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Cluster, Blase oder volles Dutzend: EM-Frage beschäftigt Uefa

Kritiker plädieren für eine weitere Verschiebung - 26.01.2021 16:42 Uhr

Corona könnte auch der bereits um ein Jahr verschobenen Fußball-EM erneut in die Quere kommen.

17.01.2021 © Facundo Arrizabalaga, dpa


Berti Vogts und Stefan Effenberg sind sich in der EM-Frage einig. Auch Karl Lauterbach hat wie immer eine klare Meinung. Hinter Europas großem Fußball-Sommer steht ein dickes Fragezeichen. Corona droht die historische Europameisterschaft in zwölf Ländern ein zweites Mal unmöglich zu machen. Allen kritischen Expertenaussagen zum Trotz ist eine Entscheidung aber noch nicht gefallen. Die Entscheidungsträger der Uefa brüten in Hinterzimmern der Sportpolitik über Ersatzpläne und Notvarianten. Zumal keine der zwölf Ausrichterstädte unabhängig von teilweise gravierenden Pandemiebeschränkungen freiwillig verzichten will. Das macht es für die Uefa komplizierter.


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Von Rom bis Kopenhagen und Dublin bis Baku, niemand will sich jetzt die Blöße geben. Auch München rechnet weiter mit seinen vier Spielen, inklusive der Kracher von Deutschland gegen Frankreich (15. Juni) und Portugal (19. Juni). Aus mehreren Ländern ist zu hören, man stünde für mehr als die bislang geplanten Partien bereit. Russland drängte sich schon zum Jahresende als alleiniger Gastgeber auf.

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Auch in England, wo im Londoner Wembleystadion sieben Partien inklusive beider Halbfinals und des Endspiels am 11. Juli geplant sind, fühlt man sich bereit für eine größere Turnierverantwortung, berichtete zuletzt die Zeitung The Telegraph. Dabei macht gerade die Corona-Mutation aus Großbritannien die Planungslage schwieriger.

Ein weiteres Mal verschieben?

Wie in England kommen die Turnier-Kritiker noch eher aus der zweiten Reihe des Fußballgeschäfts ohne Entscheidungsrelevanz. "Eine EM in zwölf Ländern ist in diesem Jahr vollkommen unverantwortlich. Die Uefa sollte sie stattdessen in nur einem Land austragen und darüber nachdenken, ob dieses Land nicht Deutschland sein muss", schrieb Effenberg in seiner Kolumne bei t-online.


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Ebenfalls bei dem Internetportal äußerte sich Vogts: "Es macht mich fassungslos, dass man von der Uefa, die das Turnier ausrichtet, aktuell nichts hört. Deshalb appelliere ich als ehemaliger Bundestrainer nun selbst an den Verband: Verschiebt die EM. Reagiert jetzt. Sonst ist es zu spät", forderte der 74-Jährige, der 1972 als Spieler und 1996 als Trainer die EM gewann. SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach rechnet mit einem generellen Ausfall. "Ich glaube, dass die EM komplett abgesagt wird, weil wir im März eine Situation haben werden, die in vielen Ländern Europas schlechter sein wird als heute."

Von diesen Stimmen wird sich Uefa-Chef Aleksander Ceferin kaum leiten lassen. Für den Kontinentalverband steht sehr viel auf dem Spiel. Sportpolitisch darf keiner brüskiert werden, gerade für kleinere Gastgeberverbände wie Aserbaidschan, Rumänien oder Ungarn ist das Projekt von elementarer Bedeutung. Paradoxerweise mochte man das von Ex-Präsident Michel Platini erdachte Konzept mit einem Dutzend Gastgebern in der aktuellen Uefa-Verwaltung aber noch nie. Und nun wird die extrem teure Ausrichtung des paneuropäischen Großevents von Corona zusätzlich massiv erschwert.

Blase und Fan-Frage

Cluster-Alternativen mit mehr Spielen in weniger Spielorten könnten also eine realistische Lösung sein. Die neuralgischen Reiseaktivitäten quer durch den Kontinent fielen weg. Die Idee von Effenberg, Nordrhein-Westfalen wie bei der Europa League im August 2020 zur Ausrichterregion zu machen, ist aber unwahrscheinlich. In drei Jahren findet die komplette EM schon in Deutschland statt und München will als aktueller Gastgeber auch nicht zurücktreten. Man gehe "unverändert davon aus", dass vier Spiele in der Allianz Arena stattfinden werden, teilte das Referat für Bildung und Sport der bayerischen Landeshauptstadt auf Anfrage mit.

Das ganze Dilemma beschrieb RB Leipzigs ungarischer Torwart Peter Gulacsi im ZDF-"Sportstudio" ziemlich gut. "Natürlich hoffe ich sehr, dass wir die zwei Heimspiele, die wir in Budapest haben, zu Hause spielen dürfen", sagte der 30-Jährige. Das Champions-League-Turnier in der Königsklassen-Blase Lissabon hat Gulacsi aber auch noch in guter Erinnerung. "Wir sind alle gesund geblieben, das hat funktioniert. Es funktioniert jetzt auch in der Bundesliga."

Erste Antworten wird die Uefa am 5. März in der Fan-Frage geben. Dann will der Dachverband zumindest schon verkünden, ob und in welchem Ausmaß in jedem der Spielorte mit Zuschauern geplant werden kann. Zur Debatte stehen dabei vier Szenarien von Vollauslastung bis kompletter Geisterkulisse. Viel mehr Zeit für die generelle EM-Entscheidung haben Ceferin und seine Turnierplaner nicht. 2020 wurde das Turnier am 17. März abgesagt. "Die Uefa wird und muss in den nächsten Wochen eine Entscheidung fällen, wie und wo das Turnier stattfinden soll", sagte Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge dem Münchner Merkur.

dpa

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