeichnen gewesen, aber unterhalb der 100er-Grenze. Eine Öffnungsklausel habe das Gesundheitsministerium erst jetzt geschaffen, um eine gewisse Flexibilität zu ermöglichen, ergänzt Stadtrechtsdirektor Olaf Kuch.

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Am vergangenen Donnerstag beschloss die Stadt Nürnberg, dass Schulen und Kitas ab nächster Woche wieder den Betrieb aufnehmen sollen. Das gilt nun ab Anfang März in Nürnberg:


Deshalb dürfe die Stadt ab sofort "auf Sicht fahren" und muss nicht sofort die Notbremse ziehen, auch wenn die Inzidenzwerte mal (freilich nicht allzu drastisch) über 100 liegen. Voraussetzung sei freilich eine permanente Beobachtung und Analyse der Entwicklung, unterstreicht die Umwelt- und Gesundheitsreferentin Britta Walthelm: "Leider sehen wir keinen dauerhaft sinkenden Trend, aber auch keinen drastischen Anstieg, sondern ein Schwanken rund um die 100." Die vorliegenden Prognosen ließen erwarten, dass die Pendelbewegung anhalte.

Nur in festen Gruppen

Deshalb nimmt Nürnberg jetzt einen zweiten Anlauf: Ab Montag kehren alle Grund- und Förderschüler sowie die Abschlussklassen aller weiter führenden und berufsbildenden Schulen in den Präsenzunterricht (oft in Form des Wechselunterrichts) zurück. Und in den Kindertagesstätten sind alle Mädchen und Jungs willkommen; nach den üblichen Hygienekonzepten werden die Kinder allerdings "nur" in festen Gruppen betreut - offene Konzepte bleiben noch tabu. Im Fachjargon ist vom "eingeschränkten Regelbetrieb" die Rede.

Walthelm verdeutlichte die Abwägung mit einer Erläuterung der Berechnung des Inzidenzwerts: Das Robert-Koch-Institut gehe bei seinen Berechnungen für Nürnberg von 518.000 Einwohnern aus (ein statistischer Wert - die tatsächliche Einwohnerzahl liegt nach städtischen Erhebungen deutlich darüber, d.Red.). Die Sieben-Tage-Inzidenz von 100 bedeutet dann 518 positiv Getestete, also pro Tag 74 gemeldete Neuinfektionen. Eine Inzidenz von 90 oder 110 bedeute konkret täglich sieben Fälle mehr oder weniger.


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Das müsse im Verhältnis zu den 16.000 Schülerinnen und Schülern sowie den 29.000 Kindern in 470 Kindertagesstätten gesehen werden, betonen Schulreferentin Cornelia Trinkl und Sozialreferentin Elisabeth Ries. "Der Trend muss Öffnungen erlauben, das ist klar, aber soziale Begegnungen und gemeinsames Lernen sind enorm wichtig."

Kohlendioxid-Ampeln und Raumlüfter

Zu verantworten sei das Vorgehen auch deshalb, weil die Stadt gleichzeitig weitere Anstrengungen zum Schutz der Lehrkräfte und Erzieher wie auch der Schüler unternehme: So habe die Stadt inzwischen mehr 4000 Co2-Ampeln, 500 Desinfektionssäulen und mehr als 280 Raumluft-Reinigungsgeräte beschafft und installiert, so OB König. Und genau an diesem Donnerstag sei eine Lieferung von 96.000 Schnelltests für die Schulen eingetroffen.

An den Konzepten für den genauen Einsatz werde noch getüftelt, so Schulreferentin Trinkl. "Das wird nicht in jeder Schule in gleicher Form ablaufen", meint sie. Als Richtschnur nennt sie, dass alle Schüler einmal pro Woche vor Unterrichtsbeginn getestet werden. Daneben könnten Schüler, Lehrkräfte und Mitarbeiter in den Kindertagesstätten jederzeit das Schnelltestzentrum in der Sulzbacher Straße nutzen.

OB: Impfen ist Akt der Solidarität

Schneller als von den meisten erwartet, könne voraussichtlich bereits in der kommenden Woche das Impfangebot für Pädagogen und Erzieherinnen starten - mit Anmeldung über das bayerische Online-Portal mit Terminen im Impfzentrum in der Messe. Zum Einsatz kommt der Astrazeneca-Impfstoff. Für den legte sich gestern auch Oberbürgermeister Marcus König nachdrücklich ins Zeug: "Er verhindert verlässlich schwere Verläufe. Sich impfen zu lassen, ist ein Akt der Solidarität und des Schutzes für die Mitmenschen."

Nach drei Monaten Homeschooling durften am vergangenen Montag die Grund- und Förderschüler erstmals wieder in ihre Klassenzimmer zurückkehren.

25.02.2021 © Sebastian Gollnow, NN


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