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Bamberg-Boss Stoschek kritisiert das Finalturnier

"Ich war kein großer Befürworter fürs Weiterspielen" - 16.06.2020 23:51 Uhr

"Wenig erheiternd": Michael Stoschek ist von den Rahmenbedingungen nicht begeistert. 

© picture alliance / dpa


Am Ende riss es Michael Stoschek dann doch noch von seinem Sitz, oder: Zumindest wendete er den Blick von seinem Mobiltelefon auf das Spielfeld, stand auf und applaudierte freundlich den siegreichen Basketballern, die den Namen seines Unternehmens auf dem Trikot tragen. Am Montag war der Brose-Chef bereits zum zweiten Mal in den vergangenen sieben Tagen nach München gefahren, um der Bamberger Mannschaft im sogenannten Audi Dome beim Spielen zuzusehen, nachhaltig beeindruckt scheint ihn das Geisterturnier aber nicht zu haben.

Internationale Geschäfte nicht gefährden

In Oberfranken hatte man sich von Beginn an gegen eine Fortsetzung der Saison ausgesprochen. Bei Medi Bayreuth konnte und wollte man sich eine Teilnahme am Finalturnier der Basketball-Bundesliga nicht leisten, bei Bamberg ließ man sich wohl vor allem deshalb umstimmen, weil man die Teilnahme am internationalen Geschäft nicht gefährden wollte.

Nach dem ungefährdeten 100:82- Erfolg im letzten Gruppenspiel gegen Rasta Vechta spielt Brose Bamberg ab Donnerstag gegen die Baskets Oldenburg um den Einzug ins Halbfinale. Wie sich das für Stoschek anfühlt – Playoffs ohne die in den vergangenen zwei Jahrzehnten kultivierte und ohrenbetäubende Kulisse von Freak City? "Was soll ich jetzt sagen?" antwortet Stoschek am Montag zunächst mit einer Gegenfrage und sagt dann doch noch etwas; "wenig erheiternd" nennt er die Rahmenbedingungen, "ich war kein großer Befürworter fürs Weiterspielen".

Stoschek hält das Turnier für ein Draufzahlgeschäft, den Werbeeffekt für den Basketball, den andere in der Abwesenheit zahlreicher anderer Sportarten erkannt haben wollen, sieht er nicht. "Ich glaube, dass uns das Turnier wirtschaftlich schadet", sagt er, und: "Es hieß, ARD und ZDF stürzen sich auf uns, weil es außer Fußball nichts gibt. Nichts ist passiert. Alles Quatsch!"

Alles Quatsch? Holz hält dagegen

Stefan Holz, der Chef der Basketball-Bundesliga, sieht das naturgemäß ganz anders. Er nimmt eine "deutlich erhöhte Präsenz" in den Medien wahr und findet: "Jede Minute hilft." Zwar übertragen die öffentlich-rechtlichen Sender keine kompletten Spiele, tatsächlich bekommt der Basketball in Sendungen wie der "Sportschau" oder dem gemeinsamen "Morgenmagazin" von ARD und ZDF aber so viel Aufmerksamkeit wie seit der Hochzeit von Dirk Nowitzki nicht mehr. Die Telekom, die mit ihrem Sender MagentaSport wie in der regulären Saison alle Partien überträgt, verzeichnet laut eigener Aussage sechsmal so hohe Zuschauerzahlen wie üblich.

Holz ist überzeugt, dass es sich um einen nachhaltigen Werbeeffekt handelt, am Ende des Turniers soll es eine detaillierte Auswertung geben. "Sie wird sich sehen lassen", glaubt der Liga-Chef: "Und ich werde sie sehr gerne auch nach Bamberg schicken."

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