1:2 gegen Berlin

Gegen den Meister vergeben die Ice Tigers zu viele Chancen

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

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25.3.2022, 21:52 Uhr
Nächster Schuss, wieder vorbei: Jake Ustorf setzt sich hier gegen zwei Berliner durch. 

© Sportfoto Zink / Thomas Hahn, Sportfoto Zink / ThHa Nächster Schuss, wieder vorbei: Jake Ustorf setzt sich hier gegen zwei Berliner durch. 

Tempo. Tempo. Tempo. Eishockey ist schnell, angeblich der schnellste Mannschaftssport der Welt. An diesem Freitagabend aber schienen die Ice Tigers testen zu wollen, ob es denn nicht noch ein wenig schneller geht. In die Knie, antreten, scharf bremsen, wieder antreten. In jeder Szene, in jedem Zweikampf ging es um Entscheidungsschnelligkeit, ging es nur um ein Ziel: die Eisbären Berlin, seit mehr als einem Jahr die dominierende Mannschaft in der Deutschen Eishockey Liga, müde laufen.

Doch die Eisbären erwiesen sich als zäh - und cleverer. Das 1:2 (0:0, 0:1, 1:1) gegen den amtierenden Deutschen Meister war bitter, vor allem aber war es lehrreich.

Fünf Spiele in acht Tagen

Der Tabellenführer trat mit bereits ordentlich Eishockey in den Beinen in Nürnberg an. Freitag, Sonntag, Dienstag, Donnerstag, Freitag – fünf Spiele in acht Tagen, der Corona-Notfallplan trifft im März alle DEL-Klubs hart, die Eisbären aber sicher am härtesten. Die Ice Tigers mussten im selben Zeitraum zum dritten Mal ran und natürlich wollten sie diese vermeintliche Frische ausnutzen. Der Plan war simpel, ihn umzusetzen, wurde denkbar anstrengend. Erst kurz vor dem Ende schien er aufzugehen. Berlin aber hatte selbst da noch etwa zuzusetzen.

Es entwickelte sich eines jener Spiele, in dem es Nürnberg verpasste, ein frühes Tor zu schießen; in dem sich die Aufmerksamkeit im zweiten Drittel zu sehr auf einen Schiedsrichter konzentrierte (in diesem Fall auf den in Nürnberg nicht unbekannten Aleksi Rantala); und in dem ein gegnerischer Torhüter mit jeder Parade zu wachsen schien.

Rantala im Mittelpunkt

Ohne den verletzten Ryan Stoa und erneut ohne Kapitän Patrick Reimer (muskuläre Probleme) hatte Tom Rowe erneut kosmetisch umstellen müssen. Zehn Tage vor Playoff-Start knirscht es auch deshalb ein wenig. Lediglich gegen den designierten Absteiger Krefeld klappte es zuletzt mit dem Tore schießen (6:2). In München (1:4) und auch gegen Berlin kam die Mannschaft zwar zu Chancen. Dane Fox, Tim Fleischer, Max Kislinger und Lukas Ribarik fehlte es im ersten Drittel aber an Entschlossenheit, Präzision oder schlicht: Glück.

Im zweiten Abschnitt fehlte es hingegen an der nötigen Disziplin und an der Cleverness. Rantala würdigte jeden zweifelhaften Körpereinsatz mit Zwei-Minuten-Strafen. Die Ice Tigers nahmen sich selbst das Tempo. Das dritte Berliner Power-Play nutzte Zach Boychuk zur Gästeführung (38.), Nürnberger Spieler und Fans empörten sich da noch über ein vermeintliches Foul der Eisbären. Nicht nur die Mannschaft hatte ihren Fokus verloren.

Am Montag kommt Iserlohn

Im Schlussabschnitt stimmte das Tempo wieder. Nur hatte sich da Berlins Torhüter in einen Rausch gespielt: Tobias Ancicka parierte gegen Marko Friedrich, gegen Blake Parlett - nur gegen den Nachschuss von Tyler Sheehy hatte er keine Chance (58.). Nürnberg war wieder da, Berlin müde, 3899 Zuschauer schrien aus den richtigen Gründen - und Brown scheiterte erneut an Ancicka. Beinahe im Gegenzug tänzelte Yannick Veilleux an der blauen Linie und Nicholas B. Jensen fälschte das Schüsschen zum Berliner Siegtreffer ab (60.).

Am Sonntag haben die Ice Tigers spielfrei, am Montagabend (19.30 Uhr) geht es gegen Iserlohn. Es sollte schnell werden.

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