Ice Tigers in der Oberliga: Weber genießt das Eis

11.11.2020, 09:10 Uhr
Kein Applaus: In den leeren Stadien der Oberliga könnte Ice Tiger Marcus Weber derzeit nur selbst für sich klatschen.

Kein Applaus: In den leeren Stadien der Oberliga könnte Ice Tiger Marcus Weber derzeit nur selbst für sich klatschen. © Sportfoto Zink / Thomas Hahn, Sportfoto Zink / ThHa

Zwei Tore im ersten Saisonspiel sind auch im Eishockey ein Traumstart für einen Profi. Noch dazu, wenn es sich um einen Verteidiger handelt. Allerdings hätte Marcus Weber sie in seinem ersten Pflichtspiel 2020/2021 lieber in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) als in der Oberliga Süd erzielt: Doch die DEL entscheidet erst am 19. November 2020, ob und wie es nach einem zweimal verschobenen Saisonstart weitergehen soll, während in der Oberliga gespielt wird. Natürlich pandemiekonform.

"Das ist keine Hobbyliga"

Weil sich die Gelegenheit ergab trägt Weber derzeit nicht das Trikot der Nürnberg Ice Tigers sondern jenes des SC Riessersee, seinem Heimatverein. In seinem ersten Einsatz traf er beim 5:2 über die Passau Black Hawks doppelt. "Die Oberliga hat natürlich nicht das Niveau der DEL. Aber das ist auch keine Hobbyliga. Die haben schon zwei, drei gute Reihen pro Team. Man hat halt etwas mehr Zeit als in der DEL oder ist vielleicht etwas schneller", sagt der 28-Jährige über den Unterschied zwischen höchster und dritthöchster Spielklasse. "Aber es ist natürlich toll, dass man aufs Eis kann im Wettkampfmodus. Es ist schön, wieder einen normalen Tagesablauf zu haben". Und eine etwas andere Rolle als in Nürnberg. Da beim Tabellenführer SCR die Verteidiger rar sind, spielt Weber etwa auch regelmäßig in Über- und Unterzahl.

Er stammt aus Garmisch-Partenkirchen wo der SCR noch heute das ist, was er früher landesweit im Eishockey war: eine Institution. Vor der aber auch die Coronabedingungen nicht haltmachen. Außer der Oberliga-Mannschaft darf kein Team zum Training, täglich geht der SCR aufs Eis, was nicht immer ganz einfach ist, weil die gewünschte Uhrzeit und der Terminplan des Eismeisters zusammenpassen müssen.

Schon zweimal in Quarantäne

Corona-Einschränkungen hat Weber aber auch schon außersportlich erlebt. Zweimal war er in Quarantäne. Beim ersten Mal nach einem Abendessen anlässlich einer Hochzeit mit 16 Personen, von denen eine an dem derzeit alles beherrschenden Virus erkrankte. Ein zweites Mal musste sich Weber wie alle Spieler des SCR isolieren, weil einer von ihnen positiv getestet worden war.

Draußen zieht und zog es ihn im Sommer auf die Gipfel und aufs Eis. Zum Trainingsprogramm in den warmen Monaten gehörten einige Bergwanderungen in der Umgebung. "Wir sind da schon schneller unterwegs, das ist wie eine Trainingseinheit", erzählt der Linksschütze. "Wir" das sind neben dem Ice Tiger der Münchner Maximilian Kastner und einige weitere Eishockeyspieler aus Garmisch-Partenkirchen und Umgebung, die sich zusammengeschlossen haben.

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Um auch auf den Kufen in Schwung zu bleiben, mietete sich die Trainingsgruppe in Österreich Eiszeit. "Ich war voll im Saft, dann wurde der Start wieder verschoben. Das war dann schon anstrengend für den Kopf", skizziert Weber die Situation.

2019 Nationalteam, 2020 Oberliga

Auf einen richtigen Urlaub hatte er wie so viele in diesem Sommer verzichtet. Meistens ging es in die Berge oder aufs Rad. Zehnmal war er auf dem Eis, bevor am 6. November mit der Partie gegen Passau die Saison für den SCR begann. Am Sonntag folgte ein 8:3-Erfolg in Peiting, ohne Tor von Weber. Just an dem Wochenende, an dem die Deutsche Auswahl in Krefeld beim Deutschland Cup aktiv war. Im Jahr 2019 war Weber da noch im Trikot des Deutschen Eishockey-Bundes dabei gewesen.

Ein Jahr später ist er vorübergehend in der Oberliga. Seine Leihe läuft bis 30. November. "Es spricht aus meiner Sicht nicht mehr viel dagegen, dass die DEL anfängt. In der DEL2 klappt es schon, warum soll es in der DEL nicht klappen?", fragt Weber. Auch wenn er die acht DEL-Teams, die nun im Vorbereitungsturnier MagentaSport Cup starten im Vorteil sieht, findet er in Riessersee langsam zu seinem Spielrhythmus.

Nur die leere Halle fühle sich nach wie vor seltsam an. "Es ist schon sehr ruhig. Man hört alles, auch was die Gegner oder deren Trainer von der Bank rufen, das ist schräg und auch lustig", schildert Weber die Atmosphäre. "Außerdem ist alles auf Deutsch. In der DEL ist alles auf Englisch". Wenn möglich, würde er diese Sprache gerne schon im Dezember wieder auf dem Eis sprechen.

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