Erfolgreiche Karateabteilung

Die Karateabteilung des TV Fürth 1860 hat sogar Mitglieder gewonnen

22.2.2021, 14:50 Uhr
Joachim Merkl ist pensionierter Polizist und erstmals mit Kampfsport in der Polizeischule in Berührung gekommen. Doch so richtig gepackt hat es ihn erst bei den 60ern in Fürth. Seither ist er der Mann für alles im Dojo.

Joachim Merkl ist pensionierter Polizist und erstmals mit Kampfsport in der Polizeischule in Berührung gekommen. Doch so richtig gepackt hat es ihn erst bei den 60ern in Fürth. Seither ist er der Mann für alles im Dojo. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Als er Ende der 1980er-Jahre seine Tochter dort anmeldete, sagte der damalige Trainer zu ihm: "Stehen Sie doch nicht dumm rum, machen Sie auch mit." Und da Joachim Merkl als Polizist kein Problem damit hat, Befehle zu empfangen, hat die Karateabteilung seither ein treues Mitglied. Und zwar eines, das im Laufe der Jahre dafür gesorgt hat, dass immer mehr seinem Beispiel folgen.


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"In Bayern gehören wir zu den zehn größten Dojos", erzählt Merkl, "da sind wir schon stolz drauf." 154 Mitglieder sind es derzeit, die Zahl ist seit Jahren so hoch. Merkl weiß das deswegen so genau, weil er kurze Zeit nach seiner Aufnahme nicht nur Trainer geworden ist, sondern auch Kassenwart und auch eine Art Hausmeister, der das Dojo umgebaut hat und seither putzt und repariert.

In den Anfangstagen in der Gebhardtstraße aber waren es lediglich 45 Kämpfer, verdreifacht hat sich die Zahl erst ab Mitte der Neunziger: nach einer Annonce in dieser Zeitung für eine Ü30-Gruppe und nach dem Ferienprogramm der Stadt, als über 50 Kinder dem Angebot der Karatekas folgten, "da sind viele hängengeblieben, seither geht es nur noch bergauf". Seit 2012 residieren die Kämpfer im Vereinsgelände in Dambach – wo natürlich der nimmermüde Merkl ebenfalls jede lose Schraube festzieht.

"Immer ran an den Feind"

Eine handwerkliche Ausbildung hat der 65-Jährige nie genossen. Nach der Polizeischule zog der Amberger nach Fürth. Sein Motto mit Hammer und Schraubenzieher: "Einfach immer ran an den Feind und schauen, ob es geht. Man lernt aus Fehlern." Seine Umtriebigkeit ist selbst am Telefon spürbar. Im Verein ist er als Koffeinjunkie bekannt, darauf angesprochen, muss er lachen.

So vier, fünf Tassen seien es am Tag, und gerne auch mal grüner Tee. Denn das passe besser zu seiner Leidenschaft, der asiatischen Kampfkunst. Bei den 60ern ist er der Hauptprüfer für die Gürtelprüfungen. Er selbst hat den schwarzen Gürtel im vierten Dan und darf auch andere Schwarzgurte prüfen. Den Absolventen besorgt er auch gleich die Gürtel, Anzüge bekommt man sowieso über ihn. Warum ist er eigentlich nicht gleich Vorsitzender geworden, wenn er sowieso überall mitmischt?


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"Ich bin lieber im Hintergrund", sagt er in seinem angedeuteten Oberpfälzisch. Dass er in der FN-Serie "Die Seele des Vereins" erscheinen soll, sei ihm auch ein wenig peinlich. Denn so ganz ohne Eigennutz engagiere er sich ja gar nicht. "Ich möchte es so gut wie möglich und so lange wie möglich machen." Die Motivation sei nie die Anerkennung gewesen. "Mir geht es auch darum, dass das Karate weiterlebt, dass die Abteilung lange besteht und nach außen ein gutes Bild abgibt. Weil ich meine Kampfkunst so liebe, ist es auch Eigeninteresse."

Zweite Liebe Kobudo

Es vergehe kein Tag, an dem er nichts mit Karate und seiner zweiten Liebe Kobudo (Kampfkunst mit auf Okinawa entwickelten Bauernwaffen) zu tun habe. Der Lohn der Mühen sei dann zum Beispiel, wenn bayernweit die Wettkampfabteilung wieder unter den Top zwei landet. Als Trainer tritt er jüngst sogar kürzer, er leitet "nur noch" das Familien- und Kindertraining und einmal im Monat gibt er Kobudo. Der Grund: "Man muss den jungen Leuten den Platz freimachen. Wenn die erst nachrücken sollen, wenn man aufhören muss, ist es zu spät."

Derzeit ist er mit Online-Training beschäftigt, fast jeden Tag bietet die Abteilung seinen Mitgliedern etwas an. Er selbst steht am Sonntag vor der Kamera. Nach der Wiederöffnung wolle er sein Angebot an Präsenztrainingseinheiten aber erhöhen, denn er rechnet mit einem großen Ansturm von 50 bis 70 Kindern.

Kurz vor dem Lockdown haben er und seine Trainerkollegen bewusst einen Marathon mit 85 Gürtelprüfungen in einer Woche hingelegt, damit die Kinder danach motiviert sind, "damit es da weitergeht", wie er sagt. Man kann sich lebhaft vorstellen, warum es im Jahr 2020 mehr statt weniger Mitglieder wurden. "Ich denke", sagt Merkl nun doch endlich selbstbewusst, "es liegt an unserem Engagement."

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