6:1 gegen Köln

Tore, Tricks und ein brutales Foul: Ice Tigers siegen einfach weiter

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

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21.12.2021, 21:12 Uhr
Symbolbild: Marko Friedrich war Marcel Barinka über. 

Symbolbild: Marko Friedrich war Marcel Barinka über.  © Sportfoto Zink / Thomas Hahn, Sportfoto Zink / ThHa

Moderne Torhüter sind groß in alle Richtungen und trotzdem so beweglich, als wären sie klein und leicht. Alex Dubeau ist nicht groß – in keine Richtung. Offiziell wird er mit 1,80 Meter ausgewiesen, doch muss es sich dabei um eine Schätzung handeln. Dubeau ist aber schnell und beeindruckend beweglich, weil er in Nordamerika damit niemanden mehr hat beeindrucken können, ist er nach Europa weitergezogen – zu den Ice Tigers, weil sich deren zweiter Torhüter verletzt hatte. Dubeau ist bereits bestens integriert, bei seinen Kollegen offenbar beliebt und gilt als Spezialist für Raubfische.

Zweimal hat Tom Rowe den Franko-Kanadier nun aufgeboten, um Niklas Treutle Pausen zu geben und so dessen starke Form zu konservieren. Zweimal stand Dubeau den Kölner Haien gegenüber, einer Mannschaft, die groß ist und groß spielen soll. Für Dubeau und die Ice Tigers aber waren sie diesmal nicht groß genug. Das 6:1 (1:1, 2:0, 3:0) war der dritte Sieg in Folge für Nürnberg.

Wie einst die Schmuck-Rüpel?

Es entwickelte sich eines jener Spiele, in denen es sich lohnte, genauer hinzusehen. Zum Beispiel, als Zach Sill den jungen Dennis Lobach an der Bande in voller Fahrt erwischte, Lobach trotzdem noch einen guten Pass spielte, dann aber sichtlich froh war, dass er in der nächsten Unterbrechung auf die Bank durfte. Oder die Verbissenheit im Gesicht von Charly Jahnke im Bemühen immer wieder hart zu bremsen, immer wieder hart anzutreten, nie Bögen zu fahren. Und natürlich die kleinen und großen Boshaftigkeiten, die offenbar dazu gehören, seitdem der Kölner Express die Ice Tigers zu "Schmuck-Rüpeln" ernannt hat.

Der Wendepunkt: Nach dem brutalen Kniecheck von Marcel Müller an Nick Welsh wurde die Partie fairer.

Der Wendepunkt: Nach dem brutalen Kniecheck von Marcel Müller an Nick Welsh wurde die Partie fairer. © Sportfoto Zink / Thomas Hahn, Sportfoto Zink / ThHa

Es ging also darum, keinen Zentimeter herzuschenken, in diesem Abnutzungskampf nicht nachzulassen. So wie das den Ice Tigers schon in der 7. Minute passiert ist, als die Gäste im Power-Play so leicht vors Tor kamen, dass ein Power-Play gar nicht mehr nötig war. Quinton Howden schloss den Konter ab. Oder dem Kölner Patrick Sieloff, der sich – natürlich – von Dane Fox unter Druck setzen ließ, den Puck hergab und mitansehen musste, wie Fox dem nachgerückten Tyler Sheehy den Ausgleich auflegte (9.).

Brutal, nicht gefährlich

Schön ging es auch: Gregor MacLeods Pass auf Daniel Schmölz (25.) war genial. Danach wurde es grenzwertig. Viele der Kölner Checks waren dabei spät angesetzt, gerade so, dass sie die Schiedsrichter noch durchgehen lassen konnten – bis Marcel Müller die Grenze überschritten hatte. Seine Kniecheck gegen Nick Welsh war nicht mehr gefährlich, sondern brutal. Welsh musste vom Eis geführt werden, wenig später folgte Müller mit einer Spieldauerdisziplinarstrafe. Schon das erste Spiel in Köln hatte Welsh nach einem brutalen Check von Maury Edwards vorzeitig beenden müssen, danach fiel er mit einer Gehirnerschütterung 17 Tage aus. Bei einer ähnlich kurzen Verletzungsdauer könnte man diesmal von Glück sprechen.

Das fünfminütige Power-Play nutzten seine Kollegen spät zum 3:1. Blake Parlett lenkte einen Schuss des herausragenden MacLeod entscheidend ab (30.). Die Intensität aber nahm ab. Es wirkte, als hätte die Erinnerung an die Risiken dieser Sportart den Spielern, vor allem den Kölner die Aggressivität genommen.

Dreimal Beinstellen, ein Tor

Die Ice Tigers beendeten das Spiel souverän. Patrick Reimer traf im Power-Play aus spitzem Winkel (50.), spitzbübisch könnte man schreiben, wäre der Rekordspieler nicht mittlerweile 39 Jahre alt. Und auch Marko Friedrich, zuvor dreimal wegen Beinstellens auf der Strafbank durfte noch treffen (56.). Sheehy erhöhte auf 6:1 (59.). Gefeiert aber wurde danach Alex Dubeau, der Torhüter, der am Donnerstag in Bietigheim wohl wieder auf der Bank sitzen wird.

Nürnberg: Dubeau; Karrer/Welsh, Bodnarchuk/Parlett, Bender/Weber - Schmölz/MacLeod/Reimer, Fox/Stoa/Sheehy, Jahnke/Ustorf/Lobach, Fleischer, Friedrich. - Tore: 0:1 Howden (6:40/5-4), 1:1 Sheehy (8:15), 2:1 Schmölz (24:46), 3:1 Parlett (29:45/5-4), 4:1 Reimer (49:33/5-4), 5:1 Friedrich (55:52), 6:1 Sheehy (58:20). - Schiedsrichter: Kopitz/MacFarlane.

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