0:2 gegen Gladbach! Pinter durchkreuzt den Kleeblatt-Plan

7.2.2017, 22:36 Uhr
Brutale Aktion: Kleeblatt-Abräumer Adam Pinter sorgte dafür, dass Fürth gegen Gladbach rund 70 Minuten in Unterzahl agieren musste.

Brutale Aktion: Kleeblatt-Abräumer Adam Pinter sorgte dafür, dass Fürth gegen Gladbach rund 70 Minuten in Unterzahl agieren musste. © Sportfoto Zink / WoZi

Es ist ein langer Weg vom Anstoßkreis im Fürther Ronhof zum Kabinengang. Adam Pinter muss er gestern Abend noch länger vorgekommen sein als sonst. Der Fürther Defensivspieler schlich die knapp 50 Meter zur Eckfahne in Zeitlupe und mit gesenktem Kopf entlang.

Er dürfte schon geahnt haben, dass er die Hoffnungen der Fürther Fans, im Sportpark Ronhof gegen Borussia Mönchengladbach einen weiteren spannenden Pokalabend zu erleben, mit einem dummen Foul früh beerdigt hatte. In der 18. Minute war der ungarische Nationalspieler Gladbachs Christoph Kramer an der Mittellinie mit offener Sohle ins Schienbein gesegelt. Es war eine klare Rote Karte, auch wenn das einige Fürther Fans anders sahen und Kramer fortan unberechtigterweise gnadenlos auspfiffen.

Eine zu große Hypothek

Ganz neu war so ein Platzverweis für das Kleeblatt in diesem Jahr nicht: Schon zum Rückrundenauftakt gegen 1860 München hatte Abwehrspieler Stephen Sama nach zwei Fouls im Mittelfeld die Gelb-Rote Karte gesehen. Zu zehnt tat sich die Spielvereinigung dann gegen nicht glänzende, aber sehr abgeklärte Gladbacher noch schwerer und verlor mit 0:2 (0:2).

Da war es bei aller Enttäuschung vielleicht ganz gut, dass Kleeblatt-Coach Janos Radoki jeder Pokal-Nostalgie schon im Vorfeld eine Absage erteilt hatte: "Fußball findet immer in der Gegenwart statt, was mal vor zwei, drei, vier, fünf Jahren war, das ist egal", hatte er auf die Frage gesagt, ob das dramatische Halbfinal-Aus im Pokal gegen Borussia Dortmund im März 2012 noch eine Rolle spiele.

Dumm war Pinters Foul auch deshalb, weil Gladbach zu diesem Zeitpunkt bereits seine Klasse angedeutet hatte und kurz zuvor mit 1:0 in Führung gegangen war. Linksverteidiger Oscar Wendt hatte auf der linken Seite wenig Probleme gehabt an der etwas konfus wirkenden Fürther Abwehr in den Strafraum zu gehen und hatte flach an Kleeblatt-Keeper Sasscha Burchert vorbei ins Tor getroffen. Kurz vor Pinters Aussetzer hatte Niko Gießelmann die Chance auf den Ausgleich verzogen – es war zumindest ein kurzer Hoffnungsschimmer, dass für das Kleeblatt vielleicht doch noch etwas gehen könnte. 

Burchert verhindert Schlimmeres

Zu zehnt war Fürth der Gladbacher Präzision und Schnelligkeit allerdings unterlegen. Auf 2:0 erhöhten die Fohlen durch Thorgan Hazard in der 36. Minute zwar per Elfmeter, Gießelmann hatte den Gladbacher nach einem schönen Alleingang zu Fall gebracht. Doch an Chancen hatte es den Gästen zuvor nicht gemangelt: Allein in der 30. Minute klärte Burchert zweimal glänzend, erst gegen Hazard, dann gegen ehemaligen Nürnberger Josip Drmic.

Das die Verhältnisse schnell klar waren, lag aber auch daran, dass Fohlen-Trainer Dieter Hecking die Fürther ernst genommen hatte. Die Borussia lief mit fast der gleichen Aufstellung auf, mit der die Fohlen zuletzt in der Bundesliga gespielt hatten. Nur Offensivstar Raffael fehlte wegen muskulärer Probleme, für ihn spielte Drmic. Auch das Kleeblatt lief mit einer ähnlichen Startelf auf wie gegen Hannover 96, für den an einem Infekt erkrankten Andreas Hofmann brachte Radoki Neuzugang Adam Pinter.

Nachdem Radoki in der ersten Halbzeit zunächst auf eine Viererkette in der Abwehr umgestellt hatte, brachte er zur Pause Innenverteidiger Nicolai Rapp für Johannes van den Bergh, der seine Profikarriere einst bei Gladbach begonnen hatte, und Sercan Sararer für Serdar Dursun. Sararer ist der einzige im Fürther Kader, der beim Last-Minute-Aus gegen Dortmund 2012 noch auf dem Platz stand.

Sararer ans Außenetz

Weil die Gladbacher sich nun zurückzogen und ihr Spiel auf das Nötigste beschränkten, plätscherte die Partie nach der Pause vor sich hin. Den Fürthern eröffneten sich so aber Räume für Chancen: Die Beste hatten Sararer und der ansonsten blasse Robert Zulj in der 69. Minute. Erst scheiterte der Österreicher mit einem Lupfversuch aus spitzem Winkel an Borussen-Torwart Yann Sommer, den Nachschuss setzte Sararer ans Außennetz. Auch Khaled Narey (54.) hatte mit einem – allerdings zu hohen – Fernschuss, die Gelegenheit auf den 1:2-Anschlusstreffer gehabt. Drei Minuten später klärte Gladbachs Innenverteidiger Andreas Christensen mit einer Grätsche gerade noch vor dem aufs Tor stürmenden Sararer.

Wäre es im mit 12.336 Zuschauern nicht ganz ausverkauften Ronhof zu einer Verlängerung gekommen, hätte es ein Novum gegeben: Ab dem Achtelfinale ist den Trainern dort nun eine vierte Auswechslung erlaubt. Doch davon war das Spiel weit entfernt. Die Gladbacher spielten sich gegenseitig den Ball zu, Torchancen ergaben sich für beide Teams meist aus Standards. "Wir fahren nach Berlin", skandierten die Gladbacher Fans am Ende, für den Verein ist der Pokal eine der letzten Gelegenheiten auf den Europapokal. Für Fürth kehrt dagegen schon am Freitag der Zweitliga-Alltag zurück – es geht nach Aue.

+++ Der Live-Ticker zum Nachleiden +++

SpVgg Greuther Fürth: Burchert - Caligiuri, Franke, Gießelmann - Narey, van den Bergh (46. Rapp)  - Pinter, Sontheimer (72. Bolly) - Zulj - Dursun (46. Sararer), Berisha

Borussia Mönchengladbach: Sommer - Jantschke, Christensen, Vestergaard, Wendt - Kramer, Dahoud (79. Benes) - Hazard, Johnson (68. Herrmann) - Stindl, Drmic (72. Hahn)

Tore: 0:1 Wendt (12.), 0:2 Hazard (Foulelfmeter, 36.) | Gelbe Karten: Caligiuri / Benes  | Rote Karte: Pinter (18., grobes Foulspiel) Schiedsrichter: Dankert (Rostock) | Zuschauer: 12.000.

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