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Club-Gegner Paderborn: Viel Druck und ein bisschen Glück

15.1.2022, 08:59 Uhr
Der späte Ausgleich im Hinspiel: Sven Michel (Nr. 11) vom SC Paderborn hebt den Ball gefühlvoll am herausstürzenden Club-Schlussmann Christian Mathenia vorbei ins Tor - Endstand 2:2.

Der späte Ausgleich im Hinspiel: Sven Michel (Nr. 11) vom SC Paderborn hebt den Ball gefühlvoll am herausstürzenden Club-Schlussmann Christian Mathenia vorbei ins Tor - Endstand 2:2. © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink

Wie war das Hinspiel?

Paderborn war gnadenlos effizient: Drei Ballbesitzphasen im gegnerischen Strafraum, drei Torschüsse, zwei Torschüsse aufs Tor, zwei Tore. Das erste der beiden Tore war es, das den Gesprächsstoff nach dem Spiel lieferte: Jasper van der Werff hatte vor der Ecke, die zum Tor führte, Johannes Geis klar regelwidrig weggestoßen. Doch da der Ball noch nicht im Spiel war und Schiedsrichter Jablonski die Aktion nicht als strafwürdig erachtet hatte, konnte der Videoassistent nicht eingreifen.

Der Club brauchte einige Zeit, um sich zu erholen, spielte dann aber eine starke zweite Halbzeit. Møller Dæhli und Schäffler auf Vorlage von Møller Dæhli drehten das Spiel. Der Club fand immer wieder Wege zu Abschlüssen zu kommen, ließ bei diesen aber ein wenig die Geduld vermissen, so dass die Chancen nicht immer zwingend waren. In der Defensive stand der Club gut, gewann beeindruckende 72 Prozent der Duelle gegen den Ball, konnte aber den späten Ausgleich von Michel nach einem Geniestreich von Julian Justvan nicht verhindern.

Was ist seitdem anders?

Paderborn spielte in der Hinrunde insgesamt deutlich pressingintensiver als gegen den FCN. Spielverlauf und Spielweise des Clubs hatten im Hinspiel verhindert, dass Paderborn wirklich ins stete und intensive Pressing kam. Generell setzt Paderborn unter Lukas Kwasniok den Gegner nämlich nachhaltig unter Druck. Der SCP gehört zu den Teams mit den meisten Balleroberungen in der zweiten Liga. Etwas, das bei Mannschaften, die – wie Paderborn – viel den Ball haben, eher selten vorkommt.

Erreichen will Kwasniok den Druck meistens im 3-4-1-2, in dem vor allem die Doppelsechs mit Schallenberg und Schuster oder Mehlem versucht, die Bälle, die vom Gegner unter Druck gespielt wurden, abzufangen. Ist der Ball dann erobert, soll er mit viel Tempo in Richtung gegnerisches Tor getragen werden. Dabei verlässt sich keine Mannschaft so sehr auf das Dribbling wie Paderborn. Niemand in der zweiten Liga läuft mehr mit dem Ball am Fuß als der SC Paderborn.

Wo das Hinspiel tatsächlich ein Indikator für das war, was Paderborn in der Hinrunde bieten würde, war, dass Paderborn bislang eher zu den glücklichen Mannschaften zählte. Also jenen Teams, bei denen die Qualität der eigenen Chancen und der Chancen der Gegner nicht mit der Zahl der eigenen Tore und Gegentore korreliert. Um satte 14 Tore ist die Tordifferenz nach 18 Spielen besser als die Differenz bei den expected Goals. Nur bei Darmstadt mit plus 16 ist die Diskrepanz noch größer.

Alternativ zur Interpretation, dass Paderborn Glück hat, kann man natürlich auch die Abschlussqualitäten von Sven Michel verantwortlich machen. Der Paderborner Toptorjäger kommt auf 13 Tore aus sieben expected Goals.

Wer sind die Top 2 unter 23?

Nimmt man die Überschrift streng, dann ist die Auswahl der jungen Spieler in Paderborn gering. Mit Hinspieltorschütze Jannis Heuer kommt nur ein Spieler, der zu Jahresbeginn 2022 noch unter 23 war, auf signifikante Einsatzminuten und selbst er ist in der Hierarchie lediglich Innenverteidiger Nummer fünf. Nur knapp ein Prozent aller möglichen Einsatzzeit ging an Spieler, die 21 Jahre alt oder jünger waren. Nur Sandhausen, das gar keine U21-Spieler einsetzte, schneidet in dieser Bilanz schlechter ab.

Erweitert man die Kategorie auf Spieler bis 23, dann kommen neben dem erwähnten van der Werff mit Kapitän Ron Schallenberg und Julian Justvan aber zwei Spieler dazu, die für das Paderborner Spiel ganz zentral sind. Justvan, im Sommer 2020 vom VfL Wolfsburg gekommen, ist in einer Mannschaft, die eh schon oft ins Dribbling geht, jener Spieler mit den meisten Dribblings. Er ist auch – ganz knapp vor Mats Møller Dæhli – der Offensivspieler mit der höchsten Quote an gewonnenen Dribblings in der ganzen Liga. Oft spielt Justvan auf der rechten Außenbahn, dann reißt er mit seinen Läufen Lücken, bindet Abwehrspieler und versucht sich dann an Schnittstellenbällen. Die spielt er noch häufiger, wenn er hinter den Spitzen agiert.

Immer vor der Abwehr spielt Ron Schallenberg. Kein Zweitligaspieler hat mehr Bälle abgefangen als das Eigengewächs des SCP. Dabei spielt es keine Rolle, ob man sich das Pressing in der gegnerischen Angriffszone oder die Antizipation vor dem eigenen Strafraum ansieht. Überall, wo Druck ausgeübt wird, ist Schallenberg zur Stelle und holt sich Bälle.

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