Derby gegen Augsburg

Ice Tigers wollen noch einen Sieg für Coach Jessica

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

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31.3.2022, 14:00 Uhr
Die letzten Tipps - auch für Lukas Ribarik: Nach dem Spiel gegen Augsburg wird Jessica Campbell die Ice Tigers wieder verlassen. 

© Sportfoto Zink / Thomas Hahn, Sportfoto Zink / ThHa Die letzten Tipps - auch für Lukas Ribarik: Nach dem Spiel gegen Augsburg wird Jessica Campbell die Ice Tigers wieder verlassen. 

Andrew Bodnarchuk durfte noch einmal schwärmen. Davon, dass es nur 15 Sekunden gedauert hatte, bis die Ice Tigers realisiert hatten, dass diese Frau genau an diese Taktiktafel gehört; vom „großartigen Eishockey-Verstand“ Jessica Campbells.

Die kurze Beziehung der 29 Jahre alten Trainerin aus Kanada und den Ice Tigers bleibt faszinierend, am Freitagabend aber geht sie vorerst zu Ende. Campbell kehrt nach dem Heimspiel gegen Augsburg (19.30 Uhr) Chicago zurück, dort hat sie mehrere Jobs. Im Sommer wird sie wieder mit kleinen und großen, millionenschweren und eher am Kabinenbier interessierten Eishockeyspielern an deren Schlittschuhtechnik arbeiten.

Kreativität auf der "Bumper"-Position

Vor dem Spiel in München aber hatte sie auch noch einmal schwärmen dürfen – von den Ice Tigers, von Coach Tom Rowe, von den Spielern. „Es ist ziemlich cool, dass mir Tom diese bedeutende Rolle gegeben hat. Ich war ein bisschen geschockt über die Offenheit, mit der die Spieler meine Tipps und meine Arbeit an Details angenommen haben“, sagte Campbell dem Reporter von Magentasport. „Das ist aber nur ein Beweis für eine Kultur, die Tom, Manu (Kofler, Co-Trainer) und Stefan (Ustorf, Sportdirektor) etabliert haben, die ich so auch noch nirgendwo anders erlebt habe.“

Allein Rowe und Kofler werden beurteilen können, wie viel Campbell tatsächlich verändert hat oder ob allein ihre klare Ansprache bereits eine Veränderung herbeigeführt hat. Anders als beim 1:4 in München war eine Woche später an selber Stelle aber Kreativität, Spielfreude und Tempo zu erkennen. Zum Beispiel bei Bodnarchuks 1:0. Vor dem 2:0 durch Tyler Sheehy passierte etwas, das Rowe vorhergesagt hatte. Sheehy bewegte sich auf der sogenannten „Bumper“-Position, tauschte Doppelpässe mit Patrick Reimer aus und war rechtzeitig zur Stelle, um Daniel Schmölz‘ Vorlage zum 2:0 zu nutzen. Rowe hatte Campbell gebeten, sich auch mal das Power-Play anzusehen – und insbesondere das Verhalten auf der Bumper-Position.

Und irgendwann Cheftrainerin

Dass es trotzdem nicht zum Sieg gereicht hat, lag an der latenten Disziplinlosigkeit der Ice Tigers, an der Qualität der Münchner, an zwei Gegentreffern in 90 Sekunden und auch am Pech. Sheehy traf das rot lackierte Eisen noch während des Spiels, Reimer im Penalty-Schießen. Die vielen Paraden von Niklas Treutle sicherten noch einen wichtigen Punkt. Durch einen Sieg gegen Augsburg könnten die Ice Tigers sicher mit einem Heimspiel in der ersten Playoff-Runde am Dienstag planen.

Jessica Campbell will zurückkommen. Vielleicht im Sommer, vielleicht später, vielleicht als Cheftrainerin. Das ist ihr Ziel, Cheftrainerin im Männer-Eishockey. So hat sie es gesagt. Die 120 Stunden mit den Ice Tigers werden vielleicht auch die Zukunft der Kanadierin verändern.

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