Füssen Royal Bavarians sind Freunde und Rivalen

Baseball: Kommt bald der zweite Homerun für die Fürth Pirates?

9.9.2021, 12:11 Uhr
Statt großer Reden schwingt er lieber die Keule: Joseph Williams ist seit der Verletzung von Trainerkollege Sebastian Eger (Fußentzündung) bis Saisonende alleinverantwortlich für die Fürth Pirates I in der 2. Baseball-Bundesliga.

Statt großer Reden schwingt er lieber die Keule: Joseph Williams ist seit der Verletzung von Trainerkollege Sebastian Eger (Fußentzündung) bis Saisonende alleinverantwortlich für die Fürth Pirates I in der 2. Baseball-Bundesliga. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Der Spruch "Just Baseball", zu Deutsch: Es ist einfach Baseball, ist populär bei amerikanischen Baseballspielern.


Wie kompensieren die Pirates den Abgang von Pitcher Meulendijk?


Er soll ausdrücken, dass manches in diesem Spiel eben nur schwer erklärbar ist, besonders bei knappen Ergebnissen. Wenn es doch immer so einfach wäre.

Im Ballpark Burgfarrnbach können sie in dieser Zweitligasaison ein Lied davon singen, denn auf große Kaperfahrt gehen die Fürth Pirates aktuell nicht. Auf Platz sieben, dem vorletzten Rang in der Tabelle, stehen die Fürther. Das ist verschmerzbar, weil es keine Auf- und Absteiger in dieser Saison gibt.

Dennoch: Mit Niederlagen wollen sich die Pirates nicht zufrieden geben, der Anspruch ist ein anderer. Zumal zuletzt häufig nur Kleinigkeiten dafür verantwortlich waren, dass die Spiele nicht in ihre Richtung gekippt sind. Bei den Munich Haar Disciples II verloren sie am vergangenen Sonntag 3:4 und 4:5.

Just Baseball also? Joseph Williams aus dem Trainer-Trio geht etwas in die Tiefe: "Wir nutzen diese Saison, um auch unsere Jungen zum Zug kommen zu lassen. So langsam schlagen die Jungs auch wieder auf den Ball."

Zwar habe es zum Saisonstart aus dem sogenannten Umfeld durchaus Kritik an diesem Jugendstil gegeben, doch der 35-Jährige fühlt sich mittlerweile bestätigt: "So langsam bewähren sich die Jungs, sie wachen nach den Problemen zu Saisonbeginn auf, der Umschwung kommt langsam." Exemplarisch hebt er drei Spieler hervor: "Leon Stipic hat sich gerade beim letzten Spiel in München bewiesen, er war vor allem in der Defensive überragend. Auch Nils Pöllet und Sami Sanchez steigern sich ständig, sowas macht mich als Trainer stolz."

Auf die Urgesteine Metcalf und Chambless ist Verlass

Aber auch die Liga ist nach Meinung des Coaches eine bessere als in der Vorsaison, Williams stört vor allem eines: "Es wird immer gesagt, dass die zweite Liga nicht so stark ist. Ich finde, das stimmt gerade in diesem Jahr überhaupt nicht. Es gibt gerade bei Baldham und Füssen überragende Pitcher, gegen die man einen schweren Stand hat." Dabei sind die eigenen Pitcher ein Hoffnungsschimmer. Die beiden Urgesteine Jesse Chambless und Jason Metcalf werfen zuverlässig und gut, Chambless hat im vergangenen Heimspiel gegen Tabellenführer Baldham als erster Pirat in dieser Saison den Ball über den Zaun geschlagen und einen Home Run erzielt.

Beides zu beherrschen, ist unabdinglich, im Baseball sind Allrounder-Qualitäten gefragt. Ein Spieler sollte jede Position kennen, schon allein, um sich in den Teamkameraden hineinversetzen zu können.

Ein gutes Beispiel ist der Wurf, wie Williams erklärt: "Meist bestimmt nicht der Pitcher, wie er wirft, sondern der Catcher. Er beobachtet den Batter, also den Schlagmann, die ganze Zeit und kennt seine Gewohnheiten. Entsprechend gibt er in der Regel vor, wohin der Pitcher werfen soll."

Auf dieses Zusammenspiel wird es auch am Sonntag ankommen, wenn im heimischen Ballpark die alten Bekannten aus Füssen gastieren. Mit den Royal Bavarians, die aktuell auf Rang fünf stehen, haben die Pirates eine gemeinsame Vergangenheit. Beide Teams spielen seit Jahren in derselben Liga, die Rivalität gipfelte in der Relegation 2019 – leider mit besserem Ende für Füssen.

Erst Rivalen, dann Bier

Doch die sportlichen Gegner pflegen eine geradezu freundschaftliche Verbindung, wie Joseph Williams betont: "Gegen unsere quasi ewigen Rivalen waren es immer knappe Spiele. Wir kennen uns schon so lange, trinken nach den Spielen auch mehr als ein Bier. Es sind auch schon alte Spieler gekommen, die haben uns gesagt, wir sind nur wegen den Fürthern hier."

Im Gespräch nach den Partien kann dann mitunter auch gleich ein Haken hinter das Scouting über den nächsten Gegner gesetzt werden: "Man tauscht sich nach den Spielen schon über die anderen Mannschaften der Liga aus. Da kann es auch mal vorkommen, dass man einen Tipp für den nächsten Gegner bekommt."


Ex-Baseball-Nationalspieler Marcel Jimenez ist zurück in Fürth


Den gab es vielleicht auch von anderen Gegnern über Daniel Mendelsohn. Der Füssener Pitcher gehört zu den Top-Profis der zweiten Liga, das Augenmerk von Williams‘ Freibeutern liegt deshalb darauf, in der Offensive kräftig zu punkten. Der Plan steht also – ob er aufgeht? "Just Baseball."

Sonntag, 12. September, 12 Uhr: Fürth Pirates - Füssen Royal Bavarians, Ballpark, Würzburger Straße 700, Fürth. Eintritt frei.

Keine Kommentare