FCN-Patriarch Michael A. Roth wird 80: "Ärgere mich maßlos"

13.8.2015, 18:42 Uhr
Eine der ganz großen Sternstunden von Michael A. Roth: Der DFB-Pokalsieg 2007.

Eine der ganz großen Sternstunden von Michael A. Roth: Der DFB-Pokalsieg 2007. © Sven Simon

Es ist ruhig um ihn geworden. Zu den Heimspielen des 1. FC Nürnberg taucht Michael A. Roth kaum noch auf – vor ein paar Jahren wäre das undenkbar gewesen. In zwei Amtszeiten (1979 – 1983 und 1994 – 2009) hat er den Club insgesamt 19 Jahre lang als Präsident durch dick und dünn geführt, sechs Aufstiege und genauso viele Abstiege hautnah miterlebt, 22 Trainer kommen und gehen sehen.

Mehrfach hat er den Verein vor dem Ruin bewahrt, und als Highlight durfte der Unternehmer 2007 den Pokalsieg in vollen Zügen genießen. Am Donnerstag wird Roth, der seit seinem Rücktritt im Jahr 2009 Ehrenpräsident des 1. FCN ist, 80 Jahre alt.

Die Art und Weise, wie sich der fränkische Fußball-Altmeister in den letzten Jahren entwickelt hat, gefällt dem Unternehmer ganz und gar nicht. "Die zweite Liga war für mich immer das Schlimmste. Aber zu meiner Zeit ist der Club wenigsten gleich wieder aufgestiegen", klagt er über die aktuell verfahrene Situation beim Club, der sich gerade durch das zweite Zweitligajahr nach dem Abstieg 2014 quält.

"Tue lieber etwas für meine Gesundheit"

Eine vielversprechende sportliche Perspektive sieht er nicht, und auch die Gesamtsituation des Traditionsvereins bereitet ihm, ob der vor einigen Jahren vollzogenen Satzungsänderung Kummer, weil die "keinen echten Chef mehr vorsieht".

Das letzte Live-Spiel, das er im Grundig-Stadion verfolgt hat, war noch ein Bundesliga-Match in der Saison 2013/14. "Wenn der Club verliert, ärgere ich mich doch nur maßlos. Also bleibe ich zu Hause, rege mich nicht auf und tue so etwas für meine Gesundheit." Um die es im Übrigen bestens steht, wie der Jubilar betont.

Ein Rückblick auf Roths Sternstunden

Roth gönnt sich heute etwas mehr als noch vor ein paar Jahren, in seinem ARO-Firmensitz am Nürnberger Schleifweg ist er aber nach wie vor täglich präsent. Das Imperium, das er vor über fünf Jahrzehnten selbst aus dem Boden gestampft hat, ist zwar längst nicht mehr so groß wie einst, steht nach einem Schutzschirmverfahren aber wieder auf soliden Beinen.

Über ein Comeback als Funktionär beim Club hat er nach seinem Rücktritt am 8. Juni 2009 nie ernsthaft nachgedacht. "Nein, das tue ich mir nicht mehr an. Wenn ich 20 Jahre jünger wäre – gerne", sagte er im Gespräch mit der Nürnberger Zeitung. Was bleibt, sind Erinnerungen an meist sehr schwierige, ganz selten glückliche Zeiten. Chronisch klamm war der 1. FCN fast immer, Roth musste mit so mancher Finanzspritze aushelfen, um den drohenden Konkurs zu verhindern.

Den weithin unbekannten Trainer Jef Vliers schickte er einst mit einem Schuhkarton voller Geld zurück nach Belgien. Aber auch mit prominenten Fußballlehrern wie Felix Magath und Klaus Augenthaler stellte sich kein langfristiger Erfolg ein. Ein Jahr (1996/97) tingelte der Club sogar durch die Regionalliga. Im legendären Pokalfinale 1982 gegen den FC Bayern schnupperte Roth am großen Coup, als die Nürnberger zur Pause 2:0 führten, am Ende aber 2:4 verloren. 2007 gegen den VfB Stuttgart hat es dann geklappt – Roths Sternstunde in 19 Jahren als Gallionsfigur des 1. FC Nürnberg.

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